11:20 05 Juli 2020
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    Kampf gegen den IS (813)
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    Die US-geführte Koalition hat eine Operation zur Befreiung der zweitgrößten irakischen Stadt Mossul eingeleitet. Der Ausgang der Operation wird die Zukunft der Militärkampagne gegen den „Islamischen Staat” (IS) insgesamt bestimmen und kann zu radikalen Folgen für die gesamte Region führen, wie die Zeitung „Kommersant“ am Dienstag schreibt.

    Daesh-Kämpfer in Mossul (Archiv)
    © REUTERS / Stringer/Files
    Zu den größten möglichen Folgen zählen: eine humanitäre Katastrophe, die Zuspitzung der religiösen Kontroversen sowie die Verstärkung des Kampfes um die Einflussgebiete zwischen den führenden regionalen Mächten. Trotz der Gefahr, die Operation in Mossul könne sich in die Länge ziehen und sich in ein Schicksal ähnlich des syrischen Aleppo wandeln, versicherte Russlands Präsident Wladimir Putin, dass Moskau keine Hysterie um diese Offensive verbreiten wolle, da es die Notwendigkeit des Antiterrorkampfes verstehe.

    Zweieinhalb Jahre nach dem Verlust Mossuls an die IS-Terroristen sind die irakischen Behörden fest entschlossen, sich vom Image einer schwachen und unsselbstständigen Administration zu befreien, die die Situation nicht kontrollieren könne. In einer TV-Ansprache an die Nation sagte der irakische Premier Haider al-Abadi, dass die Glocke des Sieges läute. Zudem erinnerte er an die vorherigen Erfolge der irakischen Armee: Sie hatte die Provinzen Anbar und Salah ad-Din nahezu völlig von den Islamisten befreit. Zudem berichtete al-Abadi von der Vorbereitung auf die Zurückeroberung von al-Hawidscha.

    Live: Befreiung von Mossul – Irakische Offensive gegen IS

    Der Sprecher des Kommandos der im Irak eingesetzten von den USA angeführten Internationalen Koalition, Generalleutnant Stephen Townsend, sagte: „Das kann eine lange und angespannte Schlacht werden, aber die Iraker haben sich darauf vorbereitet und wir werden an ihrer Seite stehen.“ Townsend zufolge sollen die irakischen Regierungskräfte und kurdische Aufständische die größte Rolle bei der Befreiung Mossuls spielen.

    Für die Eroberung Mossuls ist eine 60.000 Mann starke Bodengruppierung gebildet worden, die aus Militärs der irakischen Armee und Polizei, Peschmerga-Einheiten, Truppen der schiitischen Aufständischen al-Haschd asch-Schaabi und sunnitischen Stämmen besteht. Zudem können beim Sturm auf Mossul bis zu 2000 türkische Soldaten sowie US-amerikanische und europäische Berater eingesetzt werden.

    Die Kontroversen zwischen den Koalitionsmitgliedern in Bezug auf die Operation wurde derweil schon am Montag sichtbar. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan gab zu verstehen, dass Ankara mit den irakischen Behörden den noch nicht erreichten Sieg über den IS nicht teilen wird. Der türkische Staatschef lehnte de facto die These ab, dass Mossul nicht von externen Kräften, sondern von irakischen Sicherheitsdiensten befreit werde. Ankara zufolge können türkische Soldaten bei fehlender Einladung zur Teilnahme am Kampf um Mossul seitens der irakischen Regierung, die Handlungen im Irak auf Einladung des Anführers des irakischen Kurdistans, Masud Barzani, beginnen.

    Eine türkische Einmischung könnte das ohnehin fragile Gleichgewicht der Kräfte innerhalb der Koalition verletzen. Die Führung der schiitischen Aufständischen-Bewegung al-Haschd asch-Schaabi, hinter der ein weiterer regionaler Akteur, der Iran steht, kritisierte Erdogans Vorschlag, die demografische Zusammensetzung Mossuls zu verändern, als rassistisch. Erdogan hatte früher gesagt, dass in Mossul nach der Befreiung nur arabische Sunniten, Turkmenen und sunnitische Kurden bleiben sollten. 

    MossulKurden vs. IS: Schlacht um Terror-Hochburg Mossul — VIDEO

    Wie viele IS-Extremisten der 60.000 Mann starken Koalition Widerstand leisten, ist nicht genau bekannt – von 2500 bis zu 10.000 Menschen ist die Rede. Jedenfalls ist klar, dass in Mossul die größten IS-Kräfte im Irak konzentriert sind. Gerade der Kampf um Mossul wird zeigen, ob das von den Terroristen geplante Islamische Kalifat Bestand haben könnte.

    Falls sich der Kampf um Mossul in die Länge zieht, könnte es jedoch zu einer größeren humanitären Katastrophe als in Aleppo kommen.  „Während uns gesagt wird, dass sehr viele humanitäre Probleme um Aleppo entstehen, können wir jetzt unsere Partner auf Mossul verweisen“, sagte Wladimir Putin beim BRICS-Treffen in Goa. Aber eines ist klar: Man müsse gegen den Terrorismus kämpfen, es gebe keinen anderen Weg als einen aktiven Kampf, so der russische Präsident.

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    Terrormiliz Daesh, Aleppo, Syrien, Irak, Mossul