07:17 21 November 2017
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    Kein Flugzeug ohne russisches Titan: EU schadet sich mit neuen Sanktionen selbst

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    Russlands Antwort auf Sanktionen des Westens (174)
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    Falls die EU beim Gipfel am 20. und 21. Oktober neue antirussische Sanktionen vereinbart, wird sie selbst darunter leiden, schreibt die Zeitung „Iswestija“ am Dienstag.

    Dabei handelt es sich um Restriktionen für die russische Rüstungsindustrie und den Flugzeugbau. Wenn aber alle 28 EU-Länder dafür stimmen, könnte das vielmehr Probleme für ihre eigenen Flugzeugbauer bedeuten.

    „Auf der Welt gibt es derzeit nur ein Unternehmen, und zwar die russische Korporation VSPMO-AVISMA, das Zulieferteile aus Titan herstellt, ohne die man ein Flugzeug aus Carbonfaserkunststoff nicht bauen kann“, sagte eine Quelle in einer russischen Rüstungsindustriefirma. Diese Zulieferteile seien für Flugzeuge wie die Boeing-787 „Dreamliner“, die Boeing-747-8 sowie den Airbus A-350 und A-380 nötig, weil sie leichter und bruchfester als Aluminium seien.

    In Moskau kommen vorerst keine neuen Gegenmaßnahmen infrage, denn Wirtschaftssanktionen seien kein effizientes Instrument für die Beseitigung von Kontroversen, sagte der Vizevorsitzende des Auswärtigen Ausschusses in der Staatsduma, Alexej Tschepa. 

    Alle Sanktionen, egal gegen welches Land sie verhängt werden, sind kontraproduktiv – das ist klar. Ich denke nicht, dass das neue Paket von Sanktionen unseren Flugzeugbau bzw. unsere Rüstungsindustrie beeinträchtigen wird, denn die westlichen Länder kaufen sowohl Titan als auch Aluminium bei uns“, so der Abgeordnete. „Ich bin sicher, dass die Unternehmen, die mit uns jahrelang kooperierten, dies auch weiter tun werden, denn die Sanktionen sind ein Schlag nicht nur gegen unsere Wirtschaft, sondern auch gegen westliche Unternehmen und die EU-Wirtschaft.“

    Mittlerweile haben Moskau und Peking die Kooperation an einem neuen Großraumflugzeug für 250 bis 300 Fluggäste begonnen, das ein neuer Konkurrent für Airbus- und Boeing-Maschinen werden soll. Voraussichtlich könnte es einen wichtigen Marktanteil nicht nur in Russland und China, sondern auch in anderen Ländern erobern.

    Laut der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ will Kanzlerin Angela Merkel bei dem bevorstehenden Gipfel die EU-Länder zu neuen Russland-Sanktionen wegen der Situation in Syrien auffordern. Allerdings müssten alle 28 Länder diese Initiative unterstützen. Vorerst aber haben sich nur Großbritannien, Frankreich und Schweden dafür ausgesprochen. Auch US-Außenminister John Kerry schloss neue Russland-Sanktionen nicht aus: Nach seinen Worten erwägt Präsident Barack Obama verschiedene Varianten. Die entsprechende Entscheidung könnte binnen weniger Tage getroffen werden.

    Auffallend ist jedoch, dass selbst in Deutschland viele Politiker gegen neue Russland-Sanktionen auftreten, darunter Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Dieser Auffassung stimmt auch sein italienischer Amtskollege Paolo Gentiloni zu, der neulich warnte, die Initiative zu neuen antirussischen Restriktionen wegen Syrien würde nur zusätzliche Kontroversen in der EU auslösen.

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    Tags:
    Titan, Sanktionen, Airbus A-380, Airbus A-350, Boeing-747-8, Boeing-787, Angela Merkel, Alexej Tschepa
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