17:57 09 Juli 2020
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    Der Kampf um die IS-Hochburg Mossul könnte eine humanitäre Krise und Extremistenstrom nach Europa auslösen, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Donnerstag.

    Die vor wenigen Tagen begonnene Offensive auf die irakische Stadt Mossul birgt große Risiken – dabei könnte es aber nicht nur militärische Verluste geben. EU-Sicherheitskommissar Jullian King sagte, dass sich Europa auf den Zustrom der als Flüchtlinge getarnter Dschihadisten vorbereiten müsse, falls Mossul zurückerobert werde. Die Situation wird dadurch erschwert, dass verschiedene Akteure um die Kontrolle in dieser Stadt kämpfen, die von politischen und konfessionellen Widersprüchen erfasst sind. Vielleicht trat die Offensive auf Mossul aus diesem Grund neben der Krise in Aleppo in den Vordergrund.

    Seit Beginn der Militäroperation der irakischen Kräfte und Kurden mit Unterstützung der Anti-Terror-Koalition haben bereits 900 friedliche Einwohner die Stadt verlassen, wie BBC unter Berufung auf das UN-Flüchtlingskommissariat berichtete. Die Camps für die Zivilisten befinden sich in der Nähe von Mossul. Die Türkei erklärte sich bereit, die Einwohner der Stadt aufzunehmen. Zuvor hatte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, berichtet, dass die Erstürmung der Stadt eine humanitäre Krise auslösen könne. Inzwischen sieht die Situation aber weniger kritisch als in Aleppo aus, weil die irakische Armee humanitäre Korridore für diejenigen offen ließ, die die umkämpften Gebiete verlassen wollen.

    Wie der Brigadegeneral der kurdischen Peschmerga-Einheiten, Sirwan Barzani, CNN mitteilte, könnte es zwei Wochen dauern, um Mossul zu erreichen. Anschließend würden etwa zwei Monate für die Befreiung der Stadt von den IS-Extremisten nötig sein. Die Operation werde durch die schlechten Wetterverhältnisse nahe der Kampfgebiete erschwert. Die Medien hatten zuvor berichtet, dass ein weiteres Problem für die irakischen Truppen und Kurden das unterirdische Tunnelnetz der IS-Extremisten sein könnte. Gerade deswegen könnten allein Fliegerkräfte das Problem in Mossul nicht lösen. Die Zahl der Dschihadisten in dieser Stadt liegt bei 3000 bis 6000.

    Die Türkei beteilige sich an den Luftwaffeneinsätzen über Mossul, sagte der türkische Verteidigungsminister Fikri Isik. Trotz der scharfen Kontroversen mit Bagdad beharrt Ankara auf seine militärische Einmischung. Die Operation in Mossul wurde auch vom russischen Präsidenten Wladimir Putin und seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan besprochen. Putin erörterte die Situation auch mit dem irakischen Premier Haidar al-Abadi. „Russlands Präsident drückte seine Unterstützung für die irakischen Behörden zur Ausrottung der Herde des internationalen Terrorismus, und zur Gewährleistung der Souveränität und territorialer Integrität des Landes aus“, heißt es in einer Kreml-Mitteilung.

    Die Einwohner von Mossul sagten Journalisten der britischen Zeitung „The Guardian“, dass sie die Ankunft der irakischen Truppen fürchten, die aus schiitischen Einheiten bestehen, was sunnitische „Säuberungen“ zur Folge haben könnte. Laut Experten besteht es diese Gefahr, doch US-Spezialeinheiten werden die schiitischen Kämpfer vor Ort begleiten. So etwas würden sie wohl nicht zulassen, meint der Experte Wiktor Nadein-Rajewski.

    Dem Experten zufolge braucht Bagdad schiitische Einheiten, um die kurdische Eroberung Mossuls zu verhindern. „Die jetzigen schiitischen Behörden in Bagdad befürchten, dass die Kurden die Situation nutzen und Mossul dem Autonomen Kurdischen Gebiet im Norden Iraks anschließen könnten“. Den Jesiden-Einheiten würden sie ebenfalls nicht vertrauen. Mit der Ordnung in der Stadt würden sich nach der Zurückeroberung die Regierungstruppen befassen, die vorwiegend aus Schiiten bestehen.

    Laut dem Experten sind Opfer unter der friedlichen Bevölkerung Mossuls nicht zu vermeiden. Es gibt bereits Berichte, dass die Extremisten die Einwohner der Randgebiete zusammenziehen, um sie als lebendiges Schild zu benutzen.

    Militärexperte Anton Mardassow äußerte die Meinung, dass eine humanitäre Katastrophe in Mossul wegen der Sympathien der örtlichen Bevölkerung für den IS entstehen könnte. „Bagdad bezeichnete die Einwohner des östlichen Aleppos als Helfershelfer der Terroristen. Das bedeutet, dass es ebenso dazu bereit ist, die Stadtvierteln Mossuls zu zerstören. Ein großer Teil der Bevölkerung hat Mitgefühl mit den Islamisten, weshalb es sicher eine humanitäre Krise geben wird“, so der Experte.

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