12:55 20 Februar 2020
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    Kampf gegen den IS (813)
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    Die Offensive auf die IS-Hochburg Mossul im Irak stößt auf immer größere Probleme. Der Konflikt zwischen den wichtigsten Teilnehmern der US-geführten Koalition – der Türkei und der irakischen Regierung – hat sich dermaßen zugespitzt, sodass Pentagon-Chef Ashton Carter in die Region reisen musste, schreibt der „Kommersant“ am Montag.

    Die Verhandlungen von Carter in Ankara und in Bagdad endeten ohne Ergebnisse. Die Behörden Iraks sind kategorisch gegen die Befreiung Mossuls durch türkische Soldaten. Am Sonntag tauchten derweil erste Berichte darüber auf, dass die türkische Armee trotz Protesten der irakischen Behörden bereits an der Offensive teilnimmt. Die fehlende Bereitschaft Ankaras und Bagdads, einander den Status des Siegers im Kampf gegen den IS zu überlassen, könnte die größte Militäroperation der aus dem Amt scheidenden US-Administration im Nahen Osten scheitern lassen.

    Die erste Woche der Hauptoperation an der irakischen Front im Kampf gegen den IS – die Offensive der Koalitionstruppen auf Mossul – brachte widersprüchliche Ergebnisse. Während das Militär davon spricht, dem Zeitplan sogar voraus zu sein, begannen die Politiker mit der Klärung der Beziehungen früher als erwartet. Im Ergebnis erwies sich die Allianz am Rande der Spaltung. 

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    Hauptakteure der Konfrontation innerhalb der Koalition sind der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan und der irakische Premier Haider al-Abadi. Bereits vor Beginn der Offensive  warnte Erdogan seinen irakischen Kollegen, dass er an Militäroperationen im Irak teilnehmen wird, weil er sich nach eigenen Interessen richtet und nicht auf eine Einladung aus Bagdad warten wird.

    Zugleich gab Haider al-Abadi zu verstehen, dass er sich nicht dem Druck Erdogans beugt. Die Iraker würden dieses Problem selbst lösen und Mossul sowie andere Städte selbst befreien, so der irakische Premier. Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim sagte währenddessen am Sonntag, dass Artillerie und Panzer der türkischen Streitkräfte bereits an den Kampfhandlungen im Irak teilnehmen und die Einheiten der autonomen Region Kurdistan unterstützen. 

    Ashton Carter versuchte bei seinen Türkei- und Irak-Besuchen das Hauptproblem zu lösen – die Spaltung in der Koalition zu überwinden. Seine Mission endete allerdings ohne Ergebnisse. Carters Verkündigungen in Ankara machten die Situation noch verwirrender. Einerseits teilte Carter mit, dass türkische Soldaten an der Offensive auf Mossul teilnehmen sollten, andererseits bestätigte er, dass diese Teilnahme die Erlaubnis seitens Bagdads erfordert.

    Die Kompromisslosigkeit, mit der Erdogan die Teilnahme der Türkei an der Offensive auf Mossul anstrebt, wird mit seinem Streben erklärt, die Übernahme der Kontrolle über die Stadt durch für Ankara feindliche Kräfte zu verhindern. Das vorwiegend von Sunniten bewohnte Mossul wird von Erdogan als Teil der „türkischen Welt“ betrachtet. 

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    Der Konflikt zwischen den Koalitionsmitgliedern spitzte sich zu einer unpassenden Zeit zu – gerade jetzt ist der entscheidende Zeitpunkt des Kampfes um Mossul. Wie kurdische Quellen mitteilten, befinden sich die Koalitionstruppen nur fünf Kilometer vor Mossul. Diese Etappe – die Kampfhandlungen in einer 1,5 Millionen Einwohner zählenden Stadt – könnte die blutigste und längste sein.

    Die Lage wird noch dadurch erschwert, dass der IS zur aktiven Verteidigung übergeht, indem Diversionen im Hinterland des Gegners organisiert werden. Solche Aktionen bremsen die Offensive der Koalition, weshalb der Zeitplan torpediert werden kann – die Stadt soll bis zur Präsidentschaftswahl in den USA am 8. November zurückerobert werden.

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    Terrormiliz Daesh, Mossul, Türkei, Irak, USA