00:32 14 November 2019
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    Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu auf dem Militärstützpunkt Hmeimim in Syrien (Archivbild)

    „Schutzschild Euphrat“ – Moskau teilt mit Ankara Aufklärungsdaten aus Syrien

    © Sputnik / Russlands Verteidigungsministerium
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    Russland versorgt die Türkei mit Aufklärungsinformationen für den Einsatz „Schutzschild Euphrat“, schreibt die Zeitung „Iswestija“ am Montag.

    Wie der Erste Vizevorsitzende des Verteidigungs- und Sicherheitsausschusses im Föderationsrat (Parlamentsoberhaus), Franz Klinzewitsch, mitteilte, hat sich Ankara beim Austausch von Aufklärungsinformationen inoffiziell Russland, Syrien, Irak und Iran angeschlossen.

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    „Wir stellen der türkischen Seite abgefangene Informationen (…) bereit, die für sie interessant sein könnten“, so der Senator. „Auch sie teilen uns verschiedene Informationen mit. Die Türken haben sehr effiziente Aufklärungsdienste und sehr gute Agenten in Syrien.“

    Eine militärdiplomatische Quelle verriet, dass der Informationsaustausch während des jüngsten Türkei-Besuchs des russischen Präsidenten Wladimir Putin vereinbart worden sei. „Zu den Mitgliedern der russischen Delegation gehörte Generalstabschef Waleri Gerassimow, der sich mit seinem türkischen Amtskollegen Hulusi Akar traf“, so der Insider.

    Der türkische Einsatz „Schutzschild Euphrat“ im Norden Syriens begann am 24. August, nach einem großen Terroranschlag im türkischen Gaziantep. Als offizielles Ziel dieser Operation gilt der Kampf gegen den so genannten „Islamischen Staat“ (IS). Gleichzeitig aber wird auch gegen die syrischen Kurden gekämpft, die Ankara als Gefahr für seine Sicherheit einstuft.

    Klinzewitsch verwies darauf, dass die Türkei in den vergangenen Monaten ihre außenpolitischen Prioritäten geändert habe, weshalb das Zusammenwirken zwischen Moskau und Ankara möglich geworden sei. „Die Türkei ist zwar Nato-Mitglied, aber sie ist sehr böse wegen des Putschversuchs (im Juli), mit dem laut einigen Angaben mehrere westliche Großmächte indirekt verbunden sein könnten“, so der Senator. „Präsident Erdogan und die türkische Führung haben verstanden, dass sie mit Russland durchaus kooperieren können.“ 

    Laut arabischen und iranischen Medienberichten hatte die türkische Führung einige Stunden vor dem Putsch am 17. Juli entsprechende Informationen von den russischen Geheimdiensten erhalten. Auch deswegen konnte der Umsturzversuch niedergeschlagen werden.

    Der russische Orientalist Wladimir Awatkow hält den Dialog zwischen Moskau und Ankara für äußerst wichtig. „Die Türken könnten für uns in Syrien sehr nützlich sein, denn in den russisch-türkischen Beziehungen ist derzeit die Kooperation im Verteidigungs- und Aufklärungsbereich besonders wichtig“, so der Experte. „Die Türkei kontrolliert ganze Regionen im Norden Syriens und kann sehr mächtige Gruppierungen beeinflussen.“

    In letzter Zeit hat Ankara die Bereitschaft gezeigt, Moskau in der Syrien-Frage entgegenzukommen, sagte Awatkow weiter. In diesem Kontext erwähnte er Erdogans jüngste Aussagen, Putin hätte ihn gebeten, den Abzug der al-Nusra-Kämpfer aus Aleppo voranzubringen. Ankara scheine dabei eine Rolle gespielt zu haben, vermutete der Experte. „In der aktuellen Situation haben wir die Möglichkeit, den gegenseitigen Dialog bzw. das gegenseitige Zusammenwirken zu fördern, das nicht nur in der Syrien-Frage, sondern auch in anderen Aspekten der Außenpolitik nützlich wäre“, ergänzte Awatkow.

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    Tags:
    Schutzschild Euphrat, Terrormiliz Daesh, Türkei, Iran, Syrien, Irak, Russland