19:23 21 Januar 2018
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    Soldaten des Fernspähzugs der Luftlandekompanie 310 infiltrieren im Rahmen einer Vorübung zu Cold Response 2016 das Gelände Lakselv in Norwegen

    Nato-Spezialtrupps in Norwegen: Washington und Moskau wappnen sich für Arktis-Kampf

    © Foto: Bundeswehr/LUI
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    Nesawissimaja Gaseta
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    In Norwegen wird im kommenden Jahr erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg ein Bataillon von US-Marineinfanteristen stationiert werden. Die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta" vom Mittwoch betrachtet diesen Umstand im Kontext des wachsenden – auch militärischen – Interesses an den Arktisgebieten.

    Vor allem gehe es dabei um Spezialkräfte, die Diversionen im Hinterland des Gegners organisieren könnten. Es sei ein offenes Geheimnis, so das Blatt, dass mit „ Gegner“ dabei Russland gemeint sei.

    Norwegens Verteidigungsministerin Ine Marie Eriksen Soreide teilte dabei mit, dass die US-Kräfte auf dem Militärstützpunkt Vaernes stationiert werden. Zwar liegt dieser immerhin noch etwa 1000 Kilometer von der russischen Staatsgrenze entfernt, aber potenzielle Gefahr für Moskau bestünde trotzdem. Soreide versicherte zugleich, dass die Amerikaner „auch in anderen Teilen des Landes“ üben könnten. Es ist also nicht ausgeschlossen, dass sie auch näher an den Stützpunkten der russischen Nordflotte auftauchen.

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    Westliche Medien hatten schon früher berichtet, dass Washington sein militärisches Potenzial nicht nur in Osteuropa und den baltischen Ländern, sondern auch in der Arktis ausbaue. Am 30. Juni wurde ein Abkommen zwischen den USA und Island über die Stationierung von US-Truppen auf der kleinen nordischen Insel unterschrieben.

    Noch im Februar 2014 hatte CNN unter Berufung auf den Befehlshaber der 2. Marine-Expeditionsbrigade, Oberst William Bentley, berichtet, das Pentagon habe Panzer, Artilleriewaffen und logistische Mittel – insgesamt 6500 Einheiten – in geheime Höhlen im mittleren Teil Norwegens verlegt. Dort könnten bis zu 15.000 Marineinfanteristen untergebracht werden. 

    US-amerikanischer strategischer Bomber B-52. Archivfoto
    © Foto: U.S. Air Force / Marianique Santos
    Die sei, schreibt die „Nesawissimaja“, mit der potenziellen Anwendung von Atomraketen durch die USA verbunden. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte nicht umsonst noch vor zwei Jahren erklärt: „Die Arktis spielt eine sehr wichtige Rolle für unsere Sicherheit, denn leider sind unweit Norwegens US-U-Boote stationiert. Die Flugzeit einer von diesem U-Booten abgefeuerten Rakete bis Moskau würde 15 oder 16 Minuten betragen.“ Aber auch die russische Flotte sei dort stationiert, ergänzte der Staatschef damals.

    Die USA hatten also noch lange vor der Wiedervereinigung Russlands mit der Krim und den Ereignissen in der Ostukraine begonnen, ihr Militärpotenzial in der Arktis auszubauen. In den letzten zwei Jahren gehen die USA bzw. die Nato dabei aber besonders intensiv vor. Der russische Vizepremier und Ex-Botschafter bei der Nato, Dmitri Rogosin, sagte unlängst, Brüssel ziehe bis heute die bereits 2010 aufgeworfene Idee zur Bildung eines Arktischen Kommandos der Nordatlantischen Allianz in Erwägung. 

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    Aber auch Russland bemüht sich um Reaktivierung seiner seit den 1990er Jahren vernachlässigten Militärinfrastruktur im Hohen Norden, „unter anderem weil wir die Sicherheit von Schiffskonvois auf den Handelsrouten gewährleisten müssen, aber nicht weil wir eine Konfrontation mit jemandem anstreben“, sagte einst Putin.

    Verteidigungsminister Sergej Schoigu kündigte seinerseits in der vorigen Woche an, dass bis Ende des Jahres mehrere Infrastrukturobjekte in der Arktis in Betrieb genommen werden sollen, darunter auf dem Franz-Josef-Land, der Kotelny-Insel und der Wrangelinsel.

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    Tags:
    NATO, USA, Russland, Norwegen
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