09:36 22 Oktober 2020
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    Der massiv an Zustimmung verlierende sozialistische Präsident Frankreichs, Francois Hollande, findet selbst im eigenen Lager kaum noch Unterstützung. Gegen Hollandesprach sich sogar Premier Manuel Valls aus. Der amtierende Präsident scheint sich bereits mit dem Ende seiner Amtszeit abgefunden zu haben, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Montag.

    Hollandes Anhänger äußern sich zunehmend skeptischer zu den Siegeschancen bei der Präsidentschaftswahl im April des kommenden Jahres. Die angesprochene Spaltung zwischen Präsident und dem Premier kam ans Licht, als in den französischen Buchhandlungen in der vergangenen Woche ein Buch von „Le Monde“-Journalisten mit dem Titel „Ein Präsident dürfte das nicht sagen …“ erschien, in dem die Journalisten scharfe, provokative und doppelsinnige Äußerungen Hollandes zusammentrugen.

    Das Werk sorgte für einen großen Skandal – sechs Monate vor der Wahl fanden sich viele Politiker und Wähler, die ebenfalls der Meinung sind, dass ein Präsident so etwas nicht sagen dürfte. 

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    Das Buch scheint niemanden auszulassen  – „zahnlose“ Wähler, „ängstliche“ Richter, „ungezogene“ Fußballspieler, Leiter der Sicherheitsdienste (die Hollande „enttarnte“) und sogar die Sozialistische Partei, die offenbar den Harakiri-Kurs braucht. In den politischen Kreisen Frankreichs wird das Buch als „politischer Wahnsinn“ betrachtet –Hollande müsse als Präsident seinen Mund kontrollieren können.

    Derselben Meinung ist auch Premier Manuel Valls. „Das ist unverzeihbar. Ich sehe nicht, wie man danach einen Wahlkampf führen kann“, zitiert die Zeitung „Le Canardenchaine“ den Premier. „Das ähnelt einem politischen Selbstmord. Jetzt muss man alles daran setzen, dass dieser einzelne Selbstmord nicht zu einem gemeinsamen wird.“

    Die Ambitionen Valls waren immer höher als die eines Premiers. Bereits vor drei Jahren sagten viele französische Experten, dass das Ziel des jungen Politikers der Präsidentenposten und das Amt des Premiers nur eine Zwischenstation in seiner Karriere sei.

    Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts CEVIPOF sanken die Umfragewerte Hollandes auf vier Prozent. Der Premier musste sich von ihm distanzieren, um seine eigene Karriere zu retten. In dieser Situation ist das Buch über den Präsidenten ein wahres Geschenk für Valls. Der Premier kann endlich ohne Vorwürfe der Undankbarkeit gegenüber dem Präsidenten zum Schutz der Partei auftreten.

    Je aktiver er sein wird, desto mehr Chancen hat er bei parteiinternen Vorwahlen. Zu den potentiellen Kandidaten für das Präsidentenamt gehören alle Schwergewichtler der Partei, darunter die ehemalige Ehefrau des Präsidenten und Umwelt- und Energieministerin, Ségolène Royal.

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    CEVIPOF, Ségolène Royal, Manuel Valls, François Hollande, Frankreich