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    Amerikanische Hacker gegen Russland: „Eindringen ist keine Attacke“

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    US-Medien haben letzte Woche berichtet, amerikanische Hacker wären in die Computernetze der russischen Energieversorgungssysteme und sogar des Kremls eingedrungen. Worum handelt es sich dabei – um billige Sensationsmache oder den Beginn eines großen Cyberkrieges? Diese Frage stellt sich die Zeitung „Moskowski Komsomolez“ in ihrer Montagsausgabe.

    „Ich halte diese Medienberichte für eine Art Fortsetzung der Informationskampagne der US-Geheimdienste, als das US-Ministerium für innere Sicherheit Russland Angriffe gegen die Infrastruktur der US-Präsidentschaftswahl vorwarf“, sagte der Experte des russischen PIR-Centers „Internationale Informationssicherheit und globale Internetverwaltung“, Oleg Demidow. Allerdings müsse man „etwas verstehen: Die Geheimdienste jedes Landes versuchen, in die Infrastruktur des potenziellen Gegners einzudringen“, betonte er. Das sei durchaus mit normaler Spionage vergleichbar und „überall üblich“. 

    „Dass die Amerikaner angeblich in Russlands Energiesysteme durchgedrungen sind (was jedoch vorerst durch nichts bewiesen wurde), ist kein Angriff. Das Durchdringen ist (…) ein Versuch, eine Schwäche im System zu finden“, so der Experte. „Die Hauptsache ist, dass eine Möglichkeit entsteht, diese Schwäche auszunutzen, solange sie nicht beseitigt worden ist.“ 

    Demidow betonte, dass es zudem aktuell immer noch keinen Begriff wie „Angriff“ im IT-Bereich gebe – die entsprechende Debatte werde erst geführt. „Es gibt zwei Kriterien: Zerstörung der Infrastruktur und Menschentod. Solange die Infrastruktur nicht zerstört worden ist und keine Menschen ums Leben gekommen sind, kommt ein Angriff nicht infrage.“

    Zudem verwies der Experte auf das große mediale Aufsehen um den angeblichen Cyberangriff gegen Russland: „Militärische Cyber-Einsätze verlaufen üblicherweise geheim und werden nicht an die große Glocke gehängt.“ Als Beispiel führte er den Einsatz des Computervirus Stuxnet gegen iranische Militärobjekte durch die CIA und den Mossad an. „Damals hatte niemand diesen Einsatz annonciert. In diesem Fall geht es also weder um einen Cyberangriff noch um einen Cyberkrieg.“

    Zu Russlands eventueller Antwort auf einen Cyberangriff seitens der USA sagte Demidow weiter, das sei „schwer zu sagen, weil unsere staatlichen Behörden über ihr entsprechendes Arsenal von Mitteln nie öffentlich sprachen“. Es sei allerdings bekannt, dass Russland über zahlreiche Mittel verfüge, „die notfalls das Eindringen in die Netzwerke von industriellen und strategischen Objekten ermöglichen.

    Gleichzeitig verwies er auf die „paradoxe Situation“: „Die USA verfügen über das größte Offensivpotenzial, sind dabei aber eine der verwundbarsten Nationen und Wirtschaften im Falle eines Gegenschlags. In den USA sind Online-Anschlüsse sehr verbreitet – es gibt automatische Kontrollsysteme in Betrieben, Kraftwerken usw.“

    Dadurch können zahlreiche Informationen per Internet gesammelt werden. „Dasselbe gilt auch für den Militärbereich: Das Pentagon hat mindestens vier verschiedene Computernetze: ein übliches Netz für zivile und militärische Objekte, eines für die Übergabe von nicht vertraulichen Informationen, eines für vertrauliche Informationen und eines für streng vertrauliche Informationen. Und je mehr Netze es gibt, desto größer ist die Chance, dass sich irgendwo ein ‚Loch‘ findet“, ergänzte Experte Demidow.

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    Tags:
    Cyber-Krieg, USA, Russland