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22:28 21 Oktober 2019
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    Wahlen in den USA

    Spaltung zwischen Elite und Gesellschaft offensichtlich – was kommt nach der US-Wahl?

    © AFP 2019 / Andrew CABALLERO-REYNOLDS
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    Die ehemalige Außenministerin und Demokratin Hillary Clinton sowie der Milliardär und Republikaner Donald Trump kämpfen am Dienstag um das Amt des 45. Präsidenten der USA, schreibt die Zeitung „Wedomosti“ am Dienstag.

    Die letzte Etappe des Wahlkampfes erwies sich als besonders skandalös. Die Gegner Trumps diskutierten eine in der „Washington Post“ veröffentlichte Aufnahme eines Gesprächs mit ihm von 2005, als er sich kritisch über Frauen äußerte. Die Kritiker Clintons erhielten ein „Geschenk“ vom FBI, das die Untersuchung der E-Mail-Affäre wiederaufnahm.

    Die Skandale um Präsidentschaftskandidaten sind ein unvermeidlicher Trend des politischen Lebens in demokratischen Ländern, meint die Professorin der Harvard University, Barbara Kellerman. „Jetzt fühlen sich die Bürger berechtigt, ihre Anführer zu kritisieren, deren Rolle deswegen sinkt, und die Distanz zwischen Herrschern und einfachen Menschen wird kürzer.“

    Der Hauptunterschied des aktuellen Wahlkampfes zu früheren seien ihre Teilnehmer. „Die größte Überraschung bei der Wahl war Donald Trump, genauer gesagt, seine Null-Erfahrung in der Politik. Clinton hatte einen zwar kleinen, jedoch stabilen Vorsprung, den sie beibehalten hat. Ehrlich gesagt bin ich nicht der Meinung, dass Trump Chancen auf den Sieg hat“, so Kellerman. Die Geschichte um die E-Mail-Affäre Clintons und eine vom FBI neu initiierte Untersuchung hätten diesen Trend brechen können, hätte Trump sich etwas mehr kontrollieren können.

    USA (Symbolbild)
    © REUTERS / Jim Young
    Trump hätte beim Endspurt auf aktuelle Fragen gesetzt und endlich als Präsidentschaftskandidat agierte, meint der politische Berater der Republikaner, Ray McNally. Die Anhänger Trumps seien wahre Enthusiasten und würden die Wähler mobilisieren, einige „schwankende“ Bundesstaaten hätten sich bereits für Trump entschieden, so der Experte. „Alles wird davon abhängen, wessen Anhänger in die Wahllokale gehen und wie stark die Amerikaner Wandlungen in ihrem Land wollen.“

    Laut der Expertin Viktoria Schurawljowa haben die Wahlen eine Spaltung zwischen der Elite und der Bevölkerung offenbart. Die Elite lebe in ihrer eigenen Realität und bleibe hinter der sich verändernden Situation zurück, während die Gesellschaft sich von ihr nicht mehr vertreten fühlt. Trump sei der Ausdruck von Wut geworden. Sein Auftauchen und 45 Prozent Unterstützung für ihn zeigten, dass Änderungen nötig seien, so die Expertin.

    Trump sei tatsächlich zum Ausdruck der Unzufriedenheit geworden, weil die weißen Männer aus der ländlichen Provinz durch ihn die Möglichkeit bekommen hätten, ihren Protest auszudrücken, so Kellerman. „Sie sind darüber empört, dass sie nicht mehr über die Stärke verfügen, wie noch vor einigen Jahrzehnten. Ihre Empörung hat auch Ursachen. Man kann sehen, wie die Amerikaner lateinamerikanischer Herkunft sehr an Einfluss gewonnen haben.“

    Die Hauptfrage bestehe jetzt nicht darin, wer gewinnt, sondern darin, in welcher Situation sich der neue Präsident wiederfinde.

    „Falls die Republikaner die Mehrheit bei der Kongresswahl bekommen, werden sie alles Mögliche tun, um Clinton sowohl politisch als auch durch die Blockierung von Gesetzentwürfen und mit anderen Mitteln Widerstand zu leisten“, so die Expertin.

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