17:50 11 Dezember 2019
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    Die britische Ministerpräsidentin Theresa May in Indien

    May zeigt sich in Neu-Delhi: London bemüht sich um Neustart mit früherer Kolonie

    © AP Photo / Aijaz Rahi
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    Die britische Ministerpräsidentin Theresa May hat Indien einen dreitägigen Besuch abgestattet. Das war Mays erste Reise außerhalb der EU in ihrem Amt, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Mittwoch.

    Mays Verhandlungen in Neu-Delhi hatten eine besondere Bedeutung im Kontext des baldigen Brexits – sowohl für London, das die Vorteile der „Unabhängigkeit“ von der Europäischen Union hervorheben will, als auch für die indische Regierung von Narendra Modi.

    In Neu-Delhi ist man an einer Intensivierung der Wirtschaftskontakte mit dem einstigen britischen Mutterland interessiert, die derzeit deutlich geringer als die Wirtschaftsbeziehungen mit den USA, China und anderen Großmächten sind. 2013 hatte man große Hoffnungen mit dem Indien-Besuch des damaligen britischen Premiers David Cameron verbunden, doch er brachte keinen Durchbruch.

    Mehr zum Thema: May will Brexit allein durchziehen

    Der gegenseitige Handelsumsatz liegt in den vergangenen Jahren konstant bei 20 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Zwischen Indien und den USA ist der Handelsumsatz in dieser Zeit von 20 auf 100 Milliarden Dollar gewachsen. Der bevorstehende Brexit machte die indischen Unternehmenskreise in Bezug auf das Vereinigte Königreich nur noch skeptischer.

    Dass May aber wirklich an einem „Neustart“ der Beziehungen mit Indien interessiert ist, sollte der Umstand beweisen, dass sie auf ihrer Reise von Handelsminister Liam Fox und Leitern von 33 führenden britischen Unternehmen begleitet wurde. Diese besuchten übrigens neben Neu-Delhi auch Bangalore, das als indisches „Silicon Valley“ gilt.

    Als wichtigstes Ziel der Verhandlungen galt die Erörterung eines neuen bilateralen Vertrags, der die Handels- bzw. Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Ländern nach dem Brexit regeln soll. (Ähnliche Abkommen muss London auch mit anderen führenden Wirtschaften der Welt treffen.)

    Aber die Aussagen der Seiten nach den Gesprächen zeigten, dass die Kontroversen nach wie vor groß sind. Unter anderem geht es um Londons strenge Migrationspolitik. Während Narendra Modi seine Amtskollegin zur Lockerung der Visapflicht für Inder aufforderte, die auf der Insel studieren und arbeiten wollen, gab May, die früher Innenministerin war und als Verfechterin einer strikten Migrationspolitik bekannt ist, zu verstehen, dass sie an ihrem Kurs festhalten wird. „Für die Einwohner der Nicht-EU-Länder haben wir das Visasystem, das nur den besten von ihnen erlaubt, in das Vereinigte Königreich zu kommen“, betonte sie.

    London wäre zu einer Lockerung der Visapflicht nur unter der Bedingung bereit, dass Neu-Delhi die Inder zurücknehmen würde, die sich in Großbritannien illegal aufhalten und abgeschoben werden.

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    Tags:
    David Cameron, Narendra Modi, Theresa May, China, USA, Indien, Großbritannien