07:06 19 November 2019
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    Afghanistan bekommt seine Flüchtlinge zurück: UN kritisiert Massenabschiebung aus EU

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    Bis Ende dieses Jahres werden etwa 1,5 Millionen afghanische Flüchtlinge die EU-Länder, den Iran und Pakistan verlassen müssen, schreibt die Zeitung „Iswestija“ am Donnerstag.

    Internationale Menschenrechtsorganisationen warnen, dass die Rückkehr der Flüchtlinge dieLage am Hindukusch destabilisieren würde, wo seit dem Einmarsch der US- und Nato-Truppen 2001 ständig Gefechte geführt werden.

    Vertreter von Human Rights Watch halten die Abschiebung afghanischer Flüchtlinge für einen Fehler Brüssels. Der Sprecher der UN-Flüchtlingsverwaltung, Babar Baloch, betonte seinerseits, dass Flüchtlingen, deren Leben in der Heimat gefährdet sei, unabhängig von ihrer Nationalität Asyl gewährt werden sollte.

    „Die Situation in Afghanistan ist und bleibt äußerst angespannt. Das Leben vieler Afghanen schwebt in Gefahr. Die Uno verteidigt die Möglichkeit für die Menschen, deren Leben gefährdet ist, internationalen Schutz zu bekommen“, sagte der UN-Mitarbeiter. Nach seinen Worten sollten die Europäer „die Realität im heutigen Afghanistan berücksichtigen“.

    Allein aus den EU-Ländern sollen bis Ende 2016 mehr als 80.000 Afghanen abgeschoben werden. Insgesamt weilen in Europa schätzungsweise 200.000 Flüchtlinge vom Hindukusch.

    „Etwa 1,5 Millionen afghanische Flüchtlinge befinden sich in Pakistan. 300.000 Menschen wurden bereits ausgewiesen. Im Iran beläuft sich die Flüchtlingszahl auf mehrere hunderttausend“, so Baloch. „Die Heimkehr der Flüchtlinge sollte freiwillig erfolgen, egal ob aus der EU oder aus Pakistan.“

    Jerry Simpson von Human Rights Watch sagte gegenüber „Iswestija“, dass die Ausweisung der afghanischen Flüchtlinge in vielen Fällen illegal und eine Verletzung der Menschenrechte sei. „Pakistan weist Hunderttausende registrierte Flüchtlinge ungesetzlich aus. Die EU hat das juristische Recht, die Afghanen abzuschieben, denen das Asyl verweigert wurde. Dennoch haben wir Zweifel bezüglich des Verfahrens zur Asylgewährung für afghanische Staatsbürger. Unseres Erachtens wäre das seitens Europas moralisch und strategisch falsch“, so der Menschenrechtler.

    Eine Quelle in der UN-Flüchtlingsverwaltung, die anonym bleiben wollte, sagte ihrerseits, die Organisation sei gegen die Massenausweisung der Flüchtlinge aufgetreten, aber die EU bestünde auf der Notwendigkeit der Abschiebung.

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