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17:10 22 September 2019
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    Einwohner von Mossul

    Mossul voller lebendiger Schutzschilde: Befreiungsoperation läuft NICHT nach Plan

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    Nahezu einen Monat dauert mittlerweile der Einsatz zur Befreiung des irakischen Mossul vom so genannten „Islamischen Staat“, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Mittwoch.

    Dabei handelt es sich um die größte Kriegskampagne im Irak seit dem Sturz Saddam Husseins 2003. Im Norden und Osten wird die Stadt von den Regierungstruppen gestürmt. Ebenfalls im Norden befinden sich die kurdischen Kräfte. Im Südwesten geht das schiitische Volksheer vor, das vom Iran unterstützt wird. Seine Aufgabe ist, den IS-Kämpfern die Rückzugswege aus Mossul nach Syrien zu versperren. 

    An diesem Einsatz, der am 17. Oktober begann, beteiligen sich insgesamt nahezu 60.000 Soldaten bzw. Kämpfer. Aus der Luft werden sie von der von den USA angeführten internationalen Koalition unterstützt. Darüber hinaus befinden sich im Irak nahezu 5000 US-Soldaten und fast 3000 Militärs aus anderen Nato-Ländern, die sich an den Gefechten allerdings nicht beteiligen.

    Kämpfe um Mossul: Selbstmord-Attentäter fallen über irakische Armee her — VIDEO

    Mossul wird seit Juni 2014 vom IS kontrolliert, als der Anführer der Gruppierung, Abu Bakr al-Baghdadi, die Gründung eines „islamischen Kalifats“ im Irak und in Syrien ausrief. Viele Stadtbewohner begrüßten die IS-Kämpfer damals als Befreier von der Macht der schiitischen Behörden in Bagdad.

    Experten sehen das größte Problem bei der Befreiung Mossuls darin, dass in der Stadt bis zu 1,5 Millionen Zivilisten verbleiben. „Wenn es dort keine friedlichen Einwohner gegeben hätte, hätten wir diese Terroristen einfach ausradiert“, erklärte der Generalmajor der irakischen Spezialkräfte, Sami al-Aridi. Die Dschihadisten nutzen die Zivilisten als „lebendigen Schutzschild“, bedauerte er. „Deshalb wissen wir nicht, mit wem wir es zu tun haben: mit Kämpfern oder mit einfachen Menschen“, wird der General von der „Washington Post“ zitiert.

    Im Kampf gegen die Koalitionskräfte greifen die IS-Kämpfer in Mossul auf verminte Fahrzeuge mit Selbstmordattentätern am Steuer zurück. IS-Vertreter behaupten, dass die Regierungstruppen in dieser Zeit 829 Soldaten verloren und dass Selbstmordattentäter 25 Panzerfahrzeuge und sechs Schützenpanzerwagen vernichtet hätten. Das irakische Militärkommando führte seinerseits an, dass „mehr als ein Drittel des östlichen Teils von Mossul“ befreit worden sei. Allein in den Vororten seien 955 IS-Kämpfer getötet und mehr als 100 gefangengenommen worden.

    Befreiungsoffensive auf Mossul
    © REUTERS / Zohra Bensemra

    In Washington äußert man sich dazu eher zurückhaltend. „Der Einsatz in Mossul verläuft planmäßig. Die Stadt wurde von den Kräften eingekesselt, die wir ausgebildet und bewaffnet haben“, behauptet US-Verteidigungsminister Ashton Carter.

    Die von „Kommersant“ befragten Experten zeigen sich jedoch eher skeptisch. Nach ihrer Auffassung verläuft der Einsatz tatsächlich nach Plan, aber bislang seien nur mehrere Vororte vom IS befreit worden. Unmittelbar in der Stadt sei die Operation ins Stocken geraten.

    „Die Operation in Mossul wird sich hinziehen, und dann könnte es sogar zu Gefechten zwischen verschiedenen Teilnehmern kommen, die gegeneinander  eingestellt sind“, vermutet der Direktor des russischen Instituts für Religion und Politik, Alexander Ignatenko.

    „Der Einsatz wurde von den Amerikanern geplant, die die kurdischen Kräfte daran teilnehmen ließen. (…) Aber auch die Türkei besteht darauf, dass sie sich an der Befreiung Mossuls beteiligt, deren Kräfte nördlich von der Stadt stationiert sind. Präsident Erdogan zufolge geht es im Irak derzeit um eine ‚persische Expansion‘, der Ankara entgegenwirkt. Die proiranischen Formationen warnten ihrerseits wiederholt, sie würden die Türken neben den IS-Kämpfern vernichten.“

    Der Vermutung, dass der Mossul-Einsatz länger als bis zum Jahresende dauern könnte, stimmt auch der ehemalige Botschafter Russlands in Saudi-Arabien, Andrej Baklanow, zu. Er schließt jedoch auch eine andere Möglichkeit nicht aus: Das IS-Kommando könnte sich für den Rückzug aus der Stadt entscheiden. „Einige der IS-Führer wollen schwere Verluste verhindern, die bei einem längeren Sturm Mossuls unvermeidlich wären.“

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    Terrormiliz Daesh, USA, Irak, Mossul