02:03 26 September 2017
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    US-Präsident Barack Obama und Chinas Staatschef Xi Jinping beim APEC-Gipfel in Peru, 20. November 2016

    Asien-Pazifik-Raum: China nimmt den USA die Führungsrolle weg

    © AP Photo/ Pablo Martinez Monsivais
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    Nesawissimaja Gaseta
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    Im Rahmen des jüngsten APEC-Gipfels in Lima ist eine kaum effiziente Deklaration verabschiedet worden, die den Handel zwischen den Teilnehmern dieses Bündnisses nur wenig voranbringen wird, schreibt die russische Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Montag.

    Der Gipfel in Peru unterschied sich von allen früheren Gipfeltreffen der APEC, die 1989 im Interesse „der Förderung des Wirtschaftswachstums, des Gedeihens der Region und der Festigung der Asien-Pazifik-Gemeinschaft“ gegründet worden war. Auf die APEC-Länder entfallen etwa 40 Prozent der Weltbevölkerung sowie etwa 40 Prozent des globalen Handels. 

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    Einige der Verbündeten der USA befanden sich laut der Agentur AP in einer schlechten emotionalen Verfassung nach dem Sieg Donald Trumps bei der US-Präsidentschaftswahl. Dieser will bekanntlich aus dem Projekt der Transpazifischen Partnerschaft (TPP) austreten, da es Arbeitsplätze in Amerika kosten könnte.

    So räumte der neuseeländische Premier John Key ein, „sehr verzweifelt“ wegen Trumps Ansichten zu sein, brachte jedoch die Hoffnung zum Ausdruck, dass die TPP noch zu retten sei.

    „Die Unterzeichnung des TPP-Abkommens im Februar im neuseeländischen Auckland wurde großteils dank der beeindruckenden Arbeit der amerikanischen Handelsdiplomatie möglich“, sagte dazu Professor Alexej Portanski von der Moskauer Higher School of Economics. „Dabei wurden die höchsten Handelsnormen und —regeln erarbeitet, die es in der Welthandelsorganisation noch nicht gibt (…), und sie wurden nicht nur von den Industrieländern wie Kanada, Japan und Australien, sondern auch von Ländern wie Malaysia und Vietnam akzeptiert, und das war immerhin keine leichte Aufgabe. Und jetzt sind elf TPP-Mitglieder, die sich auf die Ratifizierung des Abkommens vorbereiteten und darauf warteten, dass auch der wichtigste Teilnehmer des Projekts dies tut, in Verlegenheit geraten.“

    Allerdings behaupten viele westliche Medien, dass Amerika die Führungsrolle im Asien-Pazifik-Raum ohnehin an China verlieren könnte. Das war auch während des Gipfels in Lima zu sehen, wo nicht der scheidende US-Präsident Barack Obama, sondern sein chinesischer Amtskollege Xi Jinping im Mittelpunkt stand. Dieser vermied jedoch vorlaute Aussagen und plädierte nur dafür, dass dem Protektionismus die Bildung einer Freihandelszone gegenübergestellt werde, die den ganzen Asien-Pazifik-Raum umfassen würde. 

    Viel offener äußerte sich aber die chinesische Zeitung „Global Times“. Ihr zufolge hatte Peking beim Treffen in Lima die Möglichkeit, seine Ansprüche auf die regionale und globale Führung zu zeigen. „Da die USA de facto in den Hintergrund verdrängt worden sind, rechnen die meisten APEC-Wirtschaften mit der Führungsrolle Chinas, das dafür etliche Möglichkeiten hat“, so die Zeitung. In diesem Kontext erwähnte sie Pekings Initiativen wie beispielsweise die Neue Seidenstraße und die Bildung der Asiatischen Infrastrukturbank.

    Angesichts dessen stellt sich die Frage: Welchen Platz könnte in der neuen Konstellation Russland einnehmen? Sein Anteil am Handel im Asien-Pazifik-Raum ist viel geringer als der von China, Japan oder Südkorea. Dank seines energetischen und militärischen Potenzials ist Moskau jedoch ein wichtiger Akteur, wovon Präsident Putins Treffen mit den Führungspolitikern Chinas, Japans, Perus, Vietnams und der Philippinen zeugen. 

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    Putins Sprecher Dmitri Peskow teilte mit, dass die Präsidenten Russlands und Chinas in Lima festgestellt haben, dass ihre Positionen zu den wichtigsten internationalen Problemen großteils übereinstimmen. Unter anderem seien die Perspektiven für die gegenseitige Anpassung der Eurasischen Wirtschaftsunion und der Neuen Seidenstraße erwähnt worden.

    Die gegenseitigen Beziehungen entwickeln sich zwar durchaus erfolgreich, aber der Anteil von Maschinen und Anlagen am russischen Export in die Volksrepublik beträgt nur zwei Prozent. Damit passt Russland vorerst kaum in die chinesische Entwicklungsstrategie.

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    Tags:
    APEC, Donald Trump, USA, China
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