01:38 13 Juli 2020
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    Seit einem Jahr importiert die Ukraine kein russisches Erdgas mehr. Ende vergangener Woche aber trafen sich in Moskau Russlands Energieminister Alexander Nowak und der Vizepräsident der EU-Kommission, Maros Sefcovic, um die Versorgungsperspektiven der Ukraine zu besprechen. Das schreibt am Montag die Zeitung „Wedomosti".

    Dabei ging es um eineinhalb bis vier Milliarden Kubikmeter Gas für Kiew. Wie der russische Energieminister nach dem Treffen allerdings mitteilte, wäre dies jedoch nur per Vorauszahlung seitens Kiew möglich. Ein dreiseitiges Treffen könnte möglicherweise im Dezember in Brüssel stattfinden.

    Dem Minister zufolge sind die der Ukraine drohenden Risiken mit den mangelhaften Vorräten in den Gasdepots des Landes verbunden. Zuvor hatte der ukrainische Konzern Naftogas beteuert, die Reserven wären ausreichend, und notfalls könnte Kiew zusätzliches Gas in Europa kaufen.

    Winter is Coming: Ukraine will wieder russisches Gas kaufen

    Die Ukraine hatte im November 2015 auf Gasimport aus Russland verzichtet. Im vorigen Jahr importierte sie 16,4 Milliarden Kubikmeter und verdoppelte damit ihren Import aus Europa. Im Juni 2016 aber zeigte sich Kiew bereit, doch wieder russisches Gas zu kaufen – allerdings nur, wenn Gazprom einen günstigeren Preis als die Europäer bieten würde und wenn die Seiten ein Abkommen über Gaslieferungen in der Winterzeit vereinbaren könnten.

    Gazprom-Chef Alexej Miller bestätigte, ein derartiges Schreiben vom ukrainischen Naftogas erhalten zu haben. Darin sei nach seinen Worten die Rede von „neun Monaten: das zweite Halbjahr und das erste Vierteljahr 2017, also den ganzen bevorstehenden Winter und die Vorbereitung darauf“.

    Die Ukrainer bestehen nun weiter darauf, dass sie nur neue Gaslieferungen bezahlen und das Take-or-pay-Prinzip abgeschafft werden sollte. Und auch der Zeitplan der Zahlungen sollte flexibler gestaltet werden.

    Schuldenstreit mit Russland: Kiew will nie zahlen

    Im dritten Quartal belief sich der durchschnittliche Gasimport-Preis samt Gasbeförderung bis zur ukrainischen Grenze laut Naftogas auf 194 Dollar pro 1000 Kubikmeter. Russland wäre bereit, so sein Präsident Wladimir Putin Ende Oktober, den Brennstoff der Ukraine für 180 Dollar zu verkaufen.

    Gazprom und Naftogas Ukrainy streiten sich bereits vor dem Stockholmer Schiedsgericht über den Gas- und den Transitpreis. Russland könnte durch die Unterzeichnung des Zusatzabkommens seinen guten Willen gegenüber dem europäischen Partner zeigen, sagte seinerseits der Vize-Chef des Fonds für nationale Energiesicherheit, Alexej Griwatsch. „Naftogas verletzt seine Verpflichtungen zu Gasabnahme unter dem Vorwand der Preisfairness, aber dabei zahlt der Konzern den europäischen Händlern um 30 Dollar mehr, was er selbst in seinen Angaben belegt.“

    Nachdem die Ukraine ein ganzes Jahr ohne russisches Gas durchgehalten habe, sei es leichter geworden, eine Vereinbarung zu treffen, glaubt wiederum Michail Kortschemkin von East European Gas Analysis: „Zumal die Ukraine für Gazprom einer der lukrativsten Absatzmärkte ist.“

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    Tags:
    Gas, Gazprom, EU, Russland, Ukraine