20:34 30 März 2017
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    Der türkische Präsident Tayyip Erdogan und Russlands Präsident Wladimir Putin (Archivbild)

    Putin verhindert Krieg zwischen Syrien und Türkei

    © AP Photo/ Alexander Zemlianichenko
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    Nesawissimaja Gaseta
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    Der russische Präsident Wladimir Putin hat zweimal auf Initiative Ankaras mit dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan telefoniert. Laut militärpolitischen Quellen ging es um den Luftangriff auf Stellungen der türkischen Armee in der Provinz Aleppo Ende November, bei dem Ankara Verluste erlitt, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Montag.

    Der türkische Generalstab warf den Vorfall zunächst den syrischen Fliegerkräften vor, doch das Kommando der syrischen Luftstreitkräfte wies diese Vorwürfe zurück. Der Konflikt dehnte sich aus. Die türkische Zeitung „Hürriyet“ zitierte den türkischen Premier Binali Yildirim, dass der „Tod der türkischen Soldaten natürlich nicht ohne Folgen bleiben wird“. Es wurde berichtet, dass der Premier die Einschätzung des Generalstabschefs der türkischen Streitkräfte bestätigte, dass die Militärs wegen des Vorgehens der syrischen Regierungskräfte ums Leben gekommen seien. Viele türkische Medien kündigten angesichts dessen den Beginn eines großangelegten Krieges zwischen der Türkei und Syrien an.

    Quellen zufolge hat Wladimir Putin es geschafft, in Telefongesprächen Erdogan davon zu überzeugen, dass weder Moskau, noch Damaskus mit den Luftangriffen auf al-Bab zu tun haben. Es sei nicht ausgeschlossen, dass es sich um eine Provokation seitens der US-geführten Koalition gehandelt habe, die mit dem Jahrestag der Tragödie der russischen Su-24, die in Syrien durch ein türkisches Flugzeug abgeschossen worden sei, verbunden gewesen sein könnte. „Russland, bei dem sich Erdogan für den Vorfall aus dem Vorjahr entschuldigte, braucht keine Vergeltungsaktionen. Auch das unter seiner Kontrolle stehende Damaskus wird die Situation nicht zuspitzen“, so die Quellen.

    Als Bestätigung einer positiven Stimmung Erdogans gegenüber Russland gilt eine Pressemitteilung des Kreml, in der es heißt, dass es bei dem Telefongespräch vom 25. November einen konstruktiven Meinungsaustausch zur Regelung der Syrien-Krise gegeben habe. Es sei vereinbart worden, den aktiven Dialog zwischen den Außen- und den Verteidigungsministerien sowie den Sicherheitsdiensten Russlands und der Türkei fortzusetzen, der auf die Gewährleistung der Koordinierung der Anstrengungen beim Kampf gegen den internationalen Terrorismus gerichtet ist.

    Auffallend ist, dass es wenige Stunden nach dem Telefongespräch Putins und Erdogans starke Explosionen auf einem vom Pentagon kontrollierten Übungsplatz in Tel Temir an der Grenze zur Türkei gab. Die Instrukteure aus den USA und Großbritannien bilden hier seit einigen Jahren Aufständische der kurdischen Selbstverteidigungskräfte aus, die in Ankara als Terrororganisation gelten. In türkischen Medien und den sozialen Netzwerken wurde eine Version geäußert, dass der Angriff auf den Stützpunkt der US-Spezialeinheiten eine Racheaktion Ankaras wegen der von Kurden verübten Angriffe auf die Stellungen der türkischen Armee in Aleppo war.

    Ob dem so ist oder nicht, ist schwer zu sagen. Allerdings liegt es auf der Hand, dass Moskau und Ankara trotz Kontroversen in Syrien beim Antiterrorkampf und der Versöhnung der Seiten enger kooperieren werden. Dies wird auch durch Erfolge der syrischen Armee gefördert, die seit einigen Monaten intensive Kämpfe in Aleppo führen.

    Der Erfolg beim Antiterrorkampf wird auch durch schiitische Aufständische aus dem Iran und dem Libanon gefördert. Es stellte sich heraus, dass Teheran noch aktiver an diesem Prozess teilnehmen will. Wie die Nachrichtenagentur Tasnim am Samstag mitteilte, kündigte der iranische Verteidigungsminister Hossein Dehghan die Bereitschaft Teherans an, Russland einen Luftstützpunkt bei Hamadan für den Antiterrorkampf in Syrien zur Verfügung zu stellen. Diese Äußerungen wurden im Kontext der Pläne Irans gemacht, russische Su-30-Kampfjets zu kaufen. Dabei wurde hervorgehoben, dass die Umsetzung des Deals nur zusammen mit der Übergabe der Technologien und der Schaffung von Gemeinschaftsunternehmen zur Herstellung solcher Flugzeuge möglich sei. Dehghan zufolge wurde die russische Seite darüber bereits benachrichtigt und diese soll dem Vertrag zugestimmt haben. Die russische Seite hat diese Informationen nicht kommentiert.

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    Tags:
    Su-30, Binali Yildirim, Wladimir Putin, Türkei, Syrien
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    Alle Kommentare

    • avatar
      Thomas
      Der Konflikt wird hier gekennzeichnet von dritten Interessen.
      Einmal bruch des Völkerrechts durch die Türkei.
      Das was sichtlich genutzt wird, dass Dritten die Zerschlagung des IS an der Stelle nicht passt.

      Gibt es da keine flächendeckende Luftaufklährung um Kampfjets über Syrien zu 100 Prozent zu begleiten?
    • Philipp
      Aber Syrien hat laut Völkerrecht das recht sich gegen die Türken zu verteidigen. Erdogan kann doch nicht in ein fremdes Land einmarschieren und sich beim russischen Präsidenten beschwehren, das seine Truppen dort angegriffen werden. Was ist das für eine hohle Logik?
    • altes.fachbuchAntwort anThomas(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      Thomas,
      die gleiche luftaufklärung will bei mh17 eine zweite maschine ausgemacht haben:(
      was sagt incerlik?? die müssen es doch auch gesehen haben?
      wenn da ruhe herrscht, hat mischa vielleicht recht
    • Al Mobi
      Jeder Tag, der den großen Krieg hinauszögert, ist ein Sargnagel des schwächer werdenden "Imperiums".
    • avatar
      ale_xandria
      Vielleicht hat Putin klargemacht, dass ein Krieg gegen Syrien auch einen Krieg gegen Russland bedeutet.(Glaube ich aber nicht, dass Putin so undiplomatisch ist.)
      Aber Erdoghan ist nicht zu trauen. Was macht er übrigens in Syrien. Er ist dort nicht eingeladen
    • Reichsbürger
      Egal was geschrieben wird die türken sind in Syrien eingefallen, ergo ein kriegerischer Akt, das ist Fakt.
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      KARLSSEN
      Ich bin der Meinung, dass der Putin die Türken dort eine Zeit lang duldet wegen seiner Interessen. Sons hätte sich der Erdogan beim Putin wegen dem Vorvall nicht beschwerden können.
      Die Türken werden sich auf Putins Befehl zurückziehe. Da bin ich mir sicher.
    • zivilist
      So hat es D auch gehalten, Ländern, denen es keine Waffen exportieren durfte, hat es eine Waffenfabrik geliefert.

      Baut eben der Iran seine Su-30 selbst, so kann man die Sanktionen auch aufheben.
    • zivilistAntwort analtes.fachbuch(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      hallo altes.fachbuch,

      Es gibt viele Länder drumherum mit vielen Flugplätzen und vielen modernen Flugzeugen, ab und zu einen Flugzeugträger, Stealth- Vögel, begleitendes spoofing. Es gibt Flügelbomgen, die 100 Km segeln und dank GPS exakt treffen.

      Unübersichtlich.
    • zivilistAntwort anPhilipp(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      hallo Philipp,

      solange es nicht gelingt, Tr & Ru gegeneinander auszuspielen, mach ich mir da wenig Sorgen. Daß die Tr die im Irak und in Sy vertriebenen Terroristen nicht in die Türkei lassen möchte, ist nachvollziehbar, mögen sie sich nach Saudiarabien verziehen. Schöne Städte da.

      Viel übler finde ich, daß US & UK auch der Tr eine 'gemäßigte Opposition' trainieren
    • Piero DoldiAntwort anPhilipp(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      Philipp, spannend wird es, wie ich heute schon an anderer Stelle schrieb, wenn die syrische Armee bei ihren Befreiungsoperationen demnächst mit auf dem syrischen Territorium befindlichen türkischen Truppen zusammenstoßen sollte. Wird Erdogan dann Assad davor warnen, dass syrische Truppen auf syrischem Boden eine Bedrohung der türkische Armee darstellen und jede Handlung sofort mit einer entsprechenden Reaktion beantwortet wird. Der Möchtegern-Sultan halt doch gewaltig einen an der Waffel. Gesetzt den Fall, Assad verspricht den Kurden ein weitgehend autonomes Gebiet im Norden Syriens und die Türken weigern sich diese Teile Syriens zu verlassen, dann hat die UN ein echtes Problem.
    • altes.fachbuchAntwort anPiero Doldi(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      Piero Doldi,
      das handeln der türkei kann noch immer teil des EINEN plans sein, assad stürzen und syrien zerstören - nur eben variante C.
      wenn der ami mit seinen fußtruppen (erst is dann kurden) nicht weiter kommt, dann eben das kanonenfutter mit türkischen müttern! dem ami ist es wurscht.
      und spätestens bei deiner konstellation syr. vs türkei sind die osmanen wieder unsere auch öffentlichen oder medialen bündnispartner:)
    • HSV Fan
      "...Es sei nicht ausgeschlossen, dass es sich um eine Provokation seitens der US-geführten Koalition gehandelt habe,"

      Also wirklich, das müssen bestimmt die Gülenanhänger in der US-Armee gewesen sein, die jetzt Unruhe stiften.
      Die russische Propaganda wird immer dreister.
    • avatar
      ThomasAntwort anHSV Fan(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      HSV Fan, ihre ungekennzeichneten Vermutungen, welche wie Taten in den Raum geschoben werden sind bei der Wertung für ein Gericht wie eine Lüge zu behandeln, was zum Prozeßbetrug führt. Bei Gericht soll das strafbar sein. Bei den Medien nennt man soetwas schwarze Propaganda.
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      ThomasAntwort analtes.fachbuch(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      altes.fachbuch, das mit Variante C ist traditionelle Kriegsführung der Europäer schon gegen die Indianerstämme gewesen. Der wirkliche Täter agiert versteckt im Hintergrund, wenn sich die aufgestachelten Streitpartein schwächen.
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      Skythe
      Die Türkei hat keine Berechtigung sich in Syrien aufzuhalten?
      Habe selten etwas peinlicheres gelesen.
      In Syrien leben mehr Türken als Kurden,leider wird diese Wahrheit bewusst von unseren gleichgestellten Medien ausgeblendet.
      Die PYD,der verlängerte Arm der Pkk hat mit westlicher Unterstützung eine ethnische Säuberung im Norden Syriens ausgeführt, was man heutzutage auch als Genozid betitelt.
      Kann man auch ganz einfach Beweisen,in dem man sich die Fluchtorte der Flüchtlinge und das erlebte ansieht und ihnen auch mal zuhört.
      Wir dürfen hier nicht vergessen wer hier die Marionette der USA spielt,genau Deutschland,also das Land das für den ersten und zweiten Weltkrieg verantwortlich gemacht wird.
      Das schlimme an der Sache ist,das niemand davon profitiert,ausser den Baronen.
      Die Deutsche Bevölkerung sollte sich endlich mal ihrer Scheuklappen entledigen,ansonsten wird es ein Desaster für die BRD geben.
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