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04:00 13 November 2019
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    Kampf um Aleppo

    Wende in Syrien: Assad und Verbündete wollen Aleppo bis Trumps Amtsantritt erobern

    © AFP 2019 / GEORGE OURFALIAN
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    Beim seit 2012 andauernden Kampf um Aleppo ist eine Wende zu erwarten. Die Regierungstruppen haben mit Unterstützung der schiitischen pro-iranischen Aufständischen einige wichtige Stadtviertel in dem von der Opposition kontrollierten östlichen Teil der Stadt ergriffen, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Dienstag.

    Die Offensive der Regierungsarmee im östlichen Aleppo, die vor zwei Wochen begonnen hatte, nahm am Samstag an Intensität zu. Assads Truppen eroberten die großen Stadtviertel Massakin-Hanano und Dschebel-Badro zurück. Am Montag bauten die syrischen Truppen mit Unterstützung der Einheiten der schiitischen Aufständischen aus dem Libanon, Irak und Iran ihren Erfolg aus und vertrieben die Oppositionskräfte aus den Stadtvierteln Haidaria, Scheich-Hider und as-Sachur.

    „Jetzt werden zwölf Stadtviertel vollkommen kontrolliert“, berichtete das russische Versöhnungszentrum in Syrien. Ihm zufolge haben die Regierungskräfte insgesamt 40 Prozent von Ost-Aleppo zurückerobert, westliche Quellen sprechen von mehr als 30 Prozent. Wie der TV-Sender al Mayadeen berichtet, beklagen die Gegner Assads große Verluste und ziehen sich in die südlichen Gebiete zurück.

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    Militärexperten zufolge kann bis zum Jahresende die vollständige Kontrolle über Aleppo hergestellt werden, falls die Offensive der Regierungstruppen in demselben Tempo weitergeht. Die Verteidiger von Ost-Aleppo sind eingekesselt, und es wird ihnen sehr schwer fallen nach dem Verlust der wichtigsten Stadtviertel, eine neue Verteidigungslinie einzurichten.

    Aleppo, das vor Kriegsbeginn als Wirtschaftshauptstadt Syriens galt, ist von großer symbolischer Bedeutung. Es war die erste große Stadt, die 2012 von Oppositionseinheiten erobert wurde. Jetzt kann Assad bei einer erfolgreichen Erstürmung der Stadt seine Positionen bei den Verhandlungen zur Friedensregelung deutlich festigen, weil er die fünf größten Städte des Landes kontrollieren wird – Damaskus, Aleppo, Homs, Hama und Latakia.

    „Das Ziel Assads, der von Russland und Iran unterstützt wird, ist es, die zwei Monate dauernde Übergangszeit in den USA maximal zu nutzen, wo die Präsidentschaftswahlen vorbei sind, die neue Administration aber noch nicht ihre Arbeit aufgenommen hat“, sagt der Experte Wladimir Sotnikow. „Es wird versucht, Donald Trump vor eine Tatsache zu stellen. Falls Aleppo bis Ende Januar, wenn er sein Amt antritt, völlig von Regierungstruppen kontrolliert wird, wird Damaskus die bevorstehenden Friedensverhandlungen aus einer Position der Stärke führen können, und niemand wird es wagen, Fragen nach dem Rücktritt Assads zu stellen.“

    Es sei kein Zufall, dass die Präsidenten Russlands und der Türkei, Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan, zweimal innerhalb von zwei Tagen telefonierten, wobei vor allem die Situation in Syrien besprochen wurde. „Man kann vermuten, dass man von Erdogan eine Carte Blanche für entschlossene Handlungen der syrischen Behörden in Aleppo bekommen hat. Ohne die Unterstützung Ankaras wird es den oppositionellen Einheiten, die bis vor kurzem regelmäßig Hilfe und Waffen aus der Türkei bekamen, sehr schwer fallen, Aleppo zu halten. Im Tausch für die Sperrung der Grenze könnte Erdogan freien Handlungsspielraum in der kurdischen Richtung gefordert haben, weil dies für ihn am wichtigsten ist“, so Sotnikow.

    Angesichts einer prinzipiellen Änderung der Situation in Aleppo hat die US-Diplomatie ihre Anstrengungen intensiviert. Wie die Zeitung „Washington Post“ berichtet, unternimmt US-Außenminister John Kerry verzweifelte Anstrengungen, um von Russland die Einstellung der Kampfhandlungen in Aleppo zu erreichen. Kerry befürchte, dass Donald Trump nach seinem Amtsantritt ein anderes Abkommen mit Moskau zu Syrien abschließen könnte, was Washington an die Seite des Diktators stellen würde, so das Blatt. Laut einer Quelle aus dem US-Außenministerium verzögert Moskau absichtlich die Zeit, um Assad den militärischen Sieg in Aleppo zu sichern.

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    Terrormiliz Daesh, Donald Trump, Russland, USA, Syrien, Aleppo