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04:29 22 August 2019
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    Alle warten auf Entscheidung fürs Pumpen: Wichtigstes OPEC-Treffen seit 1973

    © AFP 2019 / JOE KLAMAR
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    Rettungsanker in der Ölkrise (90)
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    In Wien findet heute ein OPEC-Treffen statt, bei dem die Entscheidung über eine Kürzung der Ölförderung erwartet wird, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Mittwoch.

    Viele Experten halten das Treffen für „das wichtigste in der Geschichte seit 1973“, als die arabischen Länder ein Embargo für den Ölexport in den Westen verhängten. Dieser Vergleich mag zwar übertrieben zu sein, aber es muss tatsächlich eine prinzipielle Entscheidung getroffen werden. Entweder wird die OPEC auf die größte Marktkrise seit 1982 als einheitliches Kartell reagieren, oder die einzelnen Länder werden separat um ihre Marktanteile kämpfen.

    Dass Saudi-Arabien als wichtigstes OPEC-Mitglied zur ersten Variante neigt, hatte sich bei einem informellen Treffen in Algerien im September abgezeichnet. Damals wurde die Absicht zur Kürzung der Ölförderung um 1,5 bis drei Prozent angekündigt, aber die Quoten für einzelne Länder wurden nicht festgelegt. Sie sollten im Vorfeld des heutigen Treffens in Wien abgesprochen werden, doch das wurde nicht getan.

    Das Problem ist, dass der Irak und der Iran, die der zweit- und der drittgrößte Ölproduzent in der OPEC sind, darauf bestehen, dass für sie Ausnahmen gemacht werden, um mehr „flüssiges Gold“ zu fördern. Und da für Libyen und Nigeria ebenfalls keine Quoten festgelegt werden, dürfte praktisch ein Drittel aller OPEC-Länder so viel Öl gewinnen, wie sie wollen. Damit müssten Saudi-Arabien und seine Verbündeten Kuwait und die VAE die größte Last übernehmen. Riad lässt sich das nicht gefallen und verlangt, dass auch die anderen OPEC-Länder weniger Öl fördern.

    Die Ergebnisse des heutigen Treffens lassen sich kaum vorhersagen, aber die meisten der von „Kommersant“ befragten Experten halten einen Erfolg für wahrscheinlich. Das Hauptargument dafür besteht darin, dass die niedrigen Ölpreise in letzter Zeit schädlich für den saudi-arabischen Haushalt sind, so dass Riad die Preise auf 50 bis 55 Dollar pro Barrel stabilisieren muss. Zwischen Januar und August sind seine Reserven um 101 auf 526 Milliarden Dollar geschrumpft, und im Oktober musste Saudi-Arabien zum ersten Mal in der Geschichte Obligationen für 17,5 Milliarden Dollar verkaufen.

    Darüber hinaus könnte der Iran aus Angst, dass der designierte US-Präsident Donald Trump den Atomdeal außer Kraft setzt, die Kürzung der Ölförderung akzeptieren, um seine aktuellen Einnahmen maximal hoch aufrechtzuerhalten.

    Das wichtigste Argument für die Einigung in Wien besteht also darin, dass die Einnahmen der OPEC-Länder von der Preiserhöhung auf 55 Dollar pro Barrel kurzfristig steigen würden. Aber die Kürzung der Ölförderung würde die langfristigen Risiken des Kartells erhöhen. Im August stabilisierte sich die Ölförderung in den USA nach einem einjährigen Absturz (um eine Million auf 8,6 Millionen Barrel pro Tag), und Ende Oktober begann ein neues Wachstum. Laut Baker Hughes ist die Zahl von Bohranlagen seit Mai um 50 Prozent gestiegen, und zum ersten Mal seit 2014 wollen Ölkonzerne die Ausgaben für die Erschließung erhöhen.

    Laut Experten würde das Wachstum der Ölförderung in den USA bei 55 Dollar pro Barrel höchstens 400.000 Barrel täglich ausmachen, aber dieses Öl würde die Hälfte der Marktnische einnehmen, die die OPEC räumen würde. Damit würde das Kartell in das Jahr 2014 zurückbringen, so dass der Kampf auf dem Markt wieder bei null beginnen würde.

    Darüber hinaus müssten Saudi-Arabien, der Irak und der Iran einen Kompromiss finden, damit die Ölförderung reduziert wird. Aber dieser wird auf jeden Fall sehr fragil sein, wenn man die politischen Kontroversen und militärpolitischen Konflikte zwischen diesen Ländern bedenkt.

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    Öl, OPEC, Irak, Saudi-Arabien, USA, Iran