12:35 03 Dezember 2016
Radio
    OPEC

    Die historische Vereinbarung der OPEC

    © REUTERS/ Leonhard Foeger
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Iswestija
    Rettungsanker in der Ölkrise (85)
    1452131

    Die OPEC-Länder, auf die 35 Prozent des globalen Ölmarktes entfallen, haben eine Drosselung der Ölförderung auf 32,5 Millionen Barrel pro Tag angekündigt, schreibt die Zeitung „Iswestija“ am Donnerstag.

    Die OPEC-Länder vereinbarten am Mittwoch in Wien die Kürzung der Ölförderung um 1,2 auf 32,5 Millionen Barrel pro Tag. Das sagte OPEC-Generalsekretär Mohammed Barkindo auf der Pressekonferenz nach der Sitzung. Das Abkommen tritt ab Januar 2017 in Kraft.

    Demnach müssen vor allem Saudi-Arabien, der Irak, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Kuwait die Ölförderung reduzieren. Trotz Widerstand muss auch der Iran seine Ölfördermengen kürzen.

    OPEC-Angaben zufolge darf Saudi-Arabien ab dem 1. Januar nicht mehr als 10,058 Millionen Barrel pro Tag fördern, beim Irak sind es 4,351 Millionen, bei den VAE 2,874 Millionen und bei Kuwait 2,707 Millionen Barrel. Der Iran muss seine tägliche Fördermenge auf 3,797 Millionen Barrel beschränken. Dabei sind Nigeria und Libyen von der Kürzung der Förderung befreit. Indonesien, das im Dezember 2015 zur OPEC zurückkehrt war, trat erneut aus.

    Die OPEC will die Einhaltung der vereinbarten Fördermengen mithilfe einer Gruppe von Inspekteuren prüfen, zu der Algerien, Kuwait, Venezuela und zwei unabhängige Ölförderländer gehören werden. Das nächste OPEC-Treffen findet am 25. Mai 2017 statt. Dabei sollen die Teilnehmer ein Fazit zur Umsetzung der Vereinbarungen ziehen.

    Wie die OPEC zudem mitteilte, müssen Nicht-Mitglieder die Ölförderung um 600.000 Barrel pro Tag senken, wobei Russland die Förderung um 300.000 Barrel pro Tag zurückfährt.

    Saudi-Arabiens Energieminister Khalid al-Falih sagte bei einem Briefing vor der Sitzung, dass das Einfrieren der aktuellen Fördermenge Russlands unzureichend wäre. „Russland hat den historischen Höhepunkt der Förderung erreicht. Das Einfrieren der Fördermenge wäre ein unzureichender Beitrag Russlands gewesen“, sagte al-Falih. Zugleich sollte Russland selbst diesen Beschluss treffen.

    Die Nahost-Länder erreichten dieses Jahr mit 35 Prozent den höchsten Ölmarkanteil seit fast 40 Jahren. Die Fördermengen in der Region stiegen in den vergangenen Jahren vor allem wegen Irak und Iran.

    Wie es im russischen Energieministerium hieß, wird die Vereinbarung der OPEC begrüßt. „Das ist ein sehr wichtiger Schritt für die globale Ölindustrie, der auf die Wiederherstellung eines gesunden Gleichgewichts von Angebot und Nachfrage sowie zur Aufrechterhaltung der langfristigen Investitionsattraktivität der Branche gerichtet ist. Russland als verantwortungsvoller Marktteilnehmer ist bereit, sich der Vereinbarung zur Stabilisierung der Situation auf den Ölmärkten anzuschließen“, hieß es im Ministerium.

    Laut Karen Daschjan von Advance Capital haben die OPEC-Länder eine Vereinbarung erzielt, mit der alle Teilnehmer des Ölmarktes leben können. „Es wird keine bedeutenden Änderungen geben. Es handelt sich um die Aufrechterhaltung des existierenden Gleichgewichts, weshalb es keinen bedeutenden Preisanstieg geben wird. Allerdings wird der Preis auf dem Niveau von 50 US-Dollar oder etwas höher liegen, was ein gutes Niveau für die OPEC ist. Russland wird ebenfalls davon profitieren. Der russische Haushalt bekommt die notwendigen Einnahmen bei dieser Zahl. Zugleich ermöglicht der Preis zwischen 45 und 55 US-Dollar anderen Ländern, darunter den USA, eine aktive Förderung“, so der Experte.

    Dem Experten Artjom Kontschin zufolge ist der Beschluss gerecht und vorteilhaft für Russland. „Heute haben wir bereits einen Preisanstieg bemerkt. Ein weiteres Wachstum wird es wohl nicht geben, doch sowohl für die OPEC als auch für Russland sind diese Bedingungen optimal. Für Russland ist es besser, 300.000 Barrel weniger zu einem Preis von 50 US-Dollar zu verkaufen, als fünf Prozent mehr zu fördern und diese zu einem Preis zu verkaufen, der 20 Prozent geringer ist“, so der Experte.

    Themen:
    Rettungsanker in der Ölkrise (85)

    Zum Thema:

    Opec beschließt Förderkürzung: Ölpreise reagieren mit Anstieg
    OPEC-Chef: Öllager weltweit quellen bald über
    Moskau, Riad und OPEC-Länder einig über Einfrieren der Ölförderung – Energieminister
    Ölpreis-Turbulenz: „Iran wird Produktion nicht drosseln“ – Experte: OPEC überflüssig
    Tags:
    Öl, OPEC, Mohammed Barkindo, Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Wien
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Top-Themen

    • Im Raum von Aleppo: Syrische Soldaten stellen Nationalflagge auf

      Die gekonnte Innenpolitik von Syriens Präsident Baschar al-Assad hat ihm Unterstützung eines beträchtlichen Anteils der Bevölkerung während des Bürgerkrieges gesichert, schreibt Journalist Barak Barfi nach seinem Besuch in Aleppo.

      174791
    • NSA-BND-Kooperation

      Wie aus den von WikiLeaks veröffentlichten rund 2400 Dokumenten zur NSA-Affäre u. a. hervorgeht, hat der BND dem Untersuchungsausschuss durch abweichende Antworten die Arbeit erschwert. Im Sputnik-Interview verriet Jens Stomber, Themenbeauftragter der Piratenpartei Deutschland für den NSA-Skandal, dass er dem Ausschuss nicht mehr glaubt.

      41664
    • Die Toilette

      Sanitäreinrichtungen aus Russland haben sich zu einem Exportschlager entwickelt. Nach den Krisenjahren der Neunziger haben die Hersteller eine Qualitätsoffensive gestartet und den Absatz vervielfacht, wie das Portal „life.ru“ berichtet. Der schwache Rubel stimuliert den Absatz im Ausland.

      51479
    • Aleppo, Syrien, November 2016

      Großbritannien soll Russland nicht dabei stören, den Einwohnern der umkämpften Stadtviertel von Aleppo humanitäre Hilfe zu leisten, wenn London selbst nichts dergleichen macht. Das erklärte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, als Reaktion auf die jüngsten Äußerungen der britischen Premierministerin Theresa May.

      374155
    • Screenshot

      Disney-Konkurrenz? Der US-Konzern Discovery hat nun eine Episode des russischen Zeichentrickfilms „Fixies“ in sein Programm „Discovery Education“ aufgenommen, das in Schulklassen von insgesamt über 30 Millionen Kindern weltweit kommt. Sputnik fasst die interessantesten russischen Erfolgsstorys in der Branche zusammen.

      225447
    • Ctrl

      Die A-cappella-Gruppe basta hat mit Cut, Copy and Paste das Thema Büroalltag in unterhaltsamer Weise präsentiert. In heldenhafter Sangart wird hier gerade das aufgegriffen, was nicht eben heldenhaft im grauen Großraumbüro scheint.

      4411