13:32 05 Dezember 2016
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    Sojus-Trägerrakete und Progress-Raumfrachter

    „Progress“ enttäuscht „Sojus“ ISS bekommt keinen Nachschub

    © Flickr/ NASA Johnson
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    382 Sekunden nach dem Start ist klar geworden: Die Trägerrakete Sojus-U konnte den unbemannten Transporter Progress-MS-04 am Donnerstag nicht zur Internationalen Raumstation (ISS) bringen. Einzelne Trümmerteile stürzten in der russischen Teilrepublik Tuwa zu Boden, wie die russische Zeitung „Kommersant“ in ihrer Freitagsausgabe schreibt.

    Die Ursache des Unglücks muss noch geklärt werden. Nach „Kommersant“-Angaben könnte die Havarie durch eine zu frühe Öffnung des Brennraums in der dritten Zündstufe des RD-0110-Triebwerks verursacht worden sein.

    Der Start der Sojus-Trägerrakete vom Weltraumbahnhof Baikonur erfolgte am Donnerstag um 17.51 Uhr Moskauer Zeit (15.51 MEZ). Spezialisten der Moskauer Flugleitzentrale sollten die Steuerung des Frachters gleich nach der Abtrennung der dritten Zündstufe übernehmen. Anfänglich verlief alles nach Plan, doch in der siebten Minute nach dem Start stoppte die Übertragung der telemetrischen Daten. Kurz danach wurde die Havarie durch Überwachungsmittel im Weltraum bestätigt. 

    Nach vorläufigen Informationen ereignete sich die Notstandsituation in einer Höhe von rund 190 Kilometer über Tuwa. Der größte Teil der Trümmer verglühte in den dichten Atmosphärenschichten.

    Der Frachter sollte Kraftstoff, Wasser und Druckgas, Lebensmittel und Kleidung zur ISS bringen. Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos und die Nasa beruhigten jedoch, die Versorgung der Raumfahrer sei trotz des Vorfalls nicht gefährdet.

    Gleich nach dem missglückten Raketenstart kam die staatliche Kommission mit dem stellvertretenden Roskosmos-Generaldirektor Alexander Iwanow zusammen, um die Ursachen zu klären. Die Hauptfragen seien mit dem Triebwerk der dritten Zündstufe verbunden (RD-0110). Laut einer „Kommersant“-Quelle könnte es sich um eine vorzeitige Öffnung des Brennraums handeln. Weitere Details wurden nicht bekanntgegeben.

    Die Trägerrakete der Mittelklasse Sojus-U ist seit der Inbetriebnahme 1973 der Spitzenreiter nach der Zahl der Starts (mehr als 800) und Zuverlässigkeit (rund 97 Prozent). Sie wurde sowohl für militärische Zwecke (am 17. Mai 2012 wurde vom Weltraumbahnhof Plessezk ein “Kobalt”-Aufklärungsapparat gestartet), als auch zur Beförderung von Versorgungsgütern genutzt (Transportraumschiffe Progress-M, Progress-MS). Im Februar 2017 sollten die Sojus-U-Raketen nach dem Start einer letzten Rakete dieses Typs außer Betrieb genommen werden. Jetzt wird sie zusätzlich überprüft werden.

    Der Zwischenfall von Donnerstag bedroht derweil gleich mehrere Projekte. Triebwerke des Typs RD-0110 werden in mehreren Sojus-Raketen genutzt: Sojus-2.1a, die bei den Starts von Militärapparaten vom Weltraumbahnhof Plessezk genutzt wird, und Sojus-ST, die von der ESA am Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana eingesetzt wird. So lange die Ursachen nicht geklärt sind, wird es wohl keine neuen Starts geben.

    Themen:
    Russisches Raumfahrtprogramm (242)

    Zum Thema:

    Russischer Progress-Raumfrachter nach missglücktem Start über Südsibirien abgestürzt
    Nach Progress-Start: Übermittlung von Telemetriedaten unterbrochen
    Tags:
    Internationale Raumstation ISS, Sojus-2, Progress MS, Roskosmos, Alexander Iwanow
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