15:49 18 Juni 2018
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    Erdgaskompressorstation in der Ukraine

    Gasstrom in Ukraine versiegt – alle Hoffnungen ruhen auf Russland

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    Moskowski Komsomolez
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    Das Gasdefizit in der Ukraine könnte mit dem größten energetischen Kollaps in der Geschichte dieses Landes enden, schreibt die Zeitung „Moskowski Komsomolez“ am Freitag.

    Dass es bei der Gasversorgung Engpässe geben wird, zeichnete sich bereits Anfang November ab. Die Behörden mussten einräumen, dass in den nationalen Gasdepots nur 14 Milliarden Kubikmeter Brennstoff vorhanden sind, während für den Binnenmarkt und den Gastransit nach Europa mindestens 17 Milliarden Kubikmeter nötig sind.

    Kiew schlug jedoch keinen Alarm und tat so, als wäre alles in Ordnung. Doch das war nichts als Bluff: Mitte November wurde klar, dass demnächst eine Gaskrise ausbrechen könnte. Der Gasverbrauch erreichte 29 Millionen Kubikmeter pro Tag. Die Vorräte in den Gasbehältern fielen auf ein Minimum von 45 Prozent. Die Rücklieferungen aus Europa schrumpften auf eine kritische Marke von 52 Millionen Kubikmeter. Damit wurde endgültig klar, dass sich die Ukraine dringend um die Auffüllung ihrer Depots kümmern müsste, denn sonst wäre sie gezwungen, entweder Gas aus dem Transitrohr zu entwenden oder mit dem russischen Konzern Gazprom zu verhandeln.

    Kiew und Moskau streiten schon seit längerer Zeit vor dem Stockholmer Schiedsgericht, aber die Verhandlungen werden offenbar mindestens bis zum Frühjahr 2017 dauern, während das Problem unverzüglich gelöst werden muss. 

    Vorräte alle? Gazprom könnte Ukraine retten

    Inzwischen sind Kiews Gasreserven seit November auf zehn Milliarden Kubikmeter zurückgegangen. Bis Februar werden sie höchstwahrscheinlich komplett ausgeschöpft sein. Dabei geht es nicht um echte Reserven: Eine gewisse Gasmenge ist für den normalen Druck in den Pipelines erforderlich. Wenn die Vorräte sieben Milliarden Kubikmeter erreichen, würde der Druck fallen, und die normale Gasversorgung der Alten Welt wäre dann nicht mehr möglich.

    Das Problem könnte teilweise am 9. Dezember gelöst werden, wenn in Brüssel ein dreiseitiges Treffen im Format Russland-Ukraine-EU stattfindet. Kiew zeigte sich unlängst bereit, wieder russisches Erdgas zu importieren, aber positive Ergebnisse des Treffens sind fraglich.

    Der stellvertretende Generaldirektor des Fonds für nationale Energiesicherheit, Alexej Griwatsch, teilte mit, dass die Ukrainer Gazprom einen Vorschuss zahlen müssten, und erst dann würden die Gaslieferungen wiederaufgenommen werden. „Wenn das Geld alle ist, werden auch die Lieferungen gestoppt. Das Schema ist ganz einfach. Dem russischen Energieminister Alexander Nowak zufolge könnte die Ukraine das Gas in Russland um 15 bis 30 Dollar pro 1000 Kubikmeter billiger als in Europa kaufen“, so der Experte.

    Allerdings bräuchte Kiew dafür mindestens 500 Millionen Dollar, die es nicht hat. Die EU will die Ukraine nicht wieder mit Krediten versorgen, aber Kiew erpresst Brüssel – wie gewöhnlich. „Es ist ja klar: Wenn die ukrainischen Regionen mit dem Dilemma konfrontiert werden, entweder die Kindergärten oder andere soziale Objekte vom Gas abzuklemmen oder die Verpflichtungen bei abstrakten Europäern zu erfüllen, dann wird niemand zweifeln – und die Europäer bleiben ohne Gas“, ergänzte Griwatsch.

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    Tags:
    Gas, Gazprom, Alexej Griwatsch, Alexander Nowak, Russland, Ukraine
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