02:33 16 Dezember 2018
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    Luftangriff auf Zivilisten im Irak

    Flugzeuge irren sich im Markt – schwerer Luftangriff auf Zivilisten im Irak

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    Kampf gegen IS-Terror (156)
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    Die irakischen Regierungstruppen haben wichtige Erfolge beim Kampf um die IS-Hochburg Mossul erreicht, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Freitag.

    Allerdings war der Luftangriff auf die Stadt al-Qaim, bei dem Dutzende friedliche Einwohner ums Leben kamen, eine schockierende Nachricht für die US-geführte Koalition. Nach der Zahl der Opfer unter der Zivilbevölkerung war die Tragödie in al-Qaim die blutigste während der Antiterroroperation im Irak.

    Für die Koalition brachte der gestrige Tag zwei Nachrichten – eine gute und eine schlechte. Die gute besteht darin, dass die Regierungstruppen, die seit dem 17. Oktober um Mossul kämpfen, bedeutende Erfolge in einigen Abschnitten erreichten und teilweise zum Tigris vorrückten, der die Stadt in zwei Teile teilt.

    „Mossul ist de facto isoliert“, sagte Pentagon-Sprecher Jeff Davis. Ihm zufolge können die Extremisten nach der Einkesselung der Stadt sich immer noch zwischen Mossul und Tal Afar bewegen, doch sie können nicht wie früher nach Syrien gehen und zurückkehren.

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    Laut dem Kommandeur der Koalitionskräfte im Irak, General Stephen Townsend, wird die Operation zur völligen Befreiung Mossuls wohl noch mehrere Monate dauern.

    Vor dem Hintergrund der Erfolge der Koalitionskräfte in Mossul kamen schockierende Nachrichten aus al-Qaim, das an der Grenze zu Syrien in der westlichen Provinz Anbar liegt, 280 Kilometer von Mossul entfernt.

    Kampfflugzeuge, die zu den irakischen Luftstreitkräften gehören sollen, flogen am Mittwoch Luftangriffe auf drei Märkte in Al-Qaima, wo in den Morgenstunden besonders viele Menschen sind. Deswegen kam es zu der großen Opferzahl, die höher ist als die Verluste der Zivilbevölkerung in den letzten neun Monaten. Während vom März bis Oktober wegen Fehlern der Koalitionskräfte im Irak bei sieben Luftangriffen 54 friedliche Einwohner ums Leben kamen, wurden am Donnerstag 55 bis 100 Menschen getötet, darunter Frauen und Kinder. Hunderte Menschen wurden verletzt.

    Die Tragödie in al-Qaim war die blutigste seit Beginn der US-geführten Antiterroroperation im Irak. Die Umstände sollen noch geklärt werden. So bleibt unklar, welche Flugzeuge die Angriffe auf al-Qaim flogen und wer den Befehl zum Bombardieren erteilte. Wie der Sprecher der Koalitionskräfte, John Dorian, auf seiner Twitter-Seite schrieb, flogen die Fliegerkräfte der Verbündeten keine Angriffe auf al-Qaim. Ähnliche Verkündigungen erfolgten seitens anderer US-Militärs.

    Die den Islamisten nahestehende Agentur Aamaq stellte ein Video vom Ort der Tragödie ins Internet. Dort sind die Folgen des Angriffs zu sehen – brennende Autos, zerstörte Gebäude und die Leichname der Opfer auf dem Boden.

    Laut einer Version hätten die Flugzeuge die Hauptquartiere der Terroristen vernichten sollen, doch entweder hatten sie falsche Koordinaten oder sie schossen fehl.

    Angesichts der Situation, bei der sich Koalitionsvertreter und irakische Beamte von der Tragödie distanzieren, könnten sich die Beziehungen zwischen Sunniten und Schiiten erneut zuspitzen. Der irakische Parlamentsvorsitzende Salim al-Dschaburi, der einflussreichste sunnitische Politiker im Irak, forderte eine unverzügliche Untersuchung des Vorfalls. Er gab der vom Schiiten Haider al-Abadi geleiteten irakischen Regierung die Verantwortung für solche Vorfälle und rief zur Einstellung der Bombenangriffe und Bestrafung der Schuldigen auf.

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