22:18 06 Dezember 2019
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    Ölgewinnung in Russland

    Dreistellige Ölpreise: Rückkehr zum Boomjahr 2008 doch möglich

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    US-amerikanische Experten schließen nicht aus, dass die Ölpreise in zehn Jahren auf 138 Dollar pro Barrel steigen könnten, schreibt die Zeitung „Iswestija“ am Donnerstag.

    Diese Zahlen sind in einer Prognose der Beratungsfirma Groppe, Long & Littell enthalten. Darauf stützte sich auch die russische Sberbank in ihrer Prognose der Wirtschaftsentwicklung.

    Zum letzten Mal hatte der Ölpreis die 138-Dollar-Marke im Juni 2008 erreicht. Der absolute Höhepunkt waren 147,5 Dollar pro Barrel im Juli desselben Jahres. Im September brach jedoch die Weltwirtschaftskrise aus, und die Wirtschaftszahlen in den meisten Ländern schrumpften drastisch.

    Seit dieser Zeit stürzte der Ölpreise auf ein Minimum von 27,9 Dollar pro Barrel im Januar dieses Jahres ab, und damals behaupteten die meisten Experten, es würde keine Rückkehr zu dreistelligen Ölpreisen mehr geben. Russlands Wirtschaftsministerium veröffentlichte beispielsweise im Oktober seine langfristige Prognose für die sozialwirtschaftliche Entwicklung bis 2035, der zufolge der Ölpreis in den kommenden drei Jahren bei ungefähr 40 Dollar und danach um ein Dollar jährlich auf 55 Dollar 2035 steigen würde.

    Der Chefökonom der Eurasischen Entwicklungsbank, Jaroslaw Lissowolik, schloss eine Rückkehr zu den Ölpreisen von 2008 aber nicht aus. „Falls die Weltwirtschaft in den kommenden Jahrzehnten Wachstumsreserven entdeckt, könnte sich das globale BIP-Wachstum beschleunigen“, betonte er.

    Experten des Zentrums für makroökonomische Forschungen der Sberbank erwarten, dass ein Barrel schon 2018 etwa 55 Dollar kosten und auch 2019 auf demselben Niveau bleiben könnte. Eine längerfristige Prognose wollten sie nicht machen. Aber ihre makroökonomische Vorhersage machte die Sberbank ausgerechnet anhand der Schätzungen von US-amerikanischen Kollegen.

    Im Durchschnitt wird das Wachstumstempo 3,5 Prozent pro Jahr ausmachen, so dass sich das BIP in 20 Jahren verdoppeln und 2036 bei etwa sieben Billionen Dollar liegen sollte (gegenüber 3,5 Billionen Dollar 2015). Allerdings wäre ein solcher Durchbruch nur im Falle von Strukturreformen und technologischen Innovationen möglich, warnen die Sberbank-Experten.

    Der einstige Vizevorsitzende der Zentralbank, Konstantin Korischtschenko, hält die Sberbank-Prognosen für futuristisch und aus diversen Gründen kaum erfüllbar. Solche langfristigen Vorhersagen sind nach seiner Auffassung kaum sinnvoll, denn in zehn Jahren könnte sich auf dem Energieträgermarkt vieles verändern. Mehr als das: Die Energieträger selbst leisten keinen wesentlichen Beitrag zur Wirtschaftsentwicklung. „Öl und Gas sind für den Haushalt wichtig, aber nicht für das BIP-Wachstum. Auf den BIP-Zuwachs dank des Öl- und Gasexports entfallen etwa zehn Prozent. Deshalb wird die russische Wirtschaft nur dank des Preisanstiegs für die Rohstoffe wachsen“, unterstrich der Branchenkenner.

    Allerdings stimmte Korischtschenko den Sberbank-Experten zu, dass die russische Wirtschaft nur dank Strukturreformen samt einer milderen Geld- bzw. Kreditpolitik der Zentralbank wachsen kann.

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