19:22 08 Dezember 2019
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    Ein Buss im syrischen Aleppo für den Abtransport der letzten Kämpfer

    Wie Putin den „grünen Korridor“ aus Aleppo nach Idlib öffnete

    © AFP 2019 / Karam Al-Masri
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    Ein großer Teil der Islamisten aus Ost-Aleppo hat die Stadt bereits über einen humanitären Korridor zwischen Al-Amiriya und Ramussa verlassen können, wie die russische Zeitung „Nesawissimaja Gaseta" am Freitag schreibt.

    Dieser Korridor ist demnach auf Befehl des russischen Präsidenten und Oberbefehlshabers Wladimir Putin eingerichtet worden, wie das russische Zentrum für Versöhnung der Konfliktparteien in Syrien mitteilte. Der Korridor führt in die Provinz Idlib, die von Gegnern des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad kontrolliert wird. Zuerst aber hatten die Dschihadisten selbst die Vereinbarung zum Abzug aus Aleppo bekanntgegeben. Vertreter des offiziellen Damaskus bestätigten dies.

    Laut dem TV-Sender Al-Jazeera wurden die Islamisten auf dem Weg aus Aleppo dann jedoch von schiitischen Formationen beschossen, die auf Seiten der syrischen Armee kämpfen. Über den Überfall informierten die sogenannten „Weißhelme“ den Sender. Die schiitische Bürgerwehr bestreitet das jedoch.

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    Die humanitäre Aktion in Aleppo war auch Thema der Verhandlungen Putins mit seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan. „Der Hauptakzent wurde auf die Notwendigkeit zum Ausbau der gemeinsamen Bemühungen um die Verbesserung der humanitären Situation gesetzt, um den Start eines realen politischen Prozesses in Syrien voranzubringen“, hieß es später aus dem Kreml.

    Die Gruppierungen, die Ost-Aleppo bis zuletzt kontrolliert hatten, unterhielten gleichzeitig aber enge Kontakte zur türkischen Seite. Laut der Nachrichtenagentur Anadolu soll es auch Ankara gelungen sein, den Abzug der Islamisten zu vereinbaren.

    Ein umfassendes Gespräch zwischen den Außenministern Russlands, der Türkei und des Irans über Syriens Schicksal soll dann am 27. Dezember in Moskau stattfinden. Das kündigte der türkische Chefdiplomat Mevlut Cavusoglu jüngst in einem Interview für den TV-Sender TGRT an.

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    Der Iran gratulierte derweil den syrischen Behörden zum Sieg in Aleppo. In einem Telefongespräch mit seinem Amtskollegen Assad begrüßte der iranische Staatschef Hassan Rohani die Befreiung der östlichen Stadtbezirke und nannte dies einen großen Triumph des syrischen Volkes und der syrischen Regierung. Zugleich äußerte er die Hoffnung, dass dies auch weitere Erfolge gegen die Terroristen voranbringen werde. Das iranische Verteidigungsministerium verwies seinerseits darauf, dass Aleppo dank der gemeinsamen Bemühungen Teherans, Moskaus, der libanesischen Hisbollah und Damaskus befreit worden sei. „Der neue US-Präsident sollte Rücksicht auf die Stärke des Irans nehmen“, betonte diesbezüglich der Kommandeur der Islamischen Revolutionsgarde, Yahya Rahim Safawi.

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    „Der Iran unterstützt Assad mehr als Russland“, kommentiert Wladimir Saschin vom russischen Institut für Orientalistik. „Der Sieg in Aleppo wird von Teheran positiv wahrgenommen. Das festigt die Positionen des Triumvirats Assad-Iran-Russland.“ Dennoch gebe es in dieser Situation gewisse Nuancen. „Der Erfolg in Aleppo resultiert hauptsächlich aus der Unterstützung der russischen Militärexperten. Und Teheran spürt eine Art Eifersucht.“

    Ferner stellte Saschin fest, dass die Ressourcen Damaskus und seiner Verbündeten sehr gering seien. „Russland hat vorerst nicht die Absicht, Bodentruppen nach Syrien zu schicken, und die syrische Armee hat im Grunde kaum Schlagkraft. Sie ist nicht in der Lage, große Aufgaben auf dem Territorium des ganzen Landes zu erfüllen – selbst unter Russlands Mitwirkung.“

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    Die politische Zukunft Syriens ist nach Einschätzung des Experten „schwierig“. „Der Krieg wird mit unterschiedlicher Intensität lange dauern. Daran sind sehr unterschiedliche Kräfte beteiligt, die ihre eigenen Interessen verfolgen.“ Angesichts dessen schloss Saschin selbst eine Spaltung Syriens nicht mehr aus.

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    Mevlut Cavusoglu, Recep Tayyip Erdogan, Hassan Rohani, Wladimir Putin, Aleppo, Idlib, Türkei, Iran, Syrien, Russland