14:54 18 Oktober 2017
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    Papst-Gesandter überrumpelt Kiew mit Donbass-Besuch

    © AFP 2017/ TIZIANA FABI
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    Nesawissimaja Gaseta
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    Erzbischof Claudio Gugerotti, der apostolische Nuntius der Ukraine, hat Lugansk und Donezk besucht und Kiew damit offenbar wenig positiv überrascht, wie die russische Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Montag schreibt.

    Während des Besuchs sprach Gugerotti mit der Führung der Orthodoxen Eparchie und dem Metropoliten von Lugansk und Altschewsk, Mitrofan, darüber, „was in der Welt getan werden kann, damit sie diesen Krieg nicht vergisst“.

    „Leider ist es in der Welt nicht mehr aktuell, sich an die Ukraine zu erinnern“, sagte Gugerotti.

    Doch die wichtigste Nachricht seines Besuchs war, dass Papst Franziskus den Wunsch geäußert habe, die Region zu besuchen. „Sag ihnen, dass ich bei ihnen bin, sag dies laut, sag, dass ich sie nicht vergesse, jeden Tag bete, dass dieser Krieg zu Ende geht“, richtete der Vertreter des Heiligen Stuhls aus.

    Die Behörden der Volksrepubliken hätten seinem Besuch keine Steine in den Weg gelegt und ihn und die Delegation gut empfangen.

    Der Besuch des Nuntius im Donezbecken war eine Überraschung für alle, darunter auch für die ukrainischen Behörden. Der Abgeordnete der Obersten Rada, Viktor Jelenski, äußerte Zweifel in Bezug auf einen möglichen Besuch des Papst in den Gebieten, die die Ukraine als okkupiert betrachtet. Ihm zufolge bleibt selbst die Frage des Ukraine-Besuchs des Papstes trotz mehrerer Einladungen unklar. „Er nahm die Einladung mit Dankbarkeit an, doch ich habe keinen Bericht über Daten eines solches Besuchs gesehen. Natürlich ging es um einen Besuch der Ukraine und nicht der besetzten Gebiete“, so Jelenski.

    „Details, Gründe und Umstände der Organisation des Besuchs sollten gründlich analysiert werden“, sagte auch Andrej Jurasch vom ukrainischen Kulturministerium, der den Besuch des apostolischen Nuntius im Donezbecken als Beitrag des Heiligen Stuhls zur territorialen Integrität der Ukraine bezeichnete. „Der Vatikan bemüht sich, eine ausgewogene Politik zu führen und einen eigenen Kurs bei allen Sujets und Ereignissen zu behalten“, hieß es weiter. „Der Besuch fand vor den Weihnachtsfeiertagen statt, ein weiterer Beweis dafür ist, dass der Vatikan in Bezug auf Konfliktgebiete, darunter das Donezbecken, einen eigenen Kurs verfolgt, der mit den in der Erklärung von Havanna festgeschriebenen Richtlinien verbunden ist“.

    Eine andere Sache sei, dass der ukrainische Staat – und Gugerotti stimmte dem eindeutig zu – die zeitweilig unkontrollierten Territorien der Gebiete Donezk und Lugansk als Territorium der Ukraine anerkenne, und seine Reise ein ziemlich ausgewogener Entschluss sei. Einerseits bestätige dies die allgemein ukrainische Position zu den betreffenden Gebieten. Andererseits gehe es um einen Beitrag, den der Vatikan in der Rückkehr der Integrität des ukrainischen Staates sehe.  Ein solcher Besuch sollte mit dem ukrainischen Staat auf höchstem Niveau abgestimmt werden. „Hoffentlich sei dies gemacht worden“, so Jurasch.

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    Tags:
    Viktor Jelenski, Claudio Gugerotti, Papst Franziskus, Vatikan, Donbass, Ukraine
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