07:48 17 November 2019
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    Ein Bewaffneter überfällt Galerie in Ankara und tötet den russischen Botschafter, Andrej Karlow

    Fünf Versionen: Wer und was steckt hinter Botschafter-Mord in der Türkei?

    © AP Photo / Burhan Ozbilici
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    Attentat auf Russlands Botschafter in Ankara (57)
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    Der Mord an Russlands Botschafter in Ankara, Andrej Karlow, hat heftige Reaktionen sowohl in der türkischen als auch in der russischen Gesellschaft ausgelöst, wie die russische Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Mittwoch schreibt. Aber die wichtigste Fragen ist noch immer offen: Wer hat diesen Mord in Auftrag gegeben?

    Türkische Experten und Journalisten suchen nun, wie auch das bilaterale Ermittlungsteam und die Sicherheitsorgane, nach dem mutmaßlichen Drahtzieher hinter dieser blutigen Tat.

    Version 1: Gegen Achse Moskau-Ankara 

    Der öffentliche Mord durch Erschießen des russischen Botschafters in Ankara ist für die US-Interessen in der Region vorteilhaft. Befürworter dieser Version meinen, Washington träume davon, dass die Türkei auf einen Ausbau der Partnerschaft mit Moskau verzichte und auf den transatlantischen Weg zurückkehre. Demnach sollte der Mord die russisch-türkischen Beziehungen untergraben und Ankara dazu zwingen, sich erneut auf den Westen umzuorientieren.

    Allerdings scheint diese Version kaum wahrscheinlich zu sein: Russlands Präsident Wladimir Putin verkündete gleich nach der Tragödie, dass dieser verräterische Angriff die Beziehungen zwischen Moskau und Ankara nicht verderben wird. Der russische, türkische und iranische Minister sprachen am Dienstag in Moskau über die Zukunft Syriens – auch der Anschlag in Ankara konnte dies nicht verhindern.

    Die Beteiligung der USA ist ebenfalls zweifelhaft, weil Washington doch wisse, dass sowohl die russische als auch die türkische Öffentlichkeit vor allem sofort die CIA verdächtigen würden und dass ein Anwachsen antiamerikanischer Stimmungen dann nicht nur in Russland, sondern auch in der Türkei unvermeidlich würde. In der türkischen Gesellschaft meinen schon jetzt immer mehr Menschen, dass hinter der Provokation in Ankara die US-Regierung stehe. Eine solche Entwicklung sei dann gar nicht mehr vorteilhaft für die Amerikaner, schreibt das Blatt.

    Version 2: Gegen Dreieck Moskau-Ankara-Washington

    Der Botschafter-Mord könnte auch als mehrstufige Provokation – nicht nur gegen die russisch-türkischen, sondern auch gegen die türkisch-amerikanischen Beziehungen – angesehen werden, möglicherweise gar gegen die potentiellen Beziehungen zwischen dem Kreml und dem designierten Präsidenten Donald Trump.

    Trump hatte nach seinem Wahlsieg offen verkündet, dass er das Verhältnis der USA zu Moskau verbessern und die Position Putins in der Nahostregion respektieren wird. Zugleich will Trump die klassische Nahostdoktrin der USA radikal ändern. Ihm zufolge dürften die USA keine Zeit im Nahen Osten mehr verlieren, sondern müssten sich mit der Abschreckung Chinas befassen. Die Expansion Pekings bedrohe bereits die nationalen Interessen der USA.

    Version 3: Gegen Ankara allein

    Die pure Diskreditierung der Türkei und ihrer Regierung ist ein weiterer Erklärungsversuch. Der Anschlag vom 19. Dezember zeigte, dass die Türkei nicht imstande ist, ihren „neuen Verbündeten“ – also Russland und dessen Vertreter im Land – zu schützen; dass die türkischen Städte für Touristen gefährlich sein müssen, weil sogar schon Polizisten Diplomaten erschießen. Von welchen Investitionen und großen internationalen Projekten kann dann noch die Rede sein? Derartige Schlussfolgerungen liest man bereits verbreitet in Sozialen Netzwerken. Sie könnten auch noch lauter von interessierten Akteuren in der Region verbreitet werden.

    Version 4: Gülen-Bewegung

    Die Vermutung, dass die Oppositionsbewegung von Fethullah Gülen den Anschlag in Auftrag gegeben haben könnte, scheint derweil mit Abstand am meisten diskutiert zu werden. Auf der Facebook-Seite des Mörders des russischen Botschafters, des 24-jährigen ehemaligen Polizisten Mevlüt Altintas, hieß es, er sei Absolvent der Polizeiakademie in Izmir gewesen, die als eine Art „Generalstab“ der Gülen-Anhänger gilt. Dank Unterstützung durch die Oppositionsbewegung arbeitete er in Ankara. Der Terrorist war offensichtlich Anhänger Gülens und hielt dessen Bewegung beinahe für eine heilige Organisation.

    Version 5: IS

    Dass der „Islamische Staat“ (IS, auch Daesh) hinter dem Anschlag stecken könnte, gilt derweil als kaum wahrscheinlich. Nach Angaben der Sicherheitsdienste gibt es in der Türkei sehr wenig IS-Anhänger – die meisten Anhänger des Kalifats seien in den Irak und nach Syrien gezogen.

    Russlands Botschafter in der Türkei, Andrej Karlow, ist am Montagabend bei der Eröffnung der Fotoausstellung „Russland, wie es die Türken sehen“ in Ankara vor laufenden Kameras und Publikum erschossen worden. Der Täter war ein türkischer Polizist, der die Veranstaltung bewachen sollte. Er wurde auf der Stelle von anderen Sicherheitskräften getötet. Das offizielle Ankara vermutet die Gülen-Bewegung hinter dem Attentat.

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    Tags:
    CIA, Fethullah Gülen, Andrej Karlow, Russland, USA, Türkei, Syrien, Ankara