04:29 14 Dezember 2019
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    Ausgespielt in Nahost: Russland ringt USA die Führungsrolle ab

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    Washington will nicht zugeben, dass die Verhandlungen Russland-Iran-Türkei den Verlust der US-Führungsrolle in Nahost bedeuten. Russland spielt nun die Hauptrolle, was andere Mächte der Region verärgerte. Das Attentat auf den russischen Botschafters in Ankara beweist dies, wie die russische Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Donnerstag schreibt.

    US-Außenminister John Kerry betrachtet die Verhandlungen zwischen Moskau, Teheran und Ankara nicht als Vernachlässigung Amerikas. „Er nimmt dies als einen weiteren multilateralen Versuch wahr, Frieden in Syrien zu erreichen und begrüßt jeden Fortschritt bei dieser Frage“, sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, John Kirby. „Wir werden nicht jegliche Anstrengungen zu einem guten Ergebnis bei Syrien-Frage den Rücken kehren. Falls die Anstrengungen planmäßig bzw. zufällig nicht uns beinhalten werden, jedoch zu einem guten Ergebnis führen, werden wir sie natürlich unterstützen“. Kirby zufolge ähnelten die Thesen des Moskauer Dreier-Treffens denen Washingtons.

    „Wir waren bei diesen Diskussionen in Moskau nicht anwesend, aber das bedeutet nicht, dass die US-Diplomatie nun ineffektiv oder nicht handlungsfähig ist, und dass sie nicht Teil der größeren Anstrengungen ist“, sagte Kirby.

    Nach Angaben des „Wall Street Journal“ gehört die politische Führungsrolle in der Region mittlerweile schon zweifellos Russland. „Dieser Aufstieg verwandelte Moskau in einen unersetzlichen Player“, schreibt die Zeitung. Dabei wird eingeräumt, dass diese Führungsrolle auch eine Kehrseite habe.  Mit seinem Einsatz im Nahen Osten übernahm Russland ebenfalls das Image der USA einer fremden imperialistischen Macht, die gegen Muslime und den Islam kämpfe. Die Ermordung des russischen Botschafters in Ankara sei ein weiterer Beweis dafür.

    Für solche Vermutungen sprächen auch die Berichte des irakischen TV-Senders Al-Sumaria, der für den Mord an dem russischen Botschafter die Extremistenorganisation Dscheisch al-Fath verantwortlich machte. Diese Organisation positioniert sich als Verteidiger der sunnitischen Bevölkerung, die am meisten vom Militäreinsatz Moskaus und Damaskus‘ betroffen sei. In einer angeblichen Erklärung der Extremisten heißt es, dass der Mord eine Antwort auf die Situation in Aleppo gewesen sei.

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    Einige Experten warnen allerdings vor voreiligen Schlussfolgerungen in Bezug auf die Rolle Russlands im Nahen Osten. „Was die Sunniten betrifft, darf man das nicht vereinfachen“, sagt Nikolai Koschanow vom russisch-eurasischen Programm Chatham House. Die Welt des Nahen Ostens bestehe nicht nur aus Sunniten und Schiiten. Man könne nicht sagen, dass sich Russland gegen die sunnitische Welt gestellt habe. Aufseiten des syrischen Regimes kämpfen nicht nur Schiiten und religiöse Minderheiten, sondern auch Sunniten. Es handele sich eher um die Beziehungen bestimmter Gruppen und Länder. 

    Die Rolle Russlands im Nahen Osten änderte sich bedeutend seit Beginn der Syrien-Kampagne. Moskau zeigte die Fähigkeit, rote Linien zu zeichnen und sie zu verteidigen. Das sorge im Nahen Osten für das Gefühl, dass Moskau ein Faktor in der Region sei, den man berücksichtigen müsse, so der Experte.

    Laut dem Politologen Alexander Ignatenko spielt das Russland-Türkei-Iran-Format eine wichtige Rolle beim Aufstieg Russlands im Nahen Osten. Den Kern dieser sehr fragilen Vereinigung bilden Russland und die Türkei, die es geschafft haben, eine Formel zur Lösung der Aleppo-Krise umzusetzen, die eine Formel zur Lösung des ganzen Syrien-Konfliktes werden könnte, so der Experte.

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    Tags:
    John Kerry, Naher Osten, Syrien, USA, Russland