04:30 15 Dezember 2019
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    Gazprom erobert ein Drittel Europas

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    Der russische Energiekonzern Gazprom hat einen neuen historischen Rekord angekündigt – 2016 wird der Anteil des Unternehmens auf dem europäischen Markt bei 33,5 Prozent liegen. Das schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Dienstag.

    Im Vorjahr lag der Marktanteil in Europa bei 31 Prozent. Gazprom-Chef Alexej Miller hatte zuvor einen Anteil von 31 Prozent als „maximales historisches Niveau“ beschrieben. Das heißt, dass Russland 2016 einen neuen Rekord aufstellt.

    Der Konzern berichtete seit Herbst von neuen Rekorden bei den täglichen Lieferungen. Am 18. Oktober lagen diese bei 578,9 Millionen Kubikmetern ins ferne Ausland. „Der Winter hat noch nicht begonnen, die Nachfrage nach russischem Gas im fernen Ausland ist aber so, als ob in Europa ein frostiger Winter begonnen hätte. Das ist ein weiterer Beweis dafür, dass das russische Gas sehr konkurrenzfähig und auf dem europäischen Markt äußerst gefragt ist“, sagte Miller damals. Ende November lagen die Tageslieferungen bereits bei 615 Millionen Kubikmetern.

    Der Gazprom-Export ins ferne Ausland soll sich in diesem Jahr auf 179 Milliarden Kubikmeter gegenüber 159,4 Milliarden im vergangenen Jahr belaufen, berichteten Medien. Daraus folgt, dass die russischen Lieferungen schneller als der europäische Markt wachsen – um mehr als zwölf statt rund vier Prozent.

    Dieses Wachstum ist teilweise mit dem Reexport des russischen Gases aus Europa in die Ukraine verbunden. Rund zehn Milliarden Kubikmeter Gas gehen vom europäischen Markt in die Ukraine. Doch auch ohne diese Lieferungen liegt Gazproms Marktanteil in Europa 2016 bei 32 Prozent.

    Trotz der Exporterfolge sind die Finanzzahlen von Gazprom nicht perfekt. Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende, Andrej Kruglow, gab an, dass der Erlös Gazproms im Dollar-Äquivalent um zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückgehen könnte. Noch stärker werde das EBITDA (der Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände).gegenüber dem Vorjahr sinken – um mehr als 30 Prozent im Dollar-Äquivalent und um mehr als 25 Prozent im Rubel-Äquivalent, so Kruglow.

    Nach Angaben der russischen Zentralbank wurde der russische Gasexport von Januar bis September auf 21,4 Milliarden Dollar geschätzt, was fast 32 Prozent weniger als im selben Zeitraum des Vorjahres sind. Laut dem Internetportal Finanz.ru sind die russischen Einnahmen aus dem Gasexport jetzt auf dem niedrigsten Niveau seit zwölf Jahren. Das Wachstum der Lieferungen kann nicht die Senkung der Einnahmen wegen des Gaspreisrückgangs ausgleichen.

    Experten sind verschiedener Meinung in Bezug auf die Erfolge der russischen Gasbranche. Einige meinen, dass Gazprom dieses Jahr mit guten Ergebnissen abschließt. „Trotz nicht einfacher Verhältnisse in der Politik und des schwierigen Zustands der Wirtschaft fördert das Unternehmen weiterhin Gas, setzt neue Projekte um und führt Gasifizierungen durch. Die Lage des Unternehmens blieb stabil trotz gestiegener Konkurrenz auf dem inneren und äußeren Markt“, sagte Dmitri Baranow von Finam Management.

    Laut dem Analysten der Firma Alpari, Roman Tkatschuk, könnte der außenpolitische Druck auf Russland mit dem Amtsantritt Donald Trumps sinken, was Gazprom die Möglichkeit bietet, den Einfluss auf den Außenmärkten auszubauen und seine internationalen Projekte zu aktivieren.

    Einige Experten sprechen aber von Gazproms Finanzproblemen. In der Branche sei die Steuerlast gestiegen, die Konjunktur der Öl- und Gasmärkte habe sich verändert, wonach in Europa der Anteil der Handelsoperationen mit niedriger Marge gestiegen sei, sagte der Experte Asret Gulijew vom Unternehmen Solid. Der Preis der langfristigen Gasverträge folgt den Ölpreisen mit einem Abstand von sechs bis neun Monaten. Der durchschnittliche Ölpreis lag im ersten Quartal bei 34 Dollar. Bei Gazprom laufen 2022 viele langfristige Verträge in Europa aus, wonach sie mit vielen kleineren Verbrauchern neu geschlossen werden müssen und nicht mit einem aggregierten Verbraucher, wie es früher der Fall war. Man müsse dann die Marketing-Politik ändern, was kostspielig sei, so der Experte.

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    EU, Gazprom, Alexej Miller, Russland