05:15 19 Juni 2018
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    Donald Trump (l.) und Wladimir Putin

    Erstes Treffen Putin-Trump: Die Spannung zieht sich sechs Monate in die Länge

    © AP Photo / Alexander Zemlianichenko
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    Moskowski Komsomolez
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    Zwar sind der russische Präsident Wladimir Putin und sein designierter US-Amtskollege Donald Trump offenbar an einer Verbesserung der Beziehungen zwischen Moskau und Washington interessiert, aber ihr persönliches Treffen könnte erst in einem halben Jahr stattfinden. Das schreibt die Zeitung „Moskowski Komsomolez“ in ihrer Dienstagausgabe.

    Noch vor der US-Präsidentschaftswahl am 8. November 2016 hatte Trump behauptet, er könnte sich im Falle seines Wahlsiegs noch vor dem Amtsantritt am 20. Januar mit Putin treffen. „Wenn ich am 8. November gewinne, (…) könnte ich mir ein Treffen mit Putin vorstellen, noch bevor meine Administration ihre Arbeit beginnt. Das wäre meines Erachtens wunderbar“, sagte der damalige Präsidentschaftskandidat während der Radio-Talksshow von Michael Savage.

    Im Kreml reagierte man darauf optimistisch, aber eher zurückhaltend. Denn während der ganzen Präsidentschaftswahlkampagne hatte Trump im Kontext der Beziehungen mit Russland viel versprochen. „Ich dachte immer, dass die USA gemeinsam mit Russland den Terrorismus besiegen und den Frieden wiederherstellen könnten“, sagte er unter anderem. „Wir könnten auch intensiver miteinander handeln, und hinzu kämen auch andere Vorteile, die aus dem gegenseitigen Respekt resultieren würden.“

    Nach dem Wahlsieg blieb Trumps Rhetorik im Grunde unverändert, doch es gab bislang keine konkreten Schritte, die vom Interesse der neuen US-Administration an einer Annäherung mit Moskau zeugen würden. Mehr als das: Putin und Trump haben nur einmal miteinander telefoniert, und zwar offenbar auf Initiative des Kremlchefs, der dem Milliardär zum Wahlsieg gratulierte.

    Außerdem erhielt Letztgenannter Weihnachts- und Neujahrsglückwünsche von Putin. „Seine Gedanken sind absolut richtig. Ich denke, beide Seiten könnten in Übereinstimmung mit diesen Gedanken leben, und wir sollten keinen anderen Weg gehen“, reagierte Trump darauf. Ob es aber eine schriftliche Antwort auf Putins Glückwünsche gab, ist unbekannt.

    Was die künftigen Kontakte auf höchster Ebene angeht, so sagte Putins Sprecher Dmitri Peskow, ein solches Treffen müsste „gründlich und akkurat“ vorbereitet werden, was wohl zu bedeuten hat, dass es unwahrscheinlich in Kürze stattfindet. Auch Außenminister Sergej Lawrow sprach sich zu diesem Thema eher zurückhaltend aus.

    In Moskau behauptet man dabei, das Format des Treffens würde keine große Rolle spielen: Ob das ein bilateraler Gipfel oder ein Treffen am Rande einer großen internationalen Veranstaltung sein wird, ist Nebensache. Allerdings könnten sich in den kommenden Wochen und Monaten keine passenden Anlässe für ein Putin-Trump-Treffen finden, und dann könnte es wohl erst im zweiten Halbjahr stattfinden.

    Denn auf höchster Ebene sind sowohl Russland als auch die USA nur in zwei Formaten vertreten: G20 und APEC. (Früher gab es noch die G8, aber nach dem Ausbruch der Ukraine-Krise wurde Russland daraus ausgeschlossen.) Ein G20-Gipfel ist für Anfang Juli in Hamburg angesetzt. Und APEC-Gipfel finden üblicherweise erst im November statt.

    Was andere große internationale Treffen angeht, so wäre da das Weltwirtschaftsforum in Davos Ende Januar, doch weder Putin noch Trump werden sich daran beteiligen. Im Februar findet die Münchner Sicherheitskonferenz statt, aber Putin wird Peskow zufolge nicht dorthin reisen. Und US-Spitzenpolitiker nehmen daran sowieso nie teil.

    Auffallend war noch die Initiative des finnischen Außenministeriums, ein Putin-Trump-Treffen im Rahmen des Arktisrates zu organisieren. Aber erstens wird Helsinki den Vorsitz in dieser Struktur erst im Mai übernehmen, und zweitens versammelte sich der Arktisrat bislang nie auf höchster Ebene. Zudem müsste diese Frage auch mit den anderen Mitgliedern des Arktisrates abgesprochen werden.

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    Tags:
    G20, APEC, Wladimir Putin, Donald Trump, USA, Russland