08:59 26 Juni 2017
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    Türkische Spezialeinheiten starten Offensive in Syrien

    Türkischer Blitzkrieg in Syrien gescheitert

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    Kampf gegen IS-Terror (2017) (153)
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    Die türkischen Truppen und ihre Verbündeten haben die Offensive auf das vom „Islamischen Staat“ (IS) kontrollierte syrische al-Bab gestoppt. Sie waren trotz Unterstützung der Luftwaffe nicht imstande, die Stadt einzunehmen. Deshalb wird die Verlegung von schwerer Technik nach Syrien erwogen, schreibt die russische Zeitung „Iswestija“ am Mittwoch.

    Laut offiziellen Mitteilungen des türkischen Verteidigungsministeriums in Ankara flog die türkische Luftwaffe allein am Wochenende mehr als 70 Angriffe gegen Ziele in al-Bab. Die hohe Aktivität der türkischen Kampfflieger hängt mit den fortdauernden Versuchen zusammen, die IS-Extremisten aus der Stadt zu vertreiben und ihre Einnahme durch kurdische Einheiten zu verhindern. Allerdings stießen die türkischen Truppen und ihre syrischen Verbündeten auf unerwartet heftigen Widerstand.

    Die auf schnelle militärische Erfolge ausgelegte Operation „Schild Euphrat“ könnte sich deshalb in einen großangelegten langen Krieg verwandeln. Nach offiziellen Angaben liegen die Verluste bislang bei 16 Toten und einigen Dutzend Verletzten. Jetzt stellt sich die Frage nach der Entsendung von Einheiten mit schweren Waffen – Panzern und Artillerie – nach al-Bab. Nach Angaben regionaler Medien kann es sich um einen Truppenverband aus bis zu 8000 Soldaten handeln.

    Im Dezember nahmen die vorrückenden türkischen Einheiten und ihre Verbündeten die westlichen Bezirke von al-Bab ein und bereiteten sich auf die Einnahme der Höhen vor. Doch nach einem unerwarteten Gegenangriff der Extremisten mussten die schlecht ausgebildeten syrischen Aufständischen fliehen. Das türkische Militär verlor bei den Kämpfen mehr als zehn Panzer, die von Panzerabwehrraketen des Typs TOW aus US-Produktion getroffen wurden.

    Ein weiteres Problem für die Türkei ist das Fehlen von Luftunterstützung seitens der US-geführten Koalition, unter deren Schirmherrschaft die Operation „Schild Euphrat“ erfolgt.

    Die Verwirrung der Türken und ihrer syrischen Verbündeten könnte von den Kurden genutzt werden, die weiter an ihre Idee glauben, zwei Kantone zur Schaffung eines kurdischen Gürtels entlang der türkischen Grenze zusammenzuschließen.

    Laut dem Militärexperten Iwan Konowalow befindet sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan wegen der Probleme bei al-Bab in einer schwierigen Lage. „In Syrien gibt es nicht so viele türkische Truppen. Bislang geht Ankara vor wie die Amerikaner in Afghanistan 2001. Es werden Sicherheitseinheiten geschickt, Versorgung und Luftunterstützung gewährleistet, als größte Schlagkraft wird die Freie Syrische Armee mit schwacher Disziplin und einem niedrigen Ausbildungsstand genutzt. Die syrischen Einheiten können Angriffe versetzen, sind jedoch nicht imstande, eine gefestigte Stadt richtig zu erstürmen“, so der Experte.

    Die Einnahme al-Babs wird auch durch die politische Situation verhindert, weil diese Stadt auch von den Kurden beansprucht wird, die von den USA unterstützt werden. Als Resultat sind ernsthafte Widersprüche zwischen Washington und Ankara zu erkennen. „Auch die türkische Armee selbst hat keine Erfahrung mit der Einnahme von Städten. Das türkische Militär führte vor allem Anti-Partisanen-Operationen durch, es gab auch eine Landung auf Zypern 1974, bei der der einzige Trumpf die zahlenmäßige Überlegenheit war. Selbst Armeen mit großer Kampferfahrung, Syrer bzw. Iraker, brauchen Monate für die Erstürmung von Städten“, so der Experte.

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    Tags:
    Euphrat-Schild, Terrormiliz Daesh, Al-Bab, Syrien, Türkei
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