12:01 17 Januar 2017
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    Türkische Spezialeinheiten starten Offensive in Syrien

    Türkischer Blitzkrieg in Syrien gescheitert

    © REUTERS/ Khalil Ashawi
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    Iswestija
    Kampf gegen IS-Terror (2017) (46)
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    Die türkischen Truppen und ihre Verbündeten haben die Offensive auf das vom „Islamischen Staat“ (IS) kontrollierte syrische al-Bab gestoppt. Sie waren trotz Unterstützung der Luftwaffe nicht imstande, die Stadt einzunehmen. Deshalb wird die Verlegung von schwerer Technik nach Syrien erwogen, schreibt die russische Zeitung „Iswestija“ am Mittwoch.

    Laut offiziellen Mitteilungen des türkischen Verteidigungsministeriums in Ankara flog die türkische Luftwaffe allein am Wochenende mehr als 70 Angriffe gegen Ziele in al-Bab. Die hohe Aktivität der türkischen Kampfflieger hängt mit den fortdauernden Versuchen zusammen, die IS-Extremisten aus der Stadt zu vertreiben und ihre Einnahme durch kurdische Einheiten zu verhindern. Allerdings stießen die türkischen Truppen und ihre syrischen Verbündeten auf unerwartet heftigen Widerstand.

    Die auf schnelle militärische Erfolge ausgelegte Operation „Schild Euphrat“ könnte sich deshalb in einen großangelegten langen Krieg verwandeln. Nach offiziellen Angaben liegen die Verluste bislang bei 16 Toten und einigen Dutzend Verletzten. Jetzt stellt sich die Frage nach der Entsendung von Einheiten mit schweren Waffen – Panzern und Artillerie – nach al-Bab. Nach Angaben regionaler Medien kann es sich um einen Truppenverband aus bis zu 8000 Soldaten handeln.

    Im Dezember nahmen die vorrückenden türkischen Einheiten und ihre Verbündeten die westlichen Bezirke von al-Bab ein und bereiteten sich auf die Einnahme der Höhen vor. Doch nach einem unerwarteten Gegenangriff der Extremisten mussten die schlecht ausgebildeten syrischen Aufständischen fliehen. Das türkische Militär verlor bei den Kämpfen mehr als zehn Panzer, die von Panzerabwehrraketen des Typs TOW aus US-Produktion getroffen wurden.

    Ein weiteres Problem für die Türkei ist das Fehlen von Luftunterstützung seitens der US-geführten Koalition, unter deren Schirmherrschaft die Operation „Schild Euphrat“ erfolgt.

    Die Verwirrung der Türken und ihrer syrischen Verbündeten könnte von den Kurden genutzt werden, die weiter an ihre Idee glauben, zwei Kantone zur Schaffung eines kurdischen Gürtels entlang der türkischen Grenze zusammenzuschließen.

    Laut dem Militärexperten Iwan Konowalow befindet sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan wegen der Probleme bei al-Bab in einer schwierigen Lage. „In Syrien gibt es nicht so viele türkische Truppen. Bislang geht Ankara vor wie die Amerikaner in Afghanistan 2001. Es werden Sicherheitseinheiten geschickt, Versorgung und Luftunterstützung gewährleistet, als größte Schlagkraft wird die Freie Syrische Armee mit schwacher Disziplin und einem niedrigen Ausbildungsstand genutzt. Die syrischen Einheiten können Angriffe versetzen, sind jedoch nicht imstande, eine gefestigte Stadt richtig zu erstürmen“, so der Experte.

    Die Einnahme al-Babs wird auch durch die politische Situation verhindert, weil diese Stadt auch von den Kurden beansprucht wird, die von den USA unterstützt werden. Als Resultat sind ernsthafte Widersprüche zwischen Washington und Ankara zu erkennen. „Auch die türkische Armee selbst hat keine Erfahrung mit der Einnahme von Städten. Das türkische Militär führte vor allem Anti-Partisanen-Operationen durch, es gab auch eine Landung auf Zypern 1974, bei der der einzige Trumpf die zahlenmäßige Überlegenheit war. Selbst Armeen mit großer Kampferfahrung, Syrer bzw. Iraker, brauchen Monate für die Erstürmung von Städten“, so der Experte.

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    Tags:
    Euphrat-Schild, Terrormiliz Daesh, Al-Bab, Syrien, Türkei
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    Alle Kommentare

    • HSV Fan
      Ja, da sieht man, wie schwierig die Sache ist. Anscheinend sind die Kurden die einzigen, die Erfolge vorweisen können im Kampf gegen den IS.
    • tina
      Das haben die Türken nun davon.
      Die haben doch von Anfang an nur wegen ihren eigenen
      Interessen da mitgemischt.
      Denen ging es nie darum dem Syrischen Volk zu helfen.
      Jetzt bekommen sie die Quittung dafür.
      Deren Hinterhältigkeit kann nur in einem Desaster enden.
    • altes.fachbuch
      das stinkt!!! ein künstlicher erhaltener kriegsherd, lediglich 30km an der türk. grenze.
      ist die nato-türkei mit 8000 mann erst mal legal drin, dann darf die keiner mehr verjagen!!
      die kavallerie füttert schon die gäule
      und aleppo ist nur 35 km weg!!
    • Thomas
      Der Panzer hat wie die Ritterüstung keine Zukunft, selbst bei militärischen Konflikten.
      Welche Schlacht wurde z.B. in Syrien und Irak mit eisernen Diniosarieren gewonnen?

      Der Aufwand diese Eisenkollosse vor den recht leichten und preiswerten Panzervernichtungswaffen zu schützen ist erheblich. Der rumstehende Schrott in Syrien ist nicht zu übersehen. Gewinne von Terretorien zur Befreiung sehen anders aus.
      So auch der Erfolg der kurdischen Streitkräfte gegen den IS mit einem Frauenanteil von 40 Prozent zur Befreiung von Syrien von den Terroristen.

      Die Türkei wird mit ihrer Panzerarmee kaum Erfolge haben.
      Leichte bewegliche Fahrzeuge zur Mobilität, treffen mit dem ersten Schuß, koordinierte Luftunterstützung, oder Vorbereitungen mit Waffen hoher Reichweite, getarnte und verdeckte Bewegungen und Kontrolle mit Aufklährung zeichnen sich dort bei der Befreiung von den Mörderbanden mit Erfolgen ab.
      Schweres Gerät ermöglicht Kosten und Ruinenfelder mit erheblich guten Deckungsmöglichkeiten für leichte Einheiten, und ist so an die Grenzen gestoßen.
    • WienerKarl
      Eine wirklich gesunde, homöopathische Medizin für den Erdogan. Es wird ihm gezeigt, dass sein lavieren zwischen den Mächten endgültig aus ist. Und aus ist auch sein Traum von der türkischen Großmacht, er hat die Anderen für blöder gehalten, als sie tatsächlich sind.
    • serendipity
      Haben die Türken deutsche Panzer?
    • Tesla
      Erst jetzt ist es mir klar geworden, warum dieser Angriff der Türken "Schutzschild Euphrat" heisst. Liebe Russen, passt auf, dass ihr euch mit der türkischen Freundschaft nicht die Finger verbrennt!

      Es scheint so, als ob die Türkei ihren alten Ziel nicht aufgegeben hat, durch Wassererpressung über Syrien zu herrschen und den Syrern türkisches Obst und Gemüse aufzuzwingen.

      Al-Bab ist für diese wasserarme Region und sogar für ganz Aleppo strategisch sehr wichtig.

      Wikipedia über Al-Bab:
      "Seit etwa 1960 wird in verstärktem Maß das Grundwasser in der baumlosen Ackersteppe erschlossen. Zuvor war nur der Anbau von Wintergetreide im Wechsel mit Brache möglich. In der Umgebung wird nun durch Dieselpumpen bewässerte Landwirtschaft betrieben. Für den Bedarf von Aleppo werden vor allem Gemüse (Tomaten, Auberginen) und Granatäpfel angebaut."

      Wenn man dazu noch den ewigen Streit zwischen Syrien und der Türkei um den Bau vieler türkischer Wasserdämme am Euphrat ins Auge fasst, was diesen Fluss auf syrischer Seite immer wasserärmer macht, dann liegt der Sin des "Schutzschild Euphrat" Angeiffs klar und deutlich vor Augen. Nicht nur im Euphrat soll es weniger Wasser geben, sondern auch die seltenen unterirdischen Funde von Wasser sollen den Syrern enteignet werden.

      Sollte irgendeine westliche oder türkische Terrorgrupierung noch über Al Jaboul See die Macht ergreifen, dann wäre fast ganz Syrien ausgeliefert. In einer Wüste lässt sich ohne Wasser schlecht leben. Dafür wäre der Bau einer Coca-Cola Fabrik in dieser Gegend sehr profitabel.

      In ärmsten Gegenden Afrikas, wo auch Wasserknappheit herrscht, wurden die Brunnen den Dorfbewohnern enteignet, das Wasser wird für Coca-Cola Herstellung vor Ort verwendet und teuer an die arme Bevölkerung verkauft,oder als Wasser in Flaschen angeboten. Eine kleine Preissteigerung könnte für Millionen Menschen in solchen Regionen tödlich sein. Auch eine angäbliche Panne einer verunreinigung oder vergiftung des Wassers bei der Verpackung, könnte viel Elend einrichten.
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