22:23 14 November 2018
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    Außenministerin Kanadas Chrystia Freeland

    Kanadas Außenamt hat ukrainische Wurzeln: Neue Chefin auf russischer Sanktionsliste

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    Die 48-jährige Ex-Journalistin Chrystia Freeland ist zur neuen Außenministerin Kanadas ernannt worden. Das ist eine äußerst unangenehme Nachricht für Moskau: Freeland stammt aus einer Familie ukrainischer Auswanderer und ist bekannt für ihre äußerst harte Position gegenüber der Führung Russlands, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Donnerstag.

    Chrystia Freeland war zuletzt Ministerin für Außenhandel. Die Ernennung zur Außenministerin war ein Teil der Rotation von Premier Justin Trudeau, der sechs Minister austauschte. Für Moskau ist das eine sehr schlechte Nachricht: Seit dem Ausbruch der Ukraine-Krise hat Freeland eine sehr kritische Position gegenüber Russland eingenommen. Deshalb war sie im März 2014 in die Sanktionsliste aufgenommen worden, die von den russischen Behörden als Antwort auf ähnliche Maßnahmen Ottawas erstellt wurde.

    Im Laufe der Konfrontation zwischen Russland und dem Westen gab es noch keinen solchen Fall, dass eine Person zum Außenminister eines Landes ernannt wurde, gegen die persönliche russische Sanktionen gelten. Falls Freeland als Außenministerin nach Russland reisen will, könnte es zu einer diplomatischen Kollision kommen. Doch angesichts der aktuellen Beziehungen zwischen Moskau und Ottawa, das gegenüber Russland oft radikalere Positionen als Washington einnimmt, ist ein solcher Besuch kaum wahrscheinlich. Der Dialog zwischen beiden Ländern ist minimal.

    Freeland stammt aus einer Familie mit ukrainischen, griechisch-katholischen Wurzeln. Ihre Mutter Galina Chomjak wurde 1946 in einem Lager für Verschleppte in Deutschland geboren, anschließend ging sie mit den Eltern nach Kanada. Freeland legt Wert auf ihre ukrainischen Wurzeln – zuhause spricht sie mit ihren drei Kindern Ukrainisch und hat bis vor kurzem regelmäßig Kiew besuchte, darunter auf dem Höhepunkt der Maidan-Proteste. Sie kennt auch Russland sehr gut. In den 1990er Jahren war sie vier Jahre lang als Chefin des Büros der britischen „Financial Times“ tätig. 2000 schrieb sie ein Buch über die Situation in Russland mit dem Titel „Ausverkauf des Jahrhunderts“. Freeland spricht gut Russisch.

    Nach dem Beitritt der Krim zu Russland und dem Beginn der bewaffneten Konfrontation im Donezebecken gehörte Freeland zu den Verfechtern möglichst harter Sanktionen gegen Russland. Ihre Position ist „so entschieden proukrainisch“, dass ein ukrainischer Experte sie als „kanadischen McCain“ bezeichnete. Freeland sagte in einem Interview, dass „es die Pflicht jedes demokratischen Politikers in der Welt ist, die Ukraine zu unterstützen“.

    „Die Ernennung von Chrystia Freeland ist eine Art Geschenk für die Ukraine. Leider kommt diese gute Nachricht in einer schlechten Zeit. Bei aller Achtung vor Kanada ist es nach seinem Gewicht in der internationalen Arena mit den USA, Frankreich bzw. Deutschland nicht zu vergleichen. Gerade diese Staaten bestimmen den Kurs des Westens gegenüber unserem Land. In den USA sind die kommenden Änderungen in der Führung gar nicht so vielversprechend für die Ukraine. Auch in Frankreich wird der neue Präsident anscheinend wohl Francois Fillon sein – ein Anhänger der Aufhebung der antirussischen Sanktionen“, sagte ein ukrainischer Abgeordneter vom Poroschenko-Block.

    „Präsident Poroschenko hat Chrystia Freeland Glückwünsche übermittelt. Während seiner Amtszeit reagiert er zum ersten Mal so auf die Ernennung eines ausländischen Ministers“, sagte der ukrainische Polittechnologe Viktor Ukolow. „Wir hoffen, dass mit ihrer Hilfe jetzt in der Welt eine aktivere ukrainische Lobby gebildet wird. Diese Lobby kann auch als antirussisch bezeichnet werden“, so Ukolow.

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