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    Donald Trump und Fake News: BuzzFeedisierung der USA

    © REUTERS / Kevin Lamarque
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    Die erste Pressekonferenz des designierten US-Präsidenten Donald Trump ist nicht zur Stunde der Wahrheit in seinem Konflikt mit den US-Medien geworden. Jede Seite bleibt bei ihrer Meinung. Donald Trump bezeichnete die Presse als „Lügenfabrik“. CNN äußerte daraufhin Protest, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Freitag.

    Während sich der TV-Sender CNN angewidert vom Internetportal BuzzFeed distanziert, sagte BuzzFeed-Guru Jonah Peretti hingegen, er sei stolz, mit CNN und anderen angesehenen Medien zu arbeiten. Er versprach, sich weiterhin damit zu befassen, was ihm am besten gelingt – „beeindruckender Journalismus“.

    Zuvor hatten einige Medien, darunter BuzzFeed und CNN, berichtet, dass den US-Geheimdiensten Material vorliege, mit dem der künftige US-Staatschef Donald Trump von russischer Seite erpressbar gemacht werden könne. Mittlerweile hat sich das Dokument als Fake herausgestellt.

    Das 35 Seiten lange Papier erinnert an den Auszug eines unveröffentlichten Romans des US-Schriftstellers Sidney Sheldon. Die Fake-News-Angelegenheit betrifft nicht nur Trump oder Amerika, sondern die Beziehungen zwischen Newsmakern und der Presse weltweit – es geht um die Frage, was als Fakes und was als echte Nachrichten wahrgenommen werden darf; was als exklusive Nachricht und was als Trash bzw. politischer Auftrag bezeichnet werden soll, den Abonnenten, Besitzer bzw. Berater von Journalisten und Redakteuren erwarten und hohe Ratingwerte bzw. Besucherzahlen fordern, die ihre Ressourcen von den anderen unterscheidbar machen.

    Zudem ist es die Frage, ob wir dem Tod des Journalismus als selbstständiges Genre zuschauen. Das verleitet zu Gedanken darüber, wo die Grenze ist, die den Autor einer journalistischen Recherche von einem Autor trennt, der die Sache Sheldons fortsetzt. Die Frage besteht darin, wie Journalismus auszusehen hat – glaubwürdig oder „beeindruckend“, wie dies der BuzzFeed-Gründer vorschlägt.

    „Fake news“ statt Werte: Instrumentalisierung der politischen Lüge

    CNN distanziert sich zwar von dem BuzzFeed-Bericht, doch die Tatsache bleibt – CNN hat diese „Nachricht“ verbreitet. Doch so funktioniert es nicht – einfach Informationen aus einer unglaubwürdigen Quelle darzulegen, indem man sich auf sie beruft und Informationen vorab durch eigene Quellen und Experten ungeprüft in Umlauf setzt. Das geht nicht. Wo ist dann der Mehrwert der Produkte? Die Massenmedien, die die führende Rolle bei der Berichterstattung beanspruchen, arbeiten so nicht. Genauer gesagt, sie haben früher nicht so gearbeitet. Doch heutzutage ist die Nachfrage nach solchen Nachrichten offenbar groß, darunter bei den Medienriesen. Darin besteht das Problem.

    Die schleichende BuzzFeedisierung wird zum globalen Trend in den Medien. Selbst angesehene Vertreter der Zunft sind nicht davor geschützt, in die Lage des Helden der Novelle „Verwandlung“ von Franz Kafka zu schlittern, wo Gregor Samsa eines Morgens aus einem unruhigen Traum erwacht und sich in seinem Bett zu einem monströsen Ungeziefer verwandelt findet. Die Geschichte von Trump und seinem Konflikt mit der Presse ähnelt Kafkas Sujet.

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    Fake-News, Nachrichtenportal BuzzFeed, CNN, Jonah Peretti, Donald Trump, USA