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    Die Vorbereitung auf die Verhandlungen zur Syrien-Regelung in der kasachischen Hauptstadt Astana, die für den 23. Januar geplant sind, könnten durch Teheran torpediert werden, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Donnerstag.

    Der iranische Außenminister Dschawad Sarif sprach sich gegen die Teilnahme der USA an den Verhandlungen aus, die von Russland und der Türkei vorgeschlagen wurden. Irans Präsident Hassan Rouhani erklärte seine Forderung, dass einige Staaten sich nicht an den Verhandlungen beteiligen sollten, mit ihrer destruktiven Rolle und ihrer Unterstützung der Terroristen.

    Die Erklärungen der iranischen Spitzenpolitiker, die dem Plan Russlands und der Türkei widersprechen, offenbarten eine Spaltung in der Troika Moskau-Ankara-Teheran, die den Neustart des Friedensprozesses in Syrien einleitete. Die besondere Rolle Irans erschwert deutlich die Umsetzung der wichtigsten außenpolitischen Aufgaben Russlands – die Regelung des Syrien-Konfliktes unter Berücksichtigung der Interessen aller Hauptakteure und die Normalisierung der Beziehungen zu den USA unter dem neuen Präsidenten Donald Trump.

    Über den Verzicht Teherans, den Kreis der internationalen Teilnehmer der Syrien-Gespräche durch Vertreter der neuen US-Administration in Astana zu erweitern, berichtete die iranische Nachrichtenagentur Tasnim. „Wir haben sie nicht eingeladen und wir sind gegen ihre Präsenz“, zitiert Tasnim den Außenminister Dschawad Sarif.

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    Auch Präsident Hassan Rouhani zeigte die besondere Position Irans auf: „Der Iran, Russland und die Türkei haben es geschafft, den Waffenstillstand in Syrien zu erreichen, und das zeigt, dass diese drei Länder einen Einfluss haben.“

    Am schärfsten war wohl die Antwort auf die Frage über die Rolle der USA und Saudi-Arabiens. „Einige Länder nehmen nicht an den Verhandlungen teil und spielen eine destruktive Rolle. Sie unterstützen die Terroristen“, so Rouhani.

    Diese Äußerungen waren wohl eine Überraschung für die beiden anderen Mitglieder der Syrien-Troika, nämlich Russland und die Türkei, die die Einladung von Vertretern der neuen US-Administration nach Astana initiiert hatten.

    Über den Beschluss, zu den Syrien-Gesprächen in Astana US-Vertreter einzuladen, berichtete der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Samstag zum ersten Mal. Auch der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte am Dienstag, dass dies der erste offizielle Kontakt wäre, bei dem ein effizienterer Antiterrorkampf in Syrien besprochen werden könnte.

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    Sowohl Moskau als auch Teheran machen Barack Obama zum Teil verantwortlich für die Unterstützung der Terrorgruppierungen, die im Laufe der letzten Jahre gegen die syrischen Behörden kämpften.

    Russlands Verteidigungsminister Sergej Schojgu und der Vorsitzende des Nationalen Sicherheitsrates des Iran, Ali Schamchani
    Министерство обороны РФ
    Es bestehen jedoch prinzipielle Auseinandersetzungen in der Einschätzung der möglichen künftigen Rolle der USA beim Neustart des Friedensprozesses in Syrien. Während Moskau die Kooperation bei null wiederaufnehmen und Washington unter Trump an der Lösung des syrischen Problems teilnehmen lassen will, hält Teheran die USA weiter als Teil des Problems und ist gegen ihre Teilnahme am Friedensprozess.

    Laut dem Experten des Moskauer Carnegie-Zentrums, Alexej Malaschenko, zeigt der Iran mit diesem Vorstoß, dass er nicht nur seit langem ein selbstständiges Machtzentrum ist, sondern auch die Führungsrolle in der strategisch wichtigen Region beansprucht und nicht klein beigeben wird, auch nicht gegenüber Russland.

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    Die Position Teherans zeigt, wie fragil die situative Allianz zwischen Russland und dem Iran im syrischen Konflikt ist. Experten zufolge unterscheiden sich die langfristigen Ziele beider Länder in Syrien. Moskau ist an einem Friedensabkommen interessiert, das Russland ermöglichen würde, nicht mehr aktiv an den Kampfhandlungen teilzunehmen. Zudem ist es für den Kreml wichtig, die Aufrechterhaltung der gegenüber Russland loyalen Regierung zu sichern, die die wichtigsten Städte kontrollieren würde und auf die Präsenz der russischen Militärobjekte im Lande eingeht. Zum Erreichen dieser Ziele ist Moskau bereit, mit anderen wichtigsten Akteuren in der Region Vereinbarungen zu treffen, vor allem mit der Türkei, wobei deren „besonderen“ Interessen im Norden Syriens und bei der kurdischen Frage berücksichtigt werden.

    Für Teheran ist der Syrien-Konflikt ein Teil des Kampfes zwischen den Schiiten und Sunniten. Eine perfekte Variante für die iranischen Behörden wäre die Fortsetzung des Krieges in Syrien bis zum Sieg, wobei die russischen Fliegerkräfte und russischen Berater möglichst aktiv genutzt werden.

    Allerdings habe Moskau nicht vor, ewig in Syrien zu kämpfen und erwäge schon jetzt eine Rückzugsstrategie. Aus diesem Grund entstünden Auseinandersetzungen zwischen beiden Ländern, so der Orientalist Wladimir Sotnikow.

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    Tags:
    Hassan Rouhani, Mohammad Javad Zarif, Russland, USA, Astana, Kasachstan, Syrien