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    Ein Gazprom-Erdgasarbeiter (Archivfoto)

    Europäische Partner abgesprungen? Gazprom muss Nord Stream 2 allein stemmen

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    Der russische Gasriese Gazprom will allein 2017 Jahr rund 111 Milliarden Rubel in den Bau der Gaspipeline Nord Stream 2 investieren, fast 150 Prozent mehr als geplant war. Wie die russische Zeitung „Kommersant“ am Freitag schreibt,rechnet der Konzern einfach nicht mehr mit finanziellen Beiträgen europäischer Energieunternehmen ins Aktionärskapital.

    Gazprom geht demnach mittlerweile davon aus,  dass sich die europäischen Partner auf andere Weise an dem Projekt beteiligen würden. Bislang jedenfalls entfielen alle Ausgaben auf den russischen Konzern, der zum ersten Mal seit vielen Jahren Investitionen nicht mehr aus der eigenen Tasche tätigen kann und deshalb Schulden aufnehmen muss.

    Gazprom hatte am Donnerstag die geplanten Investitionen in die größten Gaspipeline-Projekte 2017 offengelegt. Das Unternehmen will 110,67 Milliarden Rubel als Finanzeinlagen in den Bau der Nord-Stream-2-Pipeline und 41,9 Milliarden Rubel in den Bau des Turkish Stream richten. Die größte Investition wird die Pipeline “Kraft Sibiriens” (158,8 Milliarden Rubel) für Gaslieferungen nach China sein. Darüber hinaus werden 62,2 Milliarden Rubel in die Gaspipeline Uchta-Torschok-2 fließen, über welche Jamal-Gas in den nördlichen Verkehrskorridor gepumpt wird, darunter auch in den Nord Stream 2.

    Solche großen Investitionen bedeuten, dass Gazprom nicht damit rechnet, dass in diesem Projekt neue Aktionäre auftauchten. Ursprünglich war geplant, dass Gazprom über 50 Prozent an der Pipeline und fünf europäische Unternehmen – Shell, Engie, OMV, E.On und Wintershall – über jeweils zehn Prozent verfügen werden. Das Finanzierungsschema hätte wie bei Nord-Stream-Projekt sein sollen – 30 Prozent geben Aktionäre, 70 Prozent werden bei Banken geliehen. Der Wert des Nord Stream 2 soll insgesamt acht Milliarden Euro (9,9 Milliarden Euro samt Krediten) ausmachen.

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    Wäre alles nach diesem Plan gelaufen, hätten die Aktionäre 2,4 Milliarden Euro für den Bau bereitgestellt, die Hälfte davon Gazprom. Doch die europäischen Unternehmen beteiligen sich nicht, nachdem die polnische Kartellbehörde dieses Schema abgelehnt hatte.

    Die Investitionen der europäischen Gazprom-Partner würden nicht als Aktionäre getätigt, so eine Quelle. Wie die europäischen Energieunternehmen sich an dem Vorhaben finanziell beteiligen, ist noch unbekannt. Gazprom muss bis Jahresende ein neues Finanzierungsmodell für Nord Stream 2 vorlegen.

    Der Anstieg der Ausgaben für Nord Stream 2 erschwert derweil die finanzielle Lage von Gazprom. Der Rückgang der Öl- und Gaspreise fiel zeitlich mit dem Höhepunkt der Investitionen des russischen Energieriesen zusammen, der in den kommenden drei bis vier Jahren die Pipeline Nord Stream 2, den Turkish Stream und die “Kraft Sibiriens” fertigstellen will. Darüber hinaus will Gazprom bis 2024 das Gasverarbeitungswerk Amur bauen, zudem bestehen Pläne zur Einrichtung neuer Kapazitäten zur Herstellung von Flüssiggas auf Sachalin und im Baltikum. Laut den Finanzberichten Gazproms vom dritten Quartal 2016 ist der freie Geldstrom der Firma negativ (minus 101 Milliarden Rubel). Die Firma finanziert neue Projekte mit neuen Schulden. Die reinen Schulden Gazproms stiegen in drei Quartalen 2016 um fünf Prozent auf 2,18 Billionen Rubel.

    „Die Erwartungen sehen so aus, dass die Schuldenlast Gazproms in den nächsten Jahren wachsen wird, FCR ist negativ bzw. rund bei Null, Dividende werden auf dem Mindestniveau – rund acht Rubel pro Aktie — bleiben“, sagte Andrej Polischtschuk von der Raiffeisenbank.

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