17:48 19 Februar 2020
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    In Deutschland wird der Amtsantritt des neuen US-Präsidenten Donald Trump als eine Art Tag des jüngsten Gerichts wahrgenommen, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Freitag.

    „Am Freitag werden Menschen in aller Welt voller Sorge, ja Angst, nach Washington schauen“, schreibt die „Zeit“. In deutschen TV-Talkshows stellt man die Frage, wie gefährlich Trump für Europa und die Welt ist. In den deutschen Leitmedien ist statt den üblichen täglichen Vorwürfen und Verdächtigungen gegen den Kreml nun dasselbe gegen Trump zu hören.

    Die Kampagne gegen Trump zieht große Kreise. Ihr schloss sich sogar der US-Botschafter in Deutschland, John Emerson, der seinen Posten als Vertreter der scheidenden Obama-Administration verlässt, an. Emerson zufolge kann er sich keine grundlegenden Veränderungen in Bezug auf die Nato vorstellen. Er hofft, dass sich alles in Washington regelt und Trump seine Versprechen nicht umsetzen wird. Der Diplomat stimmte Trumps  Einschätzung nicht zu, dass die Flüchtlingspolitik Merkels ein „katastrophaler Fehler“ ist. Auf die Frage, ob die Bundeskanzlerin die „letzte Stütze der Freiheit“ ist, führte er die Meinung von vielen Amerikanern an: „Gott sei Dank gibt es Angela Merkel“.

    Die Regierungsorgane, Partei- und Parlamentskreise in Berlin verheimlichen nicht, dass die Ansichten Trumps hinsichtlich der Nato, EU, Russland für die deutsche Seite inakzeptabel sind. Die Bundeskanzlerin geht nicht auf Polemik ein, sagt nur, dass ihre Einstellung zu diesen Fragen  bekannt sei.

    Wozu das alles führen wird, will sich in Berlin bislang niemand vorstellen. Die Situation wurde in der Regierungspressekonferenz von einem Vertreter des deutschen Außenministeriums beschrieben. In Bezug auf die Schritte zur Aufnahme der Kontakte mit dem Umfeld des neuen US-Präsidenten sagte er, dass es kein völliges, verständliches und allumfassendes Bild gebe, was die Administration Trumps selbst und in der Außenpolitik und im Sicherheitsbereich machen will.

    Allerdings äußern die Bundeskanzlerin und die Bundesregierung ihre Bereitschaft, mit Trump und seiner Administration zu kooperieren. Das ist die Realpolitik.

    Die prinzipielle Position Merkels sieht so aus – „Wir sind Europäer und unser Schicksal ist in unseren Händen“. Die Formel wird nicht erläutert, kann jedoch als Warnung verstanden werden. Besonders wenn die Regierung Merkels und die Administration Trumps  mit der Erörterung der europäischen Themen und bilateralen Beziehungen beginnen werden.

    Allerdings könnten die Verhandlungsplattformen wohl noch einige Zeit nach dem Amtsantritt Trumps brach liegen. Die propagandistische Polemik wird wohl nicht so schnell enden.

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    Laut dem Vorsitzenden des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten des EU-Parlaments, Elmar Brok, bedeuten die Äußerungen Trumps über die Nato einen Verzicht auf die Allianz in der jetzigen Form. Der Experte warnt vor der Gefahr einer neuen Weltordnung unter Präsident Wladimir Putin und dem neuen Präsidenten Donald Trump.

    Auch die Wirtschaft ist besorgt. Die USA sind ein wichtiger Handelspartner Deutschlands. Der deutsche Export in die USA machte allein in zehn Monaten des vergangenen Jahres mehr als 90 Milliarden Euro aus. Die Äußerungen Trumps über mögliche hohe Zölle für deutsche Autos, die in Mexiko hergestellt werden, werden als Drohung wahrgenommen. Das Institut für Weltwirtschaft in Kiel warnt vor einem möglichen Handelskrieg mit Amerika unter Trump.

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    Tags:
    EU, NATO, Angela Merkel, Donald Trump, Russland, Deutschland, USA