08:48 06 Dezember 2019
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    Pentagon erwägt „russisches Rezept“

    © Foto : U.S. Marine / Jeraco Jenkins
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    Das US-Verteidigungsministerium zieht neue Varianten des Kampfes gegen die Terrormiliz Daesh (auch "Islamischer Staat", IS) in Syrien und im Irak in Betracht, schreibt die russische Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" in ihrer Donnerstagsausgabe.

    Pentagon-Chef James Mattis wird sich am Freitag mit Präsident Donald Trump treffen und ihm einige Ideen präsentieren. Laut CNN-Quellen unterscheiden sich dessen Initiativen von der Politik der früheren US-Administration. Unter anderem geht es um die Eroberung der syrischen IS-„Hauptstadt“ Rakka und eine intensivere Unterstützung der Kurden, die Rakka einkesseln sollten. Das würde jedoch zu neuen Spannungen zwischen Washington und Ankara führen, das die Kurden als Gefahr für die türkische Sicherheit betrachtet.

    Zudem könnten die USA laut CNN ihre militärische Präsenz in Syrien ausbauen. Vorerst setzen sie nur die Luftwaffe und Spezialeinheiten ein. Wegen des enormen Sicherheitsrisikos musste sich der ehemalige US-Präsident Barack Obama solche Einsätze speziell billigen lassen. Diese Regel bleibt weiterhin in Kraft, aber möglicherweise wird Trump sie ändern wollen.  

    In Syrien sind auch US-Militärberater aktiv. Obama wurde vom Pentagon öfter aufgefordert, ein zusätzliches Kontingent in den Nahen Osten zu schicken, doch dagegen traten sowohl viele Vertreter des Establishments als auch die amerikanische Gesellschaft auf.

    Eine der wichtigsten Fragen wird für Trump offensichtlich das Schicksal des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad sein. Laut CNN-Quellen könnte eine Milderung der Position Washingtons den Weg zum engeren Zusammenwirken mit Moskau bei Luftangriffen in Syrien frei machen.

    Der britische Nahost-Experte Michael Stephens vermutete, dass der US-Präsident im Kampf gegen die Dschihadisten durchaus auf das sogenannte „russische Rezept“ zurückgreifen könnte.

    Daesh-Fahne
    © REUTERS / Ali Hashisho
    Obamas Politik hat den Eindruck hinterlassen, dass die USA ihr Interesse für den Nahen Osten allmählich verlieren und viele Probleme ungelöst lassen. Trump dementierte das nicht, stellte aber zwei Fragen in den Vordergrund: die Vernichtung des IS und die Unterstützung Israels. Was den IS angeht, so glaube ich nicht, dass Trump die Offensive nach Mossul richten oder seine Ansichten zur Unterstützung des kurdischen Volksheeres in Syrien verändern wird, um Rakka zu erobern. Ich glaube aber wirklich, dass die USA ein engeres Zusammenwirken mit Russland erwägen könnten, um viele Sicherheitsfragen in Syrien zu lösen“, so Stephens.

    Der neue Pentagon-Chef ist nach Auffassung des Experten zu „harten Szenarien“ in Syrien bereit: „General Mattis könnte die bisherige Politik gegenüber dem IS weiter ausüben und von einer möglichen Eskalation in der Zukunft ausgehen. Aus politischer Sicht würde das für Trump einen Erfolg bedeuten, und deshalb wird er meines Erachtens Mattis bei der Suche nach möglichst aggressiven Wegen unterstützen.“ Es sei allerdings schwer zu sagen, wie Trump viele andere Probleme lösen wolle, sagte Stephens weiter: wie er beispielsweise die angespannten Beziehungen mit der Türkei regeln, die Länder der Golfregion wegen der Rolle des Irans beschwichtigen werde, was er mit den andauernden Einsätzen Saudi-Arabiens im Jemen anfangen wolle usw.

    Experten verweisen auch darauf, dass Mattis vorerst mit dem alten Team im Pentagon arbeiten müsse. „Der neue Verteidigungsminister wurde zwar ernannt, seine Stellvertreter und Assistenten aber nicht“, betonte Sergej Rogow, wissenschaftlicher Leiter des russischen Instituts für USA- und Kanada-Studien. „Ich denke nicht, dass die Amerikaner ihre Ansichten zum IS seit Mattis‘ Amtseinführung kardinal geändert haben, aber es ist klar, dass Mattis Trumps Vorstellungen in die Tat umsetzen wird, von denen die oberste Priorität der Kampf gegen den IS ist.“

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    Tags:
    Pentagon, Terrormiliz Daesh, James Mattis, Donald Trump, Syrien, Rakka, USA, Russland