00:16 22 September 2018
SNA Radio
    Die „Reichsbürger“ in Georgensgmünd

    „Reichsbürger“ legen Waffenvorräte an und planen Anschläge

    © AFP 2018 / Nicolas Armer / dpa
    Zeitungen
    Zum Kurzlink
    Nesawissimaja Gaseta
    272928

    In sechs Bundesländern hat es Razzien gegen Mitglieder der rechtsextremen Bewegung der „Reichsbürger“ gegeben. Beschlagnahmt wurden Computer, Sprengsätze, Waffen und Munition. Zwei Menschen aus einer Gruppe, die der Vorbereitung von Terroranschlägen verdächtigt wird, wurden verhaftet, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Freitag.

    Auf die „Reichsbürger“ wurde man erst aufmerksam, als ein Mitglied der Bewegung im Oktober einen Polizisten in Georgensgmünd erschoss. Zuvor wurden sie von den Behörden eher als „Verrückte“ eingeschätzt, die keine Gefahr darstellen, obwohl die rechtsextreme, rassistische, antisemitische Ideologie der „Reichsbürger“ kein Geheimnis war.

    Das Leitbild der zu der Bewegung gehörenden Gruppen ist die Nichtanerkennung der Bundesrepublik Deutschland als Staat. Laut den „Reichsbürgern“ existiert das Deutsche Reich bis heute – in den Grenzen des Jahres 1937, also Nazideutschlands. Das Deutsche Reich ist ihnen zufolge von den Alliierten besetzt. Deshalb halten die „Reichsbürger“ die Beschlüsse der Behörden, Gerichte, Steuerorgane für illegitim.

    Die „Nebenerscheinung“ verwandelt sich allmählich in ein Problem. Die in dieser Woche festgenommenen „Reichsbürger“ bildeten vor einem Jahr eine rechtsextreme Gruppe namens „Keltische Druiden“, die vom festgenommenen Burkhard B. geleitet wurde. Die Gruppe wird der Vorbereitung von bewaffneten Angriffen auf Polizisten, Flüchtlinge und Juden verdächtigt. Im niedersächsischen Aerzen verletzte ein „Reichsbürger“ einen Polizisten bei bei einer Führerscheinkontrolle. In Mönchengladbach wurden bei einer Durchsuchung Waffen entdeckt. In Bayern wurden im Haus eines „Reichsbürgers“ acht Gewehre, drei Pistolen und viel Munition beschlagnahmt.

    Der Verfassungsschutz beobachtet Vertreter dieser Gruppierungen in Bayern, Brandenburg und im Saarland. „Die Zeit“ schrieb bereits im vergangenen Jahr, dass die „Reichsbürger“ kein harmloses Phänomen seien, dass sie mit Mord drohen und zu Gewalt greifen.

    Laut dem Präsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, werden derzeit rund 10.000 Personen der „Reichsbürger“-Szene zugerechnet. Bei 500 bis 600 Personen davon handele es sich um Rechtsextremisten. Maaßen spricht von erheblicher Gewaltbereitschaft und wachsender Aggressivität der „Reichsbürger“. „Die ‚Reichsbürgerbewegung‘ übt eine hohe Anziehungskraft aus und gewinnt weiterhin neue Anhänger“, sagte Maaßen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Österreich schiebt deutsche „Reichsbürgerin“ ab
    Deutschland: Immer mehr Verfahren gegen „Reichsbürger“ bei Polizei
    „Reichsbürger“ schlagen zu – Sind Beamte für Reichs-Idee besonders anfällig?
    „Reichsbürger“ in Georgensgmünd : Polizist erliegt Schussverletzungen
    Tags:
    Polizei, Reichsbürger, Deutschland