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    Sanktionen gegen Russland (2017) (146)
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    Russlands Lebensmittelhersteller sind nicht am europäischen Markt interessiert, solange die Sanktionen gegen Landwirtschaftsminister Alexander Tkatschow nicht aufgehoben werden, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Dienstag.

    In Berlin fand vom 20. bis 29. Januar die „Grüne Woche“ statt – mit 400.000 Besuchern und mehr als 1500 Herstellern aus 66 Ländern. Allerdings gab es keinen russischen Stand – genauso wie 2016, als Russland in Berlin zur Enttäuschung der Messebesucher zum ersten Mal seit 20 Jahren keine Landwirtschaftsprodukte ausstellte.

    „Eine schlechte Nachricht für alle Freunde von Kaviarhäppchen, russischem Wodka und Cranberrysaft aus dem sibirischen Tomsk. Russland wird auch in diesem Januar der Grünen Woche in Berlin fern bleiben“, schreibt „Der Tagesspiegel“. Alle Versuche des deutschen Agrarministeriums und der Messe Berlin, Russland in die Hallen am Funkturm zurückzuholen, sind gescheitert. „Wir haben uns sehr intensiv bemüht“, sagte Messesprecher Wolfgang Rogall dem Tagesspiegel.

    Getreideernte
    © RIA Novosti . Sergey Venyavsky
    2006 hatte Russland den Sonderstatus eines Partnerlandes, 2009 besuchte Präsident Wladimir Putin zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel die Messe. Heute wäre das undenkbar. Das politische Klima hat sich verschlechtert. Das sei auch der Grund für die Abstinenz auf der Messe, so „Der Tagesspiegel“.

    Die Gründe, warum Russland sich weigert, seine Produkte auf dem schwierigen, jedoch lukrativen europäischen Markt voranzubringen, sind nicht ganz klar. Es war doch Russland, das seinen Markt für europäische Landwirtschaftserzeugnisse als Gegenmaßnahme für die EU-Sanktionen abriegelte.

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    Früher hatte Russland einen der größten Pavillons bei der „Grünen Woche“, merkt die „Deutsche Welle“ an. Doch da der russische Landwirtschaftsminister Alexander Tkatschow mit einem EU-Einreiseverbot bestraft wurde, weigert sich die gesamte Branche, ihre Produkte zu präsentieren, obwohl Rekordernten und wachsende Gewinne gemeldet werden.

    Russland boykottiere seit 2014 Landwirtschaftsprodukte aus Europa als Antwort auf die antirussischen Sanktionen, die vom Westen wegen des „Krim-Konfliktes“ getroffen wurden, schreibt  “Deutsche Welle”. Tkatschow wurde 2014 in die Sanktionsliste aufgenommen, als er Gouverneur der Region Krasnodar war.

    Das deutsche Landwirtschaftsministerium ist so sehr an der Kooperation mit den russischen Kollegen interessiert, dass es sogar so weit ging, die Sanktionen zu umgehen. Auf Berlins Einladung verhandelte der deutsche Landwirtschaftsminister Christian Schmidt am 22. Januar am Rande des G20-Treffens mit Alexander Tkatschow. Diese Einladung musste mit allen G20-Ländern abgestimmt werden.

    Laut dem russischen Landwirtschaftsministerium ist die Nichtteilnahme Russlands an der „Grünen Woche“ mit dem fehlenden Interesse am Markt verbunden. „Diese Veranstaltung ist auf Importeure von Lebensmitteln nach Russland ausgerichtet“, sagte der stellvertretende Landwirtschaftsminister Sergej Lewin.

    Der Anteil der Landwirtschaftsprodukte am gesamten Exportumfang Russlands liegt zwar bei rund drei Prozent, der Gesamterlös wird aber als bedeutend bezeichnet. 2015 wurden Landwirtschaftserzeugnisse im Wert von 20 Milliarden US-Dollar ins Ausland verkauft, 2016 waren es 17 Milliarden US-Dollar.

    „Das Sanktionspaket der EU und der USA enthält keine Einschränkungen für russische Landwirtschaftserzeugnisse, auf der Liste stehen einzelne Unternehmen, die auf der Krim gemeldet sind, für die restlichen ist der EU-Markt offen“, sagte Tamara Kassjanowa von der Consultingfirma 2K. „Die wichtigste Einschränkung ist das EU-Einreiseverbot für Landwirtschaftsminister Tkatschow, was die Möglichkeiten für eine offizielle Vertretung der russischen Agrarprodukte auf europäischen Märkten deutlich einschränkt. Russische Exporteure müssen sich auf den europäischen Märkten ohne offizielle Vertretung durchschlagen“, so die Expertin.

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    Die geringen Aktivitäten der russischen Firmen auf internationalen Messen hängen nicht mit Sanktionen, sondern mit den hohen Hürden zusammen, die es in Industrieländern immer gegen den Import gab, sagt die russische Landwirtschaftsexpertin Margarita Popowa. So schützen sie die eigenen Hersteller. In Worten werde via WTO die Bewegungsfreiheit von Waren und Dienstleistungen erklärt, doch in der Tat hat jeder seine Instrumente, um Konkurrenten mit Vorteilen den Zutritt zum Markt zu verweigern. Bei uns seien das lange Zeit billige Arbeitskräfte und Energieträger gewesen, so Popowa.

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    Sanktionen, Grüne Woche, EU, Wolfgang Rogall, Alexander Tkatschow, Berlin, Deutschland, Russland