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    Dollar und Euro

    Der Dollar überfällt den Euro

    © AFP 2017/ Philippe Huguen
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    RBC Daily
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    Peter Navarro, Berater des US-Präsidenten Donald Trump, hat Deutschland vorgeworfen, ungerechte Handelsvorteile zu bekommen und den Handelsvertrag mit den USA wegen des künstlich schwachen Euro zu torpedieren. Das könnte ein neuer Schritt zu Währungskriegen unter Trump sein, schreibt die russische Zeitung „RBC daily“ am Mittwoch.

    Deutschland nutze den unterbewerteten Euro-Kurs für Handelsvorteile gegenüber seinen Partnern – den USA und anderen EU-Ländern, zitiert „Financial Times“ Präsidentenberater Navarro. Deutschland verhindere die Verabschiedung des seit 2013 in Verhandlungen stehenden amerikanisch-europäischen Freihandelsabkommens. Nach Navarros Äußerung stieg der Euro-Kurs gegenüber dem US-Dollar um fast ein Prozent – auf den höchsten Stand seit acht Wochen.

    „Es ist ungewöhnlich, von einem Regierungsbeamten Kommentare über die Währung eines anderen Landes zu hören“, sagte die Währungsstrategin von Rabobank, Jane Foley. „Doch das, was Navarro über den Euro sagt, stimmt.“ Die europäische Währung sei unterbewertet, aus diesem Grund sei Deutschland einer der größten Begünstigten der Eurozone.

    Navarros Äußerungen können als ein weiterer Schritt zum globalen Währungskrieg betrachtet werden, vor dem Experten angesichts der Aussagen Trumps bereits warnten. Trump sagte jüngst in einem Interview für das „Wall Street Journal“, dass die USA nicht konkurrenzfähig sein könnten, weil der Dollar zu stark sei und dies die US-Wirtschaft töte. Die verbalen Interventionen von Trump im Januar seien der Hauptfaktor für die Abschwächung des Dollars gewesen, berichtet HSBC.

    Navarros Verkündigungen stimmen mit der Meinung Trumps überein, der wenige Tage vor dem Amtsantritt in einem Interview im „Wall Street Journal” die EU als „Instrument Deutschlands“ bezeichnet hatte. Damals ließ Trump auch den Zerfall der EU zu, wenn ihre Mitgliedsstaaten nacheinander austreten.

    Trumps Äußerungen würden Kanzlerin Angela Merkel in Schwierigkeiten bringen, so Bloomberg. In diesem Jahr hat Deutschland G20-Vorsitz und setzt auf die Politik des freien und gegenseitig vorteilhaften Handels.

    Merkel wies am Dienstag Navarros Kritik zurück und sagte, dass Deutschland keine Einflusshebel auf die Europäische Zentralbank (EZB) habe, zu deren Kompetenzbereich die Währungskurse gehören. Berlin habe immer eine unabhängige EZB unterstützt und werde ihre Politik nicht beeinflussen. Zudem werde angestrebt, auf dem Weltmarkt mit konkurrenzfähigen Waren zu gerechten Bedingungen zu handeln, so Merkel.

    Das Wirtschaftsministerium wies die Vorwürfe der USA ebenfalls zurück. Die Bundesregierung habe wenig Instrumente zum Einfluss auf globale Kräfte, die den Eurokurs bestimmen, so Ministeriumssprecherin Tanja Alemany. Deutsche Politiker schützen den Plussaldo Deutschlands, der im vergangenen Jahr 8,7 Prozent des BIP ausmachte, was Kritikern zufolge die Wiederherstellung der Eurozone bremst. Deutschland dürfe der Plussaldo nicht vorgeworfen werden, sagte Finanzminister Wolfgang Schäuble am Rande des Forums in Davos.

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    Tags:
    Dollar, Euro, Europäische Zentralbank (EZB), Donald Trump, USA
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