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    Frankreichs Präsident Francois Hollande und der Gewinner der Vorwahlen der Sozialisten, Benoit Hamon, treffen sich heute im Elysee-Palast. Das Gespräch findet vor dem Hintergrund zweier Skandale statt, die rund um die Favoriten des Wahlrennens ausgebrochen waren. Das schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Donnerstag.

    Frankreichs Präsident Francois Hollande nach einer Sicherheitssitzung in Paris, 15. Juli 2016
    © REUTERS / Philippe Wojazer
    Nach der Veröffentlichung neuer Untersuchungsergebnisse in der französischen Satirezeitschrift „Canard enchaine“ wird Fillons Frau Penelope vorgeworfen, Gelder für einen fiktiven Posten kassiert zu haben – als Assistentin ihres Mannes im Parlament: 1988-1990, 1998-2007 und 2012-2013. Zudem soll sie seit 2012 mit dem Magazin „Revue des deux Mondes“ kooperiert haben, wo sie angeblich Zehntausende Euro neben ihren „Parlament“-Einnahmen erhielt. Nach Presseangaben waren auch Fillons Sohn und Tochter als seine Assistenten eingestellt und konnten in dieser Zeit insgesamt 84.000 Euro verdienen.

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    Die Enthüllungen, die am 25. Januar in „Canard enchaine“ erschienen, sorgten für einen großen politischen Skandal, obwohl die Tatsache, dass ein Familienmitglied des Abgeordneten als Assistent tätig ist, nicht dem französischen Gesetz widerspricht. Dennoch wollen die Ermittler nun prüfen, ob Frau Fillon tatsächlich als Assistentin gearbeitet hat oder sie diesen Posten nur fiktiv innehatte. Laut „Le Monde“ drohen Fillon im letzteren Fall bis zu zehn Jahre Haft bzw. eine Geldstrafe in Höhe von einer Million Euro.

    Fillon dementiert die Informationen über eine Verletzung des Gesetzes und behauptet, dass er Objekt einer Verleumdungskampagne geworden ist. „Diese große und professionelle Kampagne wurde mit dem einzigen Ziel organisiert – den Kandidaten mit allen Mitteln und nicht auf dem demokratischen Wege zu beseitigen“, so Fillon. Er sehe den Vorwürfen ruhig entgegen und warte auf das Ende der Untersuchung. Ihm zufolge arbeitete seine Frau lange für ihn, schrieb die Texte für seine Reden und organisierte Treffen mit den Wählern.

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    Wie der „Familienskandal“ den Ruf des republikanischen Kandidaten beeinflusst hat, zeigen bereits die jüngsten Umfrageergebnisse der Firma Elabe. Hätte die Wahl an diesem Wochenende stattgefunden, hätte es Fillon nicht in die Stichwahl geschafft, obwohl früher das Gegenteil prognostiziert worden war. Jetzt sind nur 19 bis 20 Prozent der Befragten bereit, für ihn zu stimmen.

    Der Skandal kann sich über mehrere Monate hinziehen. Laut der Politologin Tatjana Swerewa ist das alles mit dem Wahlkampf verbunden. Fillon sei nicht in Manipulationen der früheren französischen Führung verstrickt gewesen. Man habe wohl nur herausfinden können, dass er die Arbeit von Familienmitgliedern bezahlte, so die Expertin. Wie die Zeitungen in Frankreich schreiben, ist eine solche Entwicklung für einen Politiker aus dem rechten Lager vorteilhaft. Fillon habe versprochen, seine Kandidatur zurückzuziehen, falls das Gericht seine Schuld beweist. Es gebe keinen Mechanismus für die Aufstellung eines neuen Kandidaten. In solch einer kurzen Frist sei es problematisch, neue Vorwahlen abzuhalten, so die Expertin.

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    Laut Elabe-Umfrage ist die Chefin des Front National, Marine Le Pen, weiter auf dem Vormarsch. Für sie sprachen sich 26 bis 27 Prozent der Befragten aus. Aber auch sie steht im Zentrum eines Skandals. Im Dezember wurde von ihr gefordert, rund 300.000 Euro an das EU-Parlament zu zahlen, die sie Ermittlern zufolge für den Front National ausgab, obwohl dieses Geld für die Bezahlung des Assistenten im EU-Parlament bestimmt war. Le Pen bezeichnete diese Forderungen als politische Revanche und weigerte sich zu zahlen. Seit Februar wird diese Summe von ihrem Gehalt abgezogen.

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    Tags:
    Marine Le Pen, François Fillon, Benoit Hamon, François Hollande, Frankreich