21:54 24 Juni 2019
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    (Noch) Kein Kurswechsel unter Trump? USA drangsalieren Gazprom weiter

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    Nesawissimaja Gaseta
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    Die neue US-Administration setzt den Kurs ihrer Vorgänger fort, den russischen Gasriesen Gazprom vom europäischen Markt verdrängen zu wollen, wie die russische Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Montag schreibt.

    Auch mit Amtsantritt Donald Trumps hat sich der bisherige US-Kurs, Russland vom europäischen Gasmarkt vertreiben zu wollen, nicht verändert. Die USA seien weiter gegen Projekte wie Nord Stream 2, die angeblich die Abhängigkeit Europas von Russland erhöhen, so der US-Botschafter in Griechenland, Geoffrey Pyatt. Der neue US-Außenminister Rex Tillerson verspricht ebenfalls, Europa mit US-Energieträgern zu versorgen. Die USA hatten im vergangenen Jahr drei Tankschiffe mit Flüssiggas nach Europa und zwei in die Türkei geschickt. Experten zufolge kann Gazprom noch drei bis fünf Jahre ruhige Zeiten erleben, dann werde sich der weltweite Wettbewerb verschärfen.

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    Das Ziel der USA sei es, so Pyatt, ein stabiles und flexibles Energienetz in ganz Europa zu fördern. Washington unterstütze Projekte wie die Trans-Adria-Pipeline, über die Gas via Griechenland und Albanien nach Italien gepumpt werden soll. Zugleich seien die USA gegen Projekte, die die Abhängigkeit Europas von den russischen Lieferungen erhöhen – vor allem mit Nord Stream 2.

    Beim Thema Energiepolitik denkt Washington langfristig, ein Regierungswechsel ändert daran nichts. Wer glaubte, dass auf Trumps Amtsantritt eine Annäherung folgt, der irrt sich. Der Kurs auf die Verdrängung Gazproms vom europäischen Markt wird fortgesetzt und verschärft. Tillerson sagte bereits Ende des vergangenen Jahres, dass das Nord-Stream-2-Projekt, welches Gaslieferungen nach Deutschland unter Umgehung der Ukraine vorsieht, die Energieabhängigkeit Europas von Russland verstärken werde.

    „Es ist wichtig, die Entwicklung der Ereignisse zu verfolgen und zu merken, wenn das Gleichgewicht verletzt wird. Doch die beste Antwort, die die USA auf eine solche Bedrohung geben können, ist die Erschließung eigener Naturressourcen. Wir können verschiedene Varianten anbieten, damit die Europäer nicht von einer einzelnen bzw. dominierender Quelle abhängig bleiben“, so Tillerson.

    Zu den von Trump versprochenen Maßnahmen gehört auch eine „Energierevolution“ in den USA – die Abschwächung der Barrieren für eigene Produktion sowie Export von Kohlenwasserstoffen. Die USA planen nicht nur den Abbau des Imports, sondern auch einen Eintritt auf äußere Märkte als Lieferant.

    Gazprom verkündete im vergangenen Jahr Rekord-Exporte ins ferne Ausland. Seit einem Jahr stieg die Exportmenge demnach um 12,5 Prozent. „Das sind historische Zahlen, einen solchen Umfang hatte es seit Sowjetzeiten und im neuen Russland nicht gegeben“, sagte Gazprom-Chef Alexej Miller. Der Anteil Gazproms am europäischen Markt stieg auf ganze 34 Prozent.

    Der Umfang der US-Lieferungen ist deutlich niedriger. Nach vorläufigen Angaben des US-Energieministeriums erhielten Portugal, Spanien, Italien und die Türkei Flüssiggas, was weniger als 500 Millionen Kubikmeter Erdgas entspricht.

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    Laut Walerij Nesterow von der Sberbank CIB ist in Europa eine allmähliche Erosion des Einflusses Gazproms zu erkennen. Gazprom spüre die wachsende Konkurrenz nicht nur seitens traditioneller Lieferanten aus Nordafrika, Norwegen, sondern auch durch Flüssiggas – zunächst aus Katar, nun aus den USA, dessen Umfang in Europa 2018 und 2019 deutlich zunehmen soll. Laut dem Experten wird das US-Gas in den kommenden drei bis fünf Jahren keine große Bedrohung für Gazprom darstellen, aber langfristige Prognosen sind schwer vorherzusagen.

    Gazprom könne die Gaspreise derweil dank niedrigen Produktionskosten weiter senken. Bei Lieferungen auf 2000 bis 3000 Kilometer ist Pipelinegas konkurrenzfähiger als Flüssiggas. Das Problem bestehe jedoch darin, dass die Europäer angesichts ihrer Energiepolitik die Vielfalt der Lieferanten auch in dem Falle anstreben, falls die konkurrierenden Lieferungen teurer sein werden, so der Experte.

    Experten zufolge kann sich die US-Politik auch nicht sofort nach Trumps Amtsantritt ändern. Laut Artjom Dajew von Amarkets  gibt es im US-Establishment viele Befürworter einer Fortsetzung des harten Kurses gegenüber Moskau, der neue Präsident wird ihre Meinung berücksichtigen müssen. Jede US-Administration werde sich an den Kurs auf Diversifizierung der Gaslieferungen nach Europa halten. Die EU sei ein großer und gewinnbringender Markt und darum immer umkämpft, so der Experte.

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    Tags:
    Nord Stream 2, Gazprom, Alexej Miller, Rex Tillerson, Geoffrey Pyatt, USA, Russland