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    Wahlkampf in Frankreich: Die wundersame Karriere des Polit-Jungstars Emmanuel Macron

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    Der Präsidentschaftswahlkampf in Frankreich geht in die heiße Phase und schlägt hohe Wellen, wie die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" am Montag schreibt.

    Von den jüngsten Enthüllungen gegen die Kandidaten verschiedener Parteien hat der 39-jährige Emmanuel Macron sehr profitiert. Der ehemalige Wirtschaftsminister hat allein in der vorigen Woche laut Umfragen so viele Punkte gesammelt, dass er auf einmal als Favorit im Präsidentschaftswahlkampf gilt.

    „Ich bin weder EU-Fan noch EU-Skeptiker“, sagte er jüngst über sich selbst. Auch Begriffe wie „Liberaler“, „Sozialdemokrat“, „Populist“ oder „Zentrist“ lässt er nicht zu. Dafür steht er an der Spitze der neuen Bewegung „En Marche!“ („Vorwärts!“) und plädiert für Reformen, die einen Kampf zwischen den Linken und Rechten sowie soziale Konflikte ausschließen würden. „Wir brauchen junge Franzosen, die Milliardäre werden wollen“, kommentierte Macron sein Ziel.

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    Emmanuel Macron stammt aus einer Ärztefamilie und studierte an der Nationalen Hochschule für Verwaltung in Straßburg. Er mag es, mit George Pompidou verglichen zu werden, der einst Mitarbeiter der Rothschild-Bank war. Auch Macron arbeitete für dieses Geldhaus und wurde binnen weniger Monate Millionär. Dank dem Deal zur Übernahme des US-Pharmaziekonzerns Pfizer durch Nestlé verdiente er nicht nur zwei Millionen Euro, sondern knüpfte auch wichtige Kontakte in Amerika.

    In Macrons Lebenslauf gibt es allerdings reichlich geheimnisvolle bzw. fragwürdige Stellen. So ist völlig unklar, wie der damalige Ministerpräsident Manuel Valls ihm den Posten des Wirtschaftsministers anvertrauen konnte, obwohl er keinerlei Erfahrungen auf einem gewählten Posten (beispielsweise als Abgeordneter) hatte. Oder warum Präsident Francois Hollande, der immer sehr aufmerksam auf seine Umgebung aus der Sozialistischen Partei achtet, „übersehen“ konnte, dass Macron im Laufe vieler Jahre nur rein formell Parteimitglied war und nicht einmal die Mitgliedsbeiträge zahlte.

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    Später nannte Hollande Macron „einen Verräter“ und zieht es inzwischen vor, seinen früheren Minister in der Öffentlichkeit gar nicht zu erwähnen. Genauso negativ ist ihm gegenüber der ehemalige Premier Valls eingestellt, und auch Alain Juppé bezeichnete Macron als „einen politischen Titelbetrüger“. Im Grunde ist Juppés Auffassung nachvollziehbar. Denn zu Beginn des Präsidentschaftswahlkampfes hatte ausgerechnet er auf beiden Seiten des Atlantiks als haushoher Favorit gegolten. Juppé war beispielsweise der einzige französische Politiker, der 2016 zur traditionellen Bilderberg-Konferenz nach Deutschland eingeladen wurde, die als „globale Schattenregierung“ gilt, in der Washington das Sagen hat. Eine Quelle, die nicht genannt werden wollte, verriet, dass US-amerikanische Finanzkreise beträchtliche Mittel in Juppés Wahlkampagne gesteckt hätten, und diese nach seiner überraschenden Niederlage bei der „Républicains“- Vorwahl dringend einen neuen Favoriten suchen mussten. Dann erwiesen sich Macrons Kontakte in Übersee plötzlich als sehr nützlich.

    Dabei behaupten viele „böse Zungen“, dass sein einziges Buch, das er vielbedeutend „Révolution“ nannte und als sein „Programm“ bezeichnete, von der French-American Foundation finanziert wurde. Über Macron wird in Paris auch generell viel geredet. Eines der Themen ist seine Ehe mit seiner ehemaligen Schullehrerin, die 24 Jahre älter ist als er. Zudem wird behauptet, Macron würde Geld nicht nur von den USA, sondern auch von Katar und Saudi-Arabien bekommen.

    Als bekannt wurde, dass sein Wahlbudget fast doppelt so groß wie das der anderen Kandidaten ist, und als der Sozialist Benoit Hamon von Macron verlangte, seine Finanzquellen zu nennen, nannte er diese Forderung „demagogisch“ und weigerte sich, das zu tun.

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    Tags:
    Präsidentschaftskandidat, Kampf, Reformen, Emmanuel Macron, Europäische Union, Frankreich