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11:32 21 September 2019
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    Le Pen setzt auf amerikanische Erfahrung als Wahlkampf-Waffe

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    Die Vorsitzende des französischen „Front National“ (FN), Marine Le Pen, verspricht, sich im Falle ihres Siegs bei der bevorstehenden Präsidentschaftswahl in Frankreich in erster Linie mit der Innenpolitik zu befassen, wie die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" am Dienstag schreibt.

    Bei einem Treffen mit ihren Anhängern in Lyon forderte Le Pen die französischen Wähler auf, sich an den Amerikanern zu orientieren, und warf abermals das Thema des islamischen Fundamentalismus auf.

    Wenige Monate vor der Abstimmung sind Le Pens Erfolgschancen wesentlich gestiegen. Der Grund dafür ist der jüngste Skandal um den Favoriten des Wahlrennens und „Republicains“-Kandidaten Francois Fillon, dessen Frau vor mehreren Jahren als Abgeordnetenassistentin fiktiv angestellt worden war. Laut einer Ifop-Studie finden 68 Prozent der Franzosen, dass der konservative Politiker auf seine Kandidatur verzichten sollte. Dabei glauben nur 23 Prozent der Befragten, Fillon wäre „sauber“.

    Während ihres Auftritts in Lyon lobte Le Pen die Briten für ihren Brexit- Beschluss und forderte ihre Landsleute auf, dem Beispiel der amerikanischen Wähler zu folgen, die für Donald Trump gestimmt und damit „ihre eigenen nationalen Interessen in den Vordergrund gestellt haben“.

    Auch zum Thema Terrorismus äußerte sich die FN-Chefin, zumal erst vor einigen Tagen vor dem Louvre in Paris ein bewaffneter Ägypter einen Polizisten angegriffen hatte. „Wir werden nicht warten, bis das französische Volk sich an den Terrorismus gewöhnt“, sagte Le Pen und versprach, im Falle ihres Wahlsiegs beträchtliche Mittel für die Bekämpfung der Kriminalität bereitzustellen.

    Am vergangenen Wochenende war das Wahlprogramm Le Pens, bestehend aus 144 Punkten, veröffentlicht worden. Unter anderem verspricht sie, „vier Souveränitäten“ wiederherzustellen: die finanzielle, die legislative, die territoriale und die wirtschaftliche. Einer der Punkte sieht den Kampf gegen den Terrorismus und die illegale Einwanderung vor. Zudem soll in Frankreich im Falle des Wahlsiegs Le Pens ein Referendum über den Austritt aus der Eurozone und der EU stattfinden.

    Experten vermuten, dass sich Le Pen um die Wähler bemüht, die jüngst Fillon den Rücken gekehrt haben. „Der Skandal um den Republikaner ist der erste, aber nicht der einzige Faktor“, sagte der Direktor des französisch-russischen Analysenzentrums Observo, Arnaud Dubien. „Die Situation verändert sich sehr schnell. So hat der Sozialist Benoit Hamon innerhalb von nur einer Woche zehn Prozent der potentiellen Stimmen gewonnen und Emmanuel Macron nahezu überholt. Die Dynamik im linken Lager ist absolut unvorhersehbar. Stabil sind nur die Popularitätswerte Le Pens von etwa 25 Prozent. Dabei behaupten 80 Prozent der Wähler, sich endgültig entschieden zu haben“, so der Experte. „Aus dieser Sicht sind die Popularitätswerte Macrons besonders fragil. Fillon darf laut jüngsten Umfragen mit 18 bis 20 Prozent der Stimmen rechnen und wird damit auf dem dritten Platz landen. Der Unterschied zwischen ihm und Macron beträgt zwei bis drei Prozent.“

    Unter den „Republicains“-Wählern gibt es Kontroversen wegen Fillon. „Einige von ihnen suchen nach alternativen Varianten wie Alain Juppé oder sonst jemand“, so Dubien weiter. „Aber gute Lösungen gibt es nicht mehr. Es wird wohl noch neue Überraschungen geben. Man kann nicht genau sagen, wer Präsident wird. Die Stichwahl könnten durchaus Le Pen und Hamon erreichen. Und dann würde ich sehr vorsichtig mit der These umgehen, Le Pen könnte nicht Präsidentin werden.“ Alles hängt nach seinen Worten davon ab, wer die Stichwahl erreicht. „Ich dachte selbst bis zuletzt, sie hätte 2017 keine Chance, und es würden sich immer 50 Prozent und eine Stimme mehr gegen sie finden. Da aber ein Teil der Fillon-Wähler für Le Pen stimmen könnte, ist alles kaum vorhersagbar“, so der Politologe.

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    Tags:
    Terror, Brexit, Wahlen, Marine Le Pen, Europäische Union, USA, Frankreich