16:47 16 Juli 2018
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    Die ukrainisch-russische Grenze

    Ostukraine: Kiew plant Vorstoß an Russlands Grenze, um Donbass zu isolieren – Zeitung

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    Nesawissimaja Gaseta
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    Die ukrainische Armee will eine Großoffensive starten, um bis an die russische Grenze vorzustoßen, schreibt am Mittwoch die „Nesawissimaja Gaseta“.

    Kiew bereitet sich auf aktive Kampfhandlungen in der Ostukraine vor. Zu diesem Schluss kommen Militärexperten, Diplomaten und offizielle Vertreter der selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Lugansk anhand zahlreicher Hinweise auf massive Verlegungen von ukrainischen Truppen, Technik und Munition an die Entflechtungslinie, so die Zeitung. Derweil berichten laut dem Blatt die OSZE-Sonderbeobachter in der Ukraine über Verletzungen der Waffenruhe und den Einsatz von Geschütz- und Raketenartillerie durch die Konfliktparteien.

    Die vereinzelten Feuerduelle an der Verteidigungslinie der beiden selbsternannten Volksrepubliken seien möglicherweise nur das Vorgeplänkel eines großen Krieges, sagen Militärexperten und die Oberbefehlshaber der Donezker Volksrepublik. Dieser große Krieg könne in allernächster Zeit im Donbass beginnen.

    Bislang komme es nur stellenweise zu Artilleriebeschuss. Doch seien weitaus mehr Raketenwerfer und Geschütze an der vordersten Linie stationiert, als derzeit eingesetzt würden. Aus dem Hinterland seien mindestens neun Geschütz- und sechs Raketenartilleriedivisionen an die Kontaktlinie mit den Truppen der Volksrepublik Donezk verlegt worden, berichten Experten und Diplomaten.

    Über den Daumen gepeilt – eine ukrainische Division zähle 24 Geschütze – seien das mehr als 200 Haubitzen mit einem Kaliber von über 122 Millimeter und 36 weitere Raketenwerfer vom Typ Grad und Uragan, schreibt die Zeitung. Zu ihrer Versorgung habe Kiew vom 10 bis 23. Januar 16 Güterzüge in die Ostukraine entsandt – mit je 30 bis 40 Waggons. Ein Waggon fasse 800 Geschütze für die 122-mm-Haubitzen und Flugkörper für Raketenwerfer.

    Demnach sei also anzunehmen, dass die ukrainischen Streitkräfte allein in den letzten Januarwochen mindestens 400.000 Stück Artilleriemunition im Donbass konzentriert haben. Dieses Arsenal reiche aus, um „eine umfassende Offensive auf einem 15 bis 25 Kilometer langen Abschnitt zu führen – bei einer Eindringtiefe, die es unter bestimmten Umständen erlauben würde, bis an die russische Grenze vorzustoßen“, zitiert die Zeitung Juri Netkatschew, einen General der ehemaligen Sowjetarmee und Experten für regionale Konflikte.

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    Dabei werde die Offensive nicht gegen Donezk oder andere Städte gerichtet. Vielmehr würden die ukrainischen Streitkräfte die weniger dicht besiedelte Gegend südlich von Donezk angreifen, um die selbsternannte Volksrepublik von Nowoasowsk abzuschneiden, den Militärflugplatz in der Gegend um Tores einzunehmen und weiter in Richtung der russischen Grenze vorzudringen, erklärt Netkatschew.

    Diese Annahme werde dadurch bestätigt, dass die ukrainische Armee ihre Verbände vor allem nördlich der Hafenstadt Mariupol zusammenziehe. Das ukrainische Oberkommando habe bereits das Donbass-Bataillon und drei Bataillone des Asow-Regiments dorthin verlegt. Zudem habe Kiew vier Brigaden einschließlich einer Fallschirmjäger-Einheit im Donbass verstärkt. Weitere Reserven konzentrierten sich vom Norden her an der zweiten Verteidigungslinie der ukrainischen Truppen.

    Der offizielle Sprecher der Lugansker Volksmiliz, Andrej Marotschko, erklärte gestern laut Zeitung, dass die 92. Infanteriebrigade aus dem Gebiert Charkow an die Grenze zur Volksrepublik Lugansk verlegt worden sei. Zudem würden nachts „unzählige Kolonnen mit Haubitzen, Kampfpanzern, Schützenpanzern und Transportfahrzeugen“ die ukrainischen Truppen verstärken, sagte der Sprecher.

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    Gestern sei berichtet worden, schreibt die Zeitung, dass 28 Pontons in das Gebiet Lugansk verlegt worden seien. Die ukrainischen Pioniertruppen bereiteten sich darauf vor, daraus eine Schwimmbrücke über den Siwerskyj Donez zu errichten. Dies alles geschehe, „um einen massiven und blutigen Krieg im Osten Europas zu entfachen“, ist Eduard Bassurin, Vize-Kommandeur im Operativstab der selbsternannten Volksrepublik Donezk, überzeugt. Dieser Analyse stimmen weitere Militärexperten und Diplomaten zu, so die Zeitung.

    Nur eine Frage bleibt bislang offen: Wo genau werden die ukrainischen Streitkräfte ihre Offensive starten? Der Angriff werde aus zwei Richtungen kommen: Von Mariupol und von Charkow her, sagt General Netkatschew. Ziel der Offensive sei der Vorstoß an die russische Grenze und die Einnahme unbesetzter Kontrollposten.

    Der Truppenbasis am Siwerskyj Donez komme dabei eine strategische Bedeutung zu: „Dieses Lager befindet sich in direkter Nähe zur russischen Grenze. Das ukrainische Oberkommando wird also wieder – wie im Sommer 2014 – eine Offensive entlang der Grenze vornehmen, um den Donbass von Russland zu isolieren“, erklärt er. Und das werde sehr bald geschehen. Denn derzeit herrsche in der Region starker Frost, weshalb die Auen am Siwerskyj Donez besser passierbar seien. „Jetzt, wo die Erde gefroren ist, ist der richtige Zeitpunkt zum Angriff“, betont Netkatschew.

    Das erkläre auch, warum am Dienstag auf Befehl des russischen Oberbefehlshabers Wladimir Putin ein unangemeldeter Übungsalarm bei den russischen Luft- und Weltraumstreitkräften ausgelöst worden sei. Die russische Führung beabsichtige offenbar, dem aggressiven Vorgehen der Kiewer Machthaber zuvorzukommen. Denn dieses könnte die Sicherheit Russlands gefährden, resümiert der russische General.

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    OSZE, Ukraine, Donbass, Russland
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