03:32 20 November 2019
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    Kampf gegen das Terrornetzwerk Daesh (Archiv)

    Washington will sich Moskaus Initiative im Kampf gegen den IS abschauen

    © AFP 2019 / DELIL SOULEIMAN
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    Die Befreiung von Rakka, das als Hauptstadt des sogenannten „Islamischen Staates“ (IS, auch Daesh) im Irak gilt, dauert länger als zunächst angenommen. Die Plan-Änderungen des Pentagons zur IS-Bekämpfung sind wohl auf den Machtwechsel in Washington zurückzuführen, wie die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Freitag schreibt.

    Der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums John Dorian erklärte jüngst, dass Rakka innerhalb von wenigen Wochen erobert werden könnte. Der Befehlshaber der von den USA angeführten internationalen Koalition, Stephen Townsend, findet seinerseits, dass die Befreiung Rakkas und Mossuls vom IS bestenfalls in einem halben Jahr gelingen könnte. Zuvor hatte der General behauptet, der Einsatz zur Befreiung Mossuls könnte schon im Februar beendet werden. 

    Die vollständige Befreiung Syriens und des Iraks von den Terroristen werde „zwei Jahre angespannte Arbeit“ in Anspruch nehmen, vermutete Townsend hingegen. 

    Dass das Pentagon seine Pläne zur IS-Bekämpfung korrigiert hat, lässt sich wohl auf den Machtwechsel in Washington zurückführen. Zwar hat Präsident Donald Trump noch keinen Generalplan zum Vorgehen im Nahen Osten vorgestellt, aber das Pentagon hat bereits den Auftrag erhalten, diesen binnen eines Monats zu präzisieren. 

    Es ist allerdings bereits bekannt, dass dieser Plan kein intensives Zusammenwirken mit Russland bei der IS-Bekämpfung vorsieht. Washingtons wichtigste Verbündete bleiben die Türkei und das kurdische Volksheer. 

    Laut arabischen Medienberichten beteiligen sich die von den USA unterstützten „Demokratischen Kräfte Syriens“ (SDF), denen auch das kurdische Volksheer (YPG) angehört, am Einsatz „Zorn des Euphrat“ bei Rakka. Zwar haben sie bislang keine großen Erfolge vorzuweisen, aber General Townsend musste feststellen, dass die IS-Kämpfer sehr gut ausgerüstet seien und „beispiellos grausam“ vorgehen. Vieles könnte sich allerdings bald ändern, denn die Präsidenten der USA und der Türkei, Donald Trump und Recep Tayyip Erdogan, vereinbarten bei ihrem jüngsten Telefonat eine Intensivierung der gemeinsamen IS-Bekämpfung. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu bestätigte vor Kurzem, dass Ankaras neues Ziel nach al-Bab Rakka sein werde. Es ist vorerst unbekannt, wie Trump auf Erdogans Aufruf reagiert hat, das kurdische Volksheer nicht mehr zu unterstützen, aber dieser Faktor wird den türkischen Staatschef wohl nicht mehr so stark stören. 

    Es ist bekannt, dass die SDF- und YPG-Kräfte unter Mitwirkung der USA am linken Euphrat-Ufer vorgehen. Die Türken werden wohl östlich vom Fluss handeln. Zu einem Hindernis könnte jedoch werden, dass die Behörden in Damaskus die Anwesenheit der türkischen Kräfte in Syrien ablehnen. Als Ankara das Zusammenwirken mit Moskau zwecks Aussöhnung der syrischen gemäßigten Opposition begann, drückte Präsident Baschar al-Assad ein Auge zu, dass die Türkei unter dem Vorwand der IS-Bekämpfung den Norden Syriens teilweise okkupiert hatte. Aber diese Kontroversen bleiben nach wie vor akut. 

    Bisher konnten aber direkte Konfrontationen zwischen den syrischen Regierungstruppen und den türkischen Kräften vermieden werden. Die russische Luftwaffe wirkte sogar mit den Türken bei al-Bab zusammen. 

    Russland lässt sich Ankaras Pläne zur Offensive bei Rakka nicht gefallen. Nicht umsonst räumte der Direktor der vierten Europa-Abteilung des Außenministeriums, Alexander Bozan-Chartschenko, vor einigen Tagen ein, dass „Moskau und Ankara weiterhin Kontroversen bezüglich Syrien haben“. Er warnte abermals, dass die Türkei ihre Handlungen in Syrien mit der „legitimen Regierung“ dieses Landes absprechen müsste. Angesichts dessen ist wohl nicht auszuschließen, dass die türkische Armee bei Rakka nicht nur gegen den IS, sondern auch gegen die syrische Regierungsarmee und das kurdische Volksheer kämpfen wird. 

    Mehr zum Thema: Pentagon erwägt „russisches Rezept“

    Um das zu verhindern, müssen vor allem multilaterale Verhandlungen unter Beteiligung der syrischen Führung und anderer interessierten Akteure möglichst schnell organisiert werden, die dem Status der ausländischen Truppen in Syrien gewidmet wären. Darüber hinaus sollten die USA und ihre Verbündeten ihre weiteren Pläne zur Terrorbekämpfung im Nahen Osten mit Russland, dem Iran und Damaskus absprechen, die aktuell die größte Last des Kampfes gegen den IS tragen.

    Angesichts dessen könnte die Rakka-Befreiung wesentlich mehr Zeit in Anspruch nehmen, als die Amerikaner hoffen. In dieser Hinsicht scheinen sie Probleme auch in Mossul zu haben. Der von ihnen angeführten Koalition wird es vermutlich bei der Befreiung des westlichen Teils der Stadt schwer fallen, denn daran werden sich nicht die kurdischen Peschmerga-Kämpfer beteiligen, die eine wichtige Rolle bei der Befreiung des Territoriums östlich von dieser Stadt spielten. Dabei führte ein Peschmerga-Kommandeur an, dass seine Kräfte 40.000 Mann stark gewesen seien. Ob die USA einen Ersatz für sie finden können oder mit den Peschmerga über deren weitere Beteiligung am Mossul-Einsatz verhandeln werden? Mit dieser Frage befasst sich derzeit offenbar die US-Führung. 

    Aber es ist kein Geheimnis, dass Russland politisch die Führung des Irakischen Kurdistans und die Peschmerga unterstützt. Und das bedeutet, dass Moskaus Einfluss sich nicht nur in Syrien, sondern auch im Irak erweitert. 

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    Tags:
    Donald Trump, John Dorian, Türkei, Rakka, Russland, USA