06:02 18 November 2019
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    Türkischer Soldat im syrischen Kobani

    Türkei in der Offensive – wie sich die Militäroperation in Syrien entwickeln wird

    © AP Photo / Mursel Coban/Depo
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    Die türkische Armee und die syrischen Oppositionskräfte stehen kurz davor, die Stadt Al-Bab, die letzte IS-Bastion im Norden Syriens, zu erobern, schreibt die Zeitung „RBC Daily“ am Dienstag.

    Am Montag kündigte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan an, dass der Einsatz zur Befreiung der Stadt seinem Ende nahe sei. Eine syrische Menschenrechtsorganisation, die in Großbritannien sitzt, behauptet jedoch, dass immer noch Gefechte geführt werden.

    Der türkische Einsatz „Euphrat-Schild“ hatte im August 2016 begonnen, als sein wichtigstes Ziel gilt dem türkischen Außenminister Mevlut Cavusoglu zufolge die Sicherung der türkischen Grenze und die Befreiung des Grenzgebiets im Norden Syriens von IS-Terroristen und kurdischen Kämpfern. Der syrische Präsident Baschar al-Assad stimmte dem türkischen Einsatz auf dem Territorium des Landes jedoch nicht zu.

    Mit seinem Vorgehen dämmt die Türkei das kurdische Volksheer YPG ein und verhindert die Vereinigung der türkischen und syrischen Kurden-Enklave. YPG ist laut Ankara Teil der in der Türkei verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK.

    Die Situation vor den Toren Al-Babs wird durch die Anwesenheit von syrischen Soldaten zusätzlich erschwert, die unter Mitwirkung der russischen Luftwaffe gegen den IS südlich der Stadt vorgehen. Um bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen den protürkischen Formationen und der syrischen Armee zu verhindern, wurde mit Ankara eine „Trennlinie“ vereinbart, die an der Autobahn südlich von Al-Bab und nördlich von Tadif liegt.

    Um Konflikte zwischen russischen und türkischen Soldaten zu verhindern, unterzeichneten die Verteidigungsministerien beider Länder am 12. Januar eine entsprechende Vereinbarung. Seit dem 18. Januar versetzen ihre Luftstreitkräfte gemeinsame Schläge gegen die IS-Stellungen nahe Al-Babs. Allerdings wurden am 9. Februar drei türkische Soldaten bei einem russischen Luftschlag getötet und mehr als zehn weitere verletzt. Die russische Seite behauptete jedoch, die Koordinaten von den Türken erhalten zu haben.

    Am 13. Februar erklärte Erdogan, dass der Einsatz „Euphrat-Schild“ nach Al-Babs Eroberung fortgesetzt werde. Letztes Ziel ist nach seinen Worten die Befreiung Rakkas vom IS und der Stadt Manbidsch im Nordosten der Provinz Aleppo von YPG. Nach der Vernichtung des IS werden die türkischen Truppen jedoch abgezogen, versicherte Erdogan.

    Zugleich sprach er sich für die Einrichtung von „Sicherheitsräumen“ in den befreiten Gebieten aus. Das würde Ankara zufolge zur Lösung des Flüchtlingsproblems beitragen, das Spannungen zwischen der Türkei und der EU auslöste. Der frühere US-Präsident Barack Obama trat lange gegen solche Sicherheitsräume auf, aber sein Nachfolger Donald Trump begrüßt diese Idee.

    Bei einem Telefonat am 8. Februar vereinbarten Erdogan und Trump gemeinsame Schritte zur IS-Bekämpfung in Rakka und Al-Bab.

    Der türkische Präsident Tayyip Erdogan und Russlands Präsident Wladimir Putin (Archivbild)
    © AP Photo / Alexander Zemlianichenko
    Falls die Türkei ihre Offensive in Richtung Rakka fortsetzt, würde sie mit den syrischen Regierungstruppen konfrontiert werden, sagte der russische Orientalist Leonid Issajew. Falls Ankara aber weiter nach Manbidsch gehe, müsste es sich dort mit dem kurdischen Volksheer auseinandersetzen. „Erdogans Krieg gegen die Assad-Armee würde die Russen und der Krieg gegen die Kurden die Amerikaner in eine schwierige Lage bringen“, warnte Issajew.

    Da eine weitere Eskalation für viele Teilnehmer des Konflikts ungünstig wäre, sei nicht auszuschließen, dass die Operation „Euphrat-Schild“ überhaupt eingestellt wird. Und wenn sich Erdogan doch für die Fortsetzung der Offensive entscheide, dann wohl nach Manbidsch, denn der Kampf gegen die Kurden hätte für Ankara die größere Priorität, ergänzte der Experte.

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