14:20 25 Juni 2017
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    Trump bringt Weltwirtschaft in Bredouille

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    Nesawissimaja Gaseta
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    Die Folgen der Wirtschaftsreformen von US-Präsident Donald Trump sind selbst führenden Wirtschaftsexperten unklar, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Mittwoch.

    Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, spricht vom Wachstum der US-Wirtschaft dank den Maßnahmen Trumps. Investmentbanker von Goldman Sachs erwarten hingegen die Verlangsamung der Welt- und US-Wirtschaft.

    Trumps Wahlprogramm klang ziemlich ambitioniert. Er hatte versprochen, 25 Millionen Arbeitsplätze in zehn Jahren zu schaffen und ein stabiles Wirtschaftswachstum von vier Prozent pro Jahr zu sichern.

    Die Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze und ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum sollten mithilfe der Senkung und Vereinfachung der Steuern samt Handelsreformen sowie die Lockerung der Regelung und Aufhebung der Einschränkungen für die US-Energiewirtschaft erreicht werden. Zudem schlug der neue US-Präsident vor, die Verlagerung von US-Produktionsstätten ins Ausland zu bekämpfen, darunter durch die Einführung von Exportzöllen für China und Mexiko. Darüber hinaus will Trump eine Billion Dollar für große Infrastrukturprojekte ausgeben.

    Allerdings meinen viele Experten, dass die angekündigten Maßnahmen für die US-Wirtschaft kaum nützlich sein werden. Analysten von Goldman Sachs zufolge können sie das Wirtschaftswachstum der USA nicht beschleunigen. Trumps Protektionspolitik kann erst Ende 2017 bzw. Anfang 2018 gebilligt werden. „Dabei hat sie mehr ungünstige Aspekte für die Wirtschaft. Das Wachstum der Staatsausgaben und der Bruch der existierenden Handelsbeziehungen mit traditionellen Partnern wird die US-Währung erschüttern“, so Analysten der Bank.

    „Unsere Berechnungen zeigen, dass Trumps Politik das Wachstum 2017 und 2018 unbedeutend stimulieren kann, doch sie wird wohl eher das weitere Wachstum unter Druck setzen, falls Einschränkungen für Handel und Migration beschlossen werden“, so Analysten.

    Im Unterschied zu den Investment-Bankern ist IWF-Chefin Lagarde optimistischer gestimmt. „Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden Steuerreformen durchgeführt, es werden zusätzliche Investitionen in die Infrastruktur getätigt, was im Ergebnis zum Wachstum der US-Wirtschaft führen wird“, sagte Lagarde bei einem Treffen in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

    Zugleich warnte Lagarde, dass die Fortschritte der US-Wirtschaft den Wirtschaften anderer Länder wegen des Erstarkens der US-Währung und zu erwartenden Maßnahmen der US-Notenbank schaden könnten. Die Erfolge der USA wären ein positiver Faktor, doch sie würden die restliche Welt beeinflussen. Die Verschärfung der Geldpolitik durch die US-Notenbank würde Schwierigkeiten für die globale Wirtschaft zur Folge haben.

    Laut dem russischen Experten Igor Nikolajew sollte man das Wachstum der US-Staatsschulden aufmerksam verfolgen. Viele der von Trump angekündigten Ziele könnten zum Anstieg der Haushaltsausgaben und folgend zur Erhöhung der Staatsschulden führen. Dieses Problem könnte sich bei der Umsetzung der Maßnahmen zuspitzen, die von Trump vorgeschlagen wurden, so der Experte.

    Zölle ohne konkrete Gründe zu erhöhen, heiße, die globale Wirtschaftsordnung zu untergraben, meint der Wirtschaftsexperte Alexej Portjanski. Zudem können die USA als WTO-Mitglied die Zölle nur nach Richtlinien dieser Organisation erhöhen, also aus Gründen wie Antidumping-Mßnahmen, Kompensations- bzw. Schutzmaßnahmen. Eine unbegründete Erhöhung der Zölle werde die Aussichten der WTO negativ beeinflussen. Darüber hinaus werde sich dies auf die Weltwirtschaft auswirken, ihre Verlangsamung könne rund 0,8 Prozent ausmachen, und das sei sehr viel, so der Experte.

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    Tags:
    WTO, IWF, Goldman Sachs, Igor Nikolajew, Christine Lagarde, Donald Trump, USA
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