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    Michael Flynn

    Warum Flynn alles riskierte – und wie er zwei Supermächte vor Kollision rettete

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    Nesawissimaja Gaseta
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    Donald Trumps Präsidentschaft geht schon damit in die Geschichte ein, dass noch nie ein Sicherheitsberater nach nur 24 Tagen seinen Posten verlassen musste. Um Bedeutung und Folgen des Rücktritts zu begreifen, muss man aber den Umfang dieses Postens in Washington verstehen, wie die russische Zeitung „Nesawissimaja Gaseta" am Mittwoch schreibt.

    Das Amt des Sicherheitsberaters im US-Präsidialamt gibt es seit 1953. Er wird vom Staatschef höchstpersönlich ernannt und bestimmt die generelle Ausrichtung der amerikanischen Außenpolitik. Den Posten bekleideten immer herausragende Diplomaten wie Henry Kissinger, Zbigniew Brzezinski, Brent Scowcroft oder Condoleezza Rice.

    Zum formalen Vorwand für die Ermittlungen gegen Flynn wurde dessen Gespräch mit dem russischen Botschafter Sergej Kisljak an dem Tag, als der damalige Noch-Präsident Barack Obama neue Sanktionen gegen Russland verhängte. Das Gespräch wurde vom FBI abgehört.

    Nancy Soderberg, die ehemalige Sicherheitsberaterin in der Administration Bill Clintons, erklärte gegenüber BBC, was in Wahrheit Flynns Karriere im Weißen Haus ruiniert haben könnte: Das Problem sei nicht das Gespräch mit den Russen gewesen. „So etwas passiert ziemlich oft“, sagte sie, sondern eher Flynns Aussage, Moskau sollte sich keine Sorgen über die neuen Sanktionen machen, denn die neue US-Administration würde diese Situation irgendwie in den Griff bekommen. Dadurch habe Flynn den Positionen des Noch-Präsidenten Obama geschadet. Darüber hinaus erzählte Flynn dem Vizepräsidenten Michael Pence und möglicherweise auch anderen Beamten im Weißen Haus sowie dem FBI, er hätte nicht mit dem russischen Botschafter telefoniert.

    Darum stellte sich die Frage: Wie konnte denn der US-Generalleutnant a.D., Ex-Direktor der Aufklärungsverwaltung im Verteidigungsministerium (2012 bis 2014), Ex-Befehlshaber des Vereinigten Kommandos für Aufklärung, Beobachtung und Erkundung, Ex-Mitglied des Militäraufklärungsrats den Botschafter eines anderen Landes – gerade Russland! – angerufen und ihm von Gegenschritten abgeraten haben, ohne zu verstehen, dass das Telefonat abgehört wird?

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    Auf den ersten Blick hätte ein Profi wie Flynn das wissen müssen. Auf der anderen Seite war das höchstwahrscheinlich nicht seine eigene Entscheidung, zumal Präsident Trump später betonte, Flynn hätte nichts Falsches, sondern „nur seinen Job gemacht“. Demnach hatte er Flynn „keine diesbezüglichen Hinweise gegeben, hätte das aber getan, wenn er diesen Schritt nicht auf seine eigene Initiative unternommen hätte.“

    Das könnte bedeuten, dass Trumps Team keine direkten Kontakte mit russischen Vertretern unterhielt, die Situation aber so dringend war, dass der neue Präsident diesen Schritt tun musste. Die Frage ist nur, warum er dieses Opfer akzeptieren musste: 

    Es gibt im Grunde keine offenen Informationen, warum sich der scheidende Präsident Obama ein paar Wochen vor seinem Rücktritt unter einem offenbar aus dem Finger gesogenen Vorwand für die wohl seit 30 Jahren schärfste Anspannung der diplomatischen Beziehungen mit Russland entschied, indem er 30 russische Diplomaten des Landes verwies und ein der russischen Botschaft zur Verfügung stehendes Erholungsheim schloss.

    Ob das „nur“ seine Rache für die Niederlage der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton bei der Präsidentschaftswahl war? Oder wollte Obama absichtlich die Beziehungen mit Moskau verderben, sodass sie in den kommenden vier Jahren nicht wiedergutgemacht werden könnten? Die zweite Variante ist wahrscheinlicher. Angesichts dessen könnte Trumps Team dann auch tatsächlich Angst gehabt haben, dass der Kreml scharf reagieren würde. Deshalb musste Trumps Sicherheitsberater den russischen Botschafter anrufen.

    Allerdings ist der Skandal und Flynns Rücktritt wohl das geringere Übel im Vergleich dazu, was hätte passieren können, falls Obamas Plan funktioniert hätte und Moskau wirklich  reagiert hätte.

    Andererseits kann man Nancy Soderberg zustimmen, die gegenüber BBC sagte: „Die richtige Frage ist: Was wird das für die Administration Donald Trumps bedeuten? Und das kann vorerst niemand sagen.“

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    Tags:
    Sanktionen, FBI, Sergej Kisljak, Donald Trump, Michael Flynn, USA, Russland