23:08 21 September 2017
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    Nordkorea testet Pukguksong-2

    Angereichert heißt bewaffnet – Nordkoreas Atomprogramm macht Fortschritte

    © REUTERS/ KCNA
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    Nach Angaben des Chefs der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO), Yukiya Amano, baut Nordkorea schnell sein Atompotential aus. Ihm zufolge ist die Situation sehr ernst und es gibt keine Gründe zum Optimismus, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Mittwoch.

    Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un beobachtet den gleichzeitigen Teststart von vier Raketen
    © Foto: Botschaft Nordkoreas in Russland
    Der IAEO-Chef stimmte de facto der US-Administration zu, dass eine politische Vereinbarung mit Pjöngjang unter jetzigen Bedingungen unmöglich sei. Laut einer diplomatischen Quelle in Moskau sind Amanos Angaben „unglaubwürdig“. Außerdem sei er nicht bevollmächtigt, solche Verkündigungen zu machen. Laut der Quelle sind die russischen Behörden kategorisch gegen eine gewaltsame Lösung des Atomstreits mit Nordkorea.

    Dass die nordkoreanischen Behörden nicht bluffen, wenn sie von großen Fortschritten bei der Schaffung von Atomwaffen sprechen, berichtete Amano im „Wall Street Journal“. Besondere Aufmerksamkeit wurde dem nuklearen Forschungszentrum in Yonben gewidmet, wo sich die Fläche der Anlage zur Unrananreicherung seit 2010 mindestens verdoppelt hat. Darüber hinaus wird in Nordkorea die Produktion von Plutonium fortgesetzt.

    Der IAEO-Chef ging nicht auf Details ein und sagte nicht, wie viele Atomsprengköpfe das Arsenal Nordkoreas zurzeit zählt. Nach chinesischen und amerikanischen Aufklärungsangaben könnte es sich um 40 Sprengköpfe handeln.

    Amano zufolge sollte das Problem durch eine politische Vereinbarung mit Pjöngjang gelöst werden, was in nächster Zukunft jedoch eher unmöglich sei – wegen der „massiven Politisierung dieser Frage“:

    „Die Situation ist sehr ernst. Wir haben keine Gründe zu Optimismus.“

    Noch kritischer ist Washington gestimmt. US-Außenminister Rex Tillerson sagte bei seiner Asien-Reise in der vergangenen Woche, dass die „strategische Geduld gegenüber Nordkorea am Ende angelangt“ sei und Washington Pjöngjang jetzt stärker unter Druck setzen wolle, wobei politisch-wirtschaftliche und militärische Methoden genutzt würden.

    Als Verfasser der neuen Nordkorea-Strategie gilt laut US-Medien Trumps Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster. Am vergangenen Samstag traf er sich mit dem Präsidenten und sagte danach vor Journalisten, dass sich der nordkoreanische Staatschef „sehr schlecht verhält“.

    Der militärische Teil der Strategie sieht die Stärkung der US-Präsenz in der Region vor, darunter den Aufbau des Raketenabwehrsystems THAAD in Japan. Tillerson schloss die theoretische Möglichkeit eines militärischen Zusammenstoßes mit Pjöngjang nicht aus, falls Nordkorea weiterhin Südkorea und den dort stationierten US-Truppen drohe. Allerdings hält Reuters eine solche Entwicklung für kaum wahrscheinlich, rechnet aber damit, dass die Amerikaner Cyberangriffe und andere Geheimaktionen gegen die Führung Nordkoreas intensivieren werden.

    Bezüglich der politisch-wirtschaftlichen Maßnahmen erwägen die USA nach Reuters-Angaben eine mögliche Verschärfung der Sanktionen gegen Nordkorea, deren Ziel der Ausschluss des Landes aus dem internationalen Finanzsystem sei. Einschränkungen sollen gegen Banken und Unternehmen eingeführt werden, die bis heute mit Pjöngjang kooperieren.

    Moskau hat auf Amanos Verkündigungen mit Erstaunen reagiert. „Amanos Worte über die Verdoppelung der Infrastruktur für die Urananreicherung sind nicht glaubwürdig. Die Agentur hat keine Inspekteure vor Ort, nur Fotos dieser Objekte aus dem Weltall, womit dies nicht glaubwürdig festgestellt werden kann“, sagte eine diplomatische Quelle in Moskau.

    „Zudem ist Amano nicht bevollmächtigt, solche Dinge zu sagen. Seine Aufgabe ist es, Inspekteure vorzubereiten, um sie bei erster Möglichkeit nach Nordkorea zu schicken.“

    Was die Drohungen des US-Außenministers betrifft, seien Russland und China kategorisch gegen jede gewaltsame Lösung. Die Amerikaner sollten statt Drohungen einen Dialog mit Pjöngjang aufnehmen. Nordkoreas Staatschef erwarte vor allem dies, dann sei der Beginn von Verhandlungen im multilateralen Format möglich, so die Quelle.

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    Tags:
    Strategie, Plutonium, Sanktionen, Atomprogramm, IAEA (IAEO), Yukiya Amano, Rex Tillerson, Donald Trump, China, Russland, Japan, USA, Nordkorea