16:18 17 Februar 2020
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    Japan hat jüngst einen zweiten Hubschrauberträger in die Bewaffnung aufgenommen, schreibt die russische Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" am Montag. Das erste Schiff, die „Izumo“, kann nun demnächst ins Südchinesische Meer geschickt werden.

    Tokio macht keinen Hehl aus den Gründen: Es mache sich Sorgen über die Aktivitäten Chinas und dessen Bau von Kunstinseln und Militärstützpunkten im Südchinesischen Meer. „China will den aktuellen Status quo mit  militärischen Mitteln verändern und seine Nachbarn unter Druck setzen“, sagte Japans Vizeverteidigungsminister Takayuki Kobayashi.

    Durch das Südchinesische Meer werden jedes Jahr Güter im Wert von etwa fünf Billionen Dollar befördert. Japan und die USA fordern Peking nun zur Einhaltung der freien Schifffahrt auf. Neben China haben auch Malaysia, Vietnam, die Philippinen, Brunei und Taiwan Ansprüche auf die umstrittenen Inseln gestellt. Während Japan und die USA sich in formell nicht die Gebietskonflikte einmischen, ist für die anderen beteiligten Seiten auch ein anderer Aspekt wichtig: Im Südchinesischen Meer gibt es große Öl- und Gasvorkommen sowie viel Fisch. 

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    Der japanische Premier Shinzo Abe bemüht sich um eine Förderung der Rolle seines Landes bei der Regelung von internationalen Konflikten und ruft das Parlament dazu auf, die pazifistische Verfassung zu novellieren. Aber über diesen Kurs sind nicht nur China, sondern auch viele japanische Wähler beunruhigt, die laut der Zeitschrift „Newsweek“ gegen die Beteiligung japanischer Militärs an Kriegseinsätzen im Ausland sind. Militärexperten verwiesen in diesem Zusammenhang darauf, dass japanische Hubschrauberträger chinesische U-Boote beobachteten und an Landeeinsätzen teilnehmen würden. Eine Konfrontation allerdings wolle wiederum niemand.

    „Falls Japan ständig falsch handeln und Chinas Souveränität und Sicherheit gefährden sollte, würde China unbedingt Gegenschritte unternehmen“, warnte die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, Hua Chunying. „Wenn aber das japanische Schiff nur einigen Ländern normale Besuche abstattet, indem es durch das Südchinesische Meer verkehrt, haben wir nichts dagegen.“

    Japan will nun „Izumo-Besuche“ in Singapur, Indonesien, auf den Philippinen und nach Sri Lanka organisieren. Im Juli wird das Schiff voraussichtlich an einer gemeinsamen Übung mit den USA und Indien im Indischen Ozean teilnehmen.

    Viktor Pawljatenko vom russischen Institut für Fernost-Studien verwies darauf, dass über die Entsendung des Schiffes „schon seit mehr als einem Monat“ gesprochen werde. Es gebe Informationen, dass Japan den Philippinen militärische Hilfe leisten könnte. Außerdem wolle Tokio an den Patrouillen mit den USA teilnehmen. Aber im Vorfeld des Treffens der Präsidenten der USA und China, Donald Trump und Xi Jinping, scheint dieser Schritt fragwürdig.

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    Zu den Aussagen des japanischen Vizeverteidigungsministers sagte Experte Pawljatenko, sie zeugten von Tokios Absicht, sich als „nicht die letzte Großmacht aus militärpolitischer Sicht“ zu präsentieren. „Dennoch gibt es keine antichinesische Front, und es ist unwahrscheinlich, dass sich die Japaner um die Bildung einer solchen bemühen werden“, vermutete er.

    Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu und Außenminister Sergej Lawrow in Japan
    © Sputnik / Alexey Sherbak/Foto Itar-Tass/ POOL
    Zumal niemand Japan aus Südostasien verdränge – im Gegenteil: Alle freuen sich über die Investitionen in der Region. „Zumal im Hintergrund auch Gespräche über einen Seeverkehrskodex in der Region zwischen China und seinen Nachbarn geführt werden“, ergänzte Pawljatenko.

    In den letzten Tagen vermeidet Peking scharfe Aussagen, die von Amerikanern und deren Verbündeten als Drohungen wahrgenommen werden könnten. So erklärte der chinesische Premier Li Keqiang während seines jüngsten Besuchs in Australien, die Militärausrüstung, die China auf „seine“ künstlichen Inseln gebracht habe, sei vor allem für die friedliche Nutzung und die Förderung des Seeverkehrs bestimmt.

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    Tags:
    Hubschrauberträger, U-Boot, Schiff, Konfrontation, Shinzo Abe, Südchinesisches Meer, Tokio, Japan, USA, China