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    Nach den jüngsten dramatischen Nachrichten aus der umkämpften irakischen Stadt Mossul fragt sich die russische Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Mittwoch, warum die westlichen Länder diesmal keine Trauerglocken spielen.

    Im Oktober 2016 hatte Finnlands damalige Präsidentin Tarja Halonen in einer Gesprächsrunde des internationalen Diskussionsklubs „Waldai“ in Sotschi die Initiative der Finnischen Kirche vorgestellt, der Opfer von Bombenangriffen im syrischen Aleppo mit Glockengeläut zu gedenken. Sie forderte alle Kirchen der Welt auf, an dieser Aktion teilzunehmen.

    Aber angesichts einer ähnlich tragischen Situation im irakischen Mossul jetzt gebe es weder aus Helsinki noch aus anderen westlichen Hauptstädten ähnliche Aufrufe, so das Blatt.

    Niemand weiß genau, wie viele friedliche Zivilisten seit dem 17. Oktober 2016 ums Leben gekommen sind, als der Anti-IS-Einsatz der von den USA angeführten Koalition bei Mossul begann. Allein nach offiziellen Angaben der Uno liegt ihre Zahl schon weit über 240.000.

    Situation in Mossul
    © REUTERS / Ruairidh Villar/Save the Children
    Die Gefechte in der Altstadt Mossuls halten derweil weite ran, und weder der IS noch die Koalitionsmitglieder denken dabei großartig an die friedlichen Einwohner. Sie setzen unter anderem große Artilleriewaffen und Mehrfachraketensysteme ein, und zwar nicht gegen konkrete Ziele, sondern auf Orte, wo sich die Feinde ungefähr befinden könnten. Dasselbe gilt für die Fliegerkräfte. Dabei ist bekannt, dass der IS Giftstoffe und die Koalitionskräfte vermutlich Bomben mit weißem Phosphor einsetzten. Eine entsprechende Anfrage wurde an die dem US-Kommando unterstellte Vereinigte Operativgruppe geschickt, die diese Informationen aber weder bestätigte noch dementierte.

    Übrigens hatten die Amerikaner auch 2004 im Irak weißen Phosphor eingesetzt, als sie Falludscha zurückeroberten.

    Laut einigen Quellen sind in Mossul allein zwischen dem 17. und 23. März mehr als 230 Zivilisten durch Luftschläge der Koalitionskräfte ums Leben gekommen. Die Amerikaner nennen dies „Befreiung“ und „Fortschritt“ im Kampf gegen den IS und beteuern, die Koalition würde ihr Bestes tun, „um die Risiken für die an den Gefechten nicht beteiligten Menschen und die Schäden für zivile Strukturen zu minimieren“.

    Dabei bleibt den mehr als 400.000 Einwohnern Mossuls im Grunde keine Wahl: Entweder bleiben sie in der Stadt und könnten durch die Gefechte getötet werden, oder sie versuchen, zu fliehen, um dabei ebenfalls ums Leben zu kommen. Falls sie die Stadt doch verlassen können, müssen sie in einem Flüchtlingslager für einen Platz in einem Zelt, für Trinkwasser und Lebensmittel sowie Medikamente kämpfen.

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    Tags:
    Tote, Islamischer Staat, Trauer, Tragödie, Zivilisten, Mossul, Irak